Rehberg: Mit Tempo und Zielstrebigkeit in Belgien

05-Fans. Foto: Sascha Kopp

Richtungsweisendes Europa-League-Spiel für den FSV Mainz 05. Donnerstag treten die 05er beim RSC Anderlecht an. Fünferkette oder das bewährte 4-2-3-1? Unser Experte Reinhard...

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. Europaliga. Die Situation in der Gruppe C kann an diesem Donnerstagabend klarer werden. Wenn die AS Saint-Étienne beim abgeschlagenen FK Qäbälä den Pflichtsieg einfährt, dann hieven sich die Franzosen auf acht Punkte. Schlägt der RSC Anderlecht im eigenen Stadion die 05er, dann haben auch die Belgier acht Zähler auf dem Konto. Für die Mainzer wäre dann noch nichts verloren im Kampf um einen der ersten beiden Plätze. Aber drei Punkte Rückstand wären eine Bürde. Dann müssten die 05er in Saint-Étienne gewinnen. Unkomplizierter ist dieses Denkmodell: Sieg oder ein Remis im atmosphärisch dichten Stadion „Constant vanden Stock“ im Brüsseler Stadtteil Anderlecht – und alle Türen bleiben offen. Wir haben inzwischen alle Mannschaften gesehen. Fazit: Zwischen den drei führenden Mannschaften gibt es qualitativ keine gravierenden Unterschiede.

Mental und emotional aufgebaut

Die 05er haben sich mental und emotional aufgebaut mit ihrem 2:0-Heimsieg in der Liga gegen den FC Ingolstadt. Der RSC Anderlecht hat am vergangenen Sonntagabend in der belgischen Topliga die Tabellenführung eingebüßt. Nach einer kuriosen 1:2-Niederlage. Als Gast eines Klubs aus der unteren Tabellenhälfte. Waasland-Beveren kassierte nach wenigen Spielsekunden eine Rote Karte - und ging nach neun Minuten dennoch mit 1:0 in Führung. RSC-Torjäger Lukasz Teodorczyk egalisierte. Nach einer guten halben Stunde schaffte der krasse Außenseiter in Unterzahl das 2:1. In der 77. Minute flog RSC-Mittelfeldspieler Stéphane Badji vom Feld. Das Ergebnis hatte Bestand.

Anderlecht-Coach René Weiler hatte im Vergleich zum 1:1 in Mainz in seiner Liga-Startelf lediglich die beiden Innenverteidigerhünen Sergine Mbodji und Olivier Deschacht nicht dabei. Neben dem Holländer Bram Nuytinck verteidigte im Zentrum Mittelfeldspieler Leander Dendoncker. Für den auf der Sechserposition der Senelagese Badji gemeinsam mit Juri Tielemans das Spiel ankurbelte.

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Drei oder zwei Innenverteidiger?

In der Opel Arena waren die Belgier mit drei Innenverteidigern angetreten. Ob Weiler diese Variante auch in einem Heimspiel auspackt, das ist ungewiss. Absehbar ist, dass der RSC Anderlecht in die Spielmacherrolle gedrängt wird gegen die Konter-05er. Da wird es für die Schmidt-Elf in erster Linie darum gehen, das Zentrum mit einer guten Raumaufteilung und extrem kampfstark zu verdichten. Denn im Hinspiel hat sich gezeigt: Die offensive Stärke der Belgier liegt in den Laufwegen und in den Pässen direkt hinein in die Lücken zwischen den gegnerischen Außen- und Innenverteidigern. Die Angreifer – der umtriebige und kopfballstarke Mittelstürmer Teodorczyk, der dribbelstarke Sofiane Hanni und der unterkühlte Techniker Nicolae Stanciu - trieben sich im Zentrum und in den Halbräumen herum. Dort lauerte das Trio – wechselseitig als Absender oder als Lieferadresse - auf den Tiefenpass. Die offensiven Flügelpositionen wurden besetzt von den antrittsschnellen Außenläufern Emmanuel Adjey Sowah und Frank Acheampong.

Da wäre es denkbar, dass diesmal Martin Schmidt drei Innenverteidiger nominiert. Gegen den Ball wäre das eine Fünferabwehrreihe. Das verkürzt die Abstände zwischen den Kettenmitgliedern, das erleichtert in der letzten Reihe die (im Rücken immer abgesicherte) Nachvorne-Verteidigung. Das sorgt gemeinsam mit den beiden defensiven Mittelfeldspielern für ein kompaktes Zentrum. Und in der offensiven Umschaltbewegung können sich die beiden Außenverteidiger ohne Sorgen umgehend im Sprint nach vorne absetzen. Hinten decken dann immer noch drei Stopper den Raum ab. Strategisch betrachtet ist das zumindest eine Option. Wobei Schmidt der Verfechter des 4-2-3-1 ist. In dieser Grundordnung hat die Mannschaft verlässliche Automatismen auf der Festplatte. Und der Trainer muss nicht einen seiner vier Konterspezialisten opfern für einen dritten Innenverteidiger. Eine Sache der Abwägung.

In Mainz offenbarten die Belgier, insbesondere in der ersten Halbzeit, gravierende Schwächen in der defensiven Umschaltung. Fünf Mann im Angriffsdrittel, dazu die stark ins Aufbauspiel eingebundenen beiden Sechser, da taten sich für die 05er im offensiven Umschaltspiel phasenweise große Räume auf. Im Mittelfeldzentrum und auf den vorderen Halbspuren. Das galt auch für jene Szene, als Karim Onisiwo bei seinem Pfostenschuss das mögliche 2:0 verpasste. Diese Situationen werden sich mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in Anderlecht ergeben. Dann geht es um Tempo und Zielstrebigkeit Richtung gegnerischen Kasten. In diesem Metier kennen sich die Umschaltbolzer Yunus Malli, Jhon Cordoba, Levin Öztunali, Pablo de Blasis, Jairo oder Onisiwo besonders gut aus. Und natürlich werden diese Spiele auch gerne entschieden über Standards. Da liefert Yunus Malli sehr gute Eckbälle. Aber die seitlichen Freistöße des Technikers enden noch zu oft auf dem Kopf des vordersten gegnerischen Abwehrspielers.