Rehberg: Mit Mut zum Erfolg, mit Erfolg zum Selbstvertrauen

Yoshinori Muto. Foto: dpa

Erfolg zieht Erfolg an - eine ewig gültige Formel im Leistungssport. Mit einem qualitativ breiten Kader, mit sechs Punkten und dem Heimerfolg gegen Hannover 96 im Rücken...

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. Das ist unser Haus, hier machen wir die Regeln, hier hat sich der Gegner nach uns zu richten. Diese auf Selbstvertrauen basierende Erfolgsmentalität kann man sich erarbeiten. Womit? Mit einer ebenso mutigen wie leidenschaftlichen Herangehensweise – und mit Siegen. Erfolg zieht Erfolg an. Das ist eine ewig gültige Formel im Leistungssport. Mit einem qualitativ breiten Kader, mit sechs Punkten und dem souveränen Heimerfolg gegen Hannover 96 im Rücken können die 05er an diesem Freitagabend in der Coface Arena mit einer gesunden Mentalität das nächste Projekt starten. Der Gegner ist die TSG 1899 Hoffenheim.

Überrollen werden die Mainzer einen Bundesligagegner eher selten. Dafür sind die Top-Sechs in einer der stärksten Ligen in Europa individuell zu gut besetzt, der Mittelbau ist zu ausgeglichen und die Nachzügler bewegen sich in der Mehrzahl qualitativ auch auf Augenhöhe des Tabellenmittelstandes. Aber die Elf von Martin Schmidt kann mit Laufbereitschaft, Aggressivität, Wucht und Tempo Heimspiele organisieren, die das Publikum mitreißen, die eine besonders wilde Atmosphäre schaffen im Mainzer Wohnzimmer, das dann den Gegner beeindruckt und nur bedingt zur Entfaltung kommen lässt. Das ist es, wofür die Mainzer ins Stadion kommen.

Ein Sieg hätte Auswirkungen auf die nächsten Spiele

Das Ergebnis ist nicht zweitrangig, aber die Zuschauer an diesem Standort haben in erster Linie ein gutes Gespür für Einstellung, für Bereitschaft, für Willen, für physische Dominanz, für Veranstaltungen im 300-PS-Modus. Das ist die Grundlage für einen gelungenen Flutlichtabend in Mainz. Dann werden auch Fehler verziehen. Und gelungene Rettungsaktionen in der Abwehr oder ein erzwungener Eckball im gegnerischen Strafraum werden frenetisch gefeiert.

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Ein nicht unwesentlicher Nebenaspekt für das Schmidt-Team diesem fünften Spieltag: Sollten die 05er am Freitagabend nach dem Abpfiff gegen 22.20 Uhr neun Punkte auf dem Konto haben, dann hat das Auswirkungen auf das Zutrauen und den Mut in der folgenden englischen Woche in den Auseinandersetzungen mit den international gestählten Ligagrößen Bayer Leverkusen (in der BayArena) und FC Bayern München (zu Hause). Genau dann lösen diese Duelle keinen Druck aus, sondern Gefühle von Spaß und Herausforderung.

1899 will über „viele kleine Erfolgserlebnisse“ zurück in die Spur

Die Hoffenheimer sind nach vier Spielen bei einem Punkt hängen geblieben. Das ist wenig. Markus Gisdol spricht schon davon, seine Mannschaft müsse sich nun mit „vielen kleinen Erfolgserlebnissen“ in die Spur bringen. Das bedeutet nichts anderes, als dass der Trainer seine Spieler vom Ergebnisziel ablenken wird mit einer Betonung der Handlungsweisen. Das betrifft dann häufig Messdaten wie die Gesamtkilometerstrecke, die Anzahl der Sprints und vor allem die gewonnen Zweikämpfe. Wenn die 05er in diesen Rubriken zumindest nicht unterlegen sind, dann ist das auf der Grundlage des beflügelnden Heimerlebnisses und des besseren Gefühls mit bereits zwei Saisonsiegen im Buch der Weg zum Erfolg.

Die angeschlagenen Hoffenheimer werden wahrscheinlich auf eine Kontertaktik setzen. Defensive Sicherheit, den Gegner bearbeiten, blockieren und bremsen. Und dann in günstigen Situationen nach vorne ausschwärmen und die Schnelligkeit und Torgefährlichkeit von Angreifern wie Kevin Volland, Eduardo Vargas und Jonathan Schmid nutzen. Für die Mainzer tut sich damit die Aufgabe auf, mit Geduld und präzisem, druckvollem Passspiel Lösungen zu finden im eigenen Ballbesitz - ohne dabei die rückwärtigen Räume unkontrolliert zu öffnen. Eine komplexe Herausforderung vor allem für die beiden Mittelfeldsechser Julian Baumgartlinger und Danny Latza. Aber auch für die beiden Außenverteidiger. Leon Balogun und Pierre Bengtsson hatten beim 1:2 auf Schalke in der reinen Defensivarbeit nicht ihren besten Tag. Mag sein, dass Schmidt auf diesen Positionen Daniel Brosinski und Neuzugang Gaetan Bussmann das Vertrauen schenkt.

Muto als Waffe gegen unbewegliche Innenverteidiger

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Im Angriffszentrum wird der flinke und wendige Yoshinori Muto eine Waffe sein gegen die nicht ganz so beweglichen Innenverteidiger Niklas Süle (1,95 Meter hoch) und Fabian Schär. Die Außenverteidiger der TSG, Pavel Kaderabek (dynamisch) und Jin-Su Kim (spielerisch befähigt), marschieren gerne nach vorne. Da sollte sich den 05ern immer mal wieder die Chance bieten, nach Gegenpressingerfolgen oder abgefangenen Kontern Tempo aufzuziehen über die Außenbahnen. Da sind dann Christian Clemens und Jairo gefragt. Sollte der Spanier noch nicht wieder fit sein, dann wäre auch eine Lösung mit Florian Niederlechner als Mittelstürmer und Muto an der linken Leitplanke denkbar.

Sollte es im Verlauf der Partie nach vorne zäh werden, dann könnte Schmidt von der Bank noch den Dribbler Pablo de Blasis, den neuen muskulösen Mittelstürmer Jhon Cordoba und/oder den Techniker und kreativen Passgeber Philipp Klement aus der 05-U23 ins Rennen werfen. Nette, den Hoffenheimern noch nicht sehr gut bekannte Optionen.