Rehberg: Mix aus Ballbesitzfußball und Umschaltspiel

05-Offensivspieler Jairo (rechts) könnte für die Pässe in die Spitze sorgen. Foto: Sascha Kopp

Mainz 05 hat am Samstag im Derby beim SV Darmstadt 98 die sportlich stärkeren Argumente. Die Frage ist: Wie werden sie die Lilien bespielen? Ballbesitzfußball oder...

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. Natürlich kann man gegen ein abgeschlagenes Schlusslicht verlieren. Die 05er können grundsätzlich jede Mannschaft dieser Liga schlagen – und sie können gegen jede Mannschaft dieser Liga ein Tor zu wenig schießen. Klar ist aber auch: Gegen den FC Bayern sind die Mainzer auch darauf angewiesen, dass der Gegner nicht seinen besten Tag erwischt – als Gast des Tabellenletzten geht es in erster Linie um die Mobilisierung der eigenen fußballerischen und mentalen/emotionalen Qualität.

17 Punkte trennen die Teams

Das Team von Martin Schmidt hat an diesem Samstag im Derby beim SV Darmstadt 98 die sportlich stärkeren Argumente. Wenn dem nicht so wäre, dann würden die beiden Klubs in der Tabelle nicht 17 Punkte voneinander trennen. Dieses Duell regelt sich über Leistung. Und über die Bereitschaft, das eigene Können mit der nötigen Konzentration und Konsequenz durchzudrücken.

Die Schmidt-Elf hat in Leverkusen gewonnen mit einem Startüberfall und mit einer sauberen Verteidigungsleistung. Sollten die 05er auch in Darmstadt relativ zeitig in Führung gehen, dann wird es in der Folge aus einer tieferen Abwehrstellung heraus genügend Konterchancen geben. Sollte es eher ein zähes Ringen werden - ein harter Verdrängungskampf im Mittelfeld mit vielen Unterbrechungen und Zweikämpfen -, dann muss sich das Team auf Strecke durchsetzen, das Gespür entwickeln für die entscheidenden Momente in dieser Partie.

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Das Passspiel verbessern

Wichtig wird sein, dass die 05er ihr Passspiel verbessern. Martin Schmidt betont häufig, er brauche keinen Ballbesitz. Wenn der Gegner aber am Mainzer Tor vorbeigeschossen hat, dann braucht es immer eine Idee, auf welchem Weg die Kugel wieder in die gegnerische Spielhälfte gelangen soll. Zuletzt haben in der Spieleröffnung die Innenverteidiger Stefan Bell und André Ramalho zumeist den langen Schlag gewählt. Dann muss aber auch gewährleistet sein, dass vorne ein intensiver Kampf um die vom Gegner abgewehrten Bälle stattfindet. Das gelingt den 05ern nicht immer. Insbesondere nicht in Phasen, in denen die Mittelfeldsechser Danny Latza und Fabian Frei (wahlweise Jean-Philippe Gbamin) sehr tief stehen. Wenn der gesamte Block aggressiv nach vorne schiebt, wie in der ersten Halbzeit gegen den VfL Wolfsburg, dann ergeben sich in der gegnerischen Spielhälfte die interessanten Balleroberungen. Die die Grundlage dafür sind, den gegnerischen Strafraum auch mal auf kürzeren Wegen und mit Flachpässen anzusteuern.

Grundsätzlich müssen technisch gute Spieler wie Bell, Ramalho, Latza und Frei auch in der Lage sein, gegnerische Linien von hinten heraus mit konstruktivem Flachpassspiel zu überwinden. Man kann das eine tun, ohne das andere auszuschließen. Sprich: Auch eine Umschaltmannschaft gerät in Situationen, in denen ein kultivierter Ballvortrag nötig ist.

Entlastung für Cordoba

Letzteres wäre auch eine Hilfe für Jhon Cordoba. Der Mittelstürmer muss sich sehr oft aufreiben in Zweikämpfen mit knüppelharten Stopperriesen, in denen der Kämpfer und Wühler einen weit geschlagenen hohen Ball mit der Brust stoppen, herunterholen, mit dem Körper abdecken muss. Und erst dann kann sich der Kolumbianer aufdrehen, ins Dribbling gehen oder die Kugel weiterleiten. Das kostet viel Kraft und viel geistige Energie. Man kann Cordoba keinen Vorwurf machen, wenn er ob dieser Schwerstarbeit auf keine tolle Torquote kommt. Würden die 05er die Kugel öfter am Boden halten, dann könnte sich der Büffel aus Südamerika auch mal darauf konzentrieren, mit Absetzbewegungen in die Tiefe Optionen zu bieten für kreative Anspiele in die Abwehrlücken. Latza, Frei oder auch Jairo können diese Pässe spielen. Und auch ein physisch präsenter Bojan Krkic sollte diese Anspiele im Repertoire haben.

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Und auch nach solchen Aktionen spricht ja nichts dagegen, dass die 05er schon in der nächsten Szene wieder einen klassischen Umschaltüberfall starten. Wenn es passt. Die individuelle Qualität für einen variableren, vom Gegner schwerer auszurechnenden Mixed-Stil sollten die 05er haben. Ballbesitzfußball oder Umschaltfußball, das muss kein unüberbrückbarer Gegensatz sein. Die Mischung macht's. Je nachdem, wie sich die Situation auf dem Feld darstellt. Festzuhalten ist: In den Heimspielen gegen Werder Bremen und gegen den VfL Wolfsburg, auch in der zweiten Halbzeit in Leverkusen, hatten die 05er nur ganz wenige klar herausgespielte Torannäherungen. Auf diesem Gebiet besteht Verbesserungsbedarf.