Rehberg: Mit kollektiver Energie gegen die Eintracht

Yunus Malli (li) und Yoshinori Muto gehörten zum den besten drei Offensiv-Duos der Bundesliga. Wer wird Malli ersetzen? Foto: Sascha Kopp

Es ist wieder soweit, das Rhein-Main-Derby zwischen Mainz 05 und der Frankfurter Eintracht steht an. Das Derbyduell bietet den Rheinhessen die passende Gelegenheit, mental und...

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. Hätten die 05er das verkorkste Heimspiel gegen Werder Bremen gezogen, und dafür hätte es nicht mal einer Wunderleistung bedurft, dann wäre diese Hinrunde für das Team von Martin Schmidt schon in trockenen Tüchern. Den Schritt in eine abgesicherte nahe Zukunft kann diese Mannschaft aber nun am kommenden Wochenende machen. Mit einem Heimsieg im Rhein-Main-Derby gegen die Eintracht. Dann hätten die Mainzer 20 Punkte im Safe - bei noch drei ausstehenden Spielen bis zur Saison-Halbzeit mit den Aufgaben beim Hamburger SV, gegen den VfB Stuttgart und bei Hertha BSC Berlin.

Spieltagsbetrachtungen machen meistens keinen großen Sinn. In diesem Fall schon. Am kommenden Wochenende empfängt der Tabellenletzte TSG Hoffenheim mit schlotternden Gliedern die von Erfolg zu Erfolg eilende Gladbacher Borussia. Der Tabellenvorletzte FC Augsburg muss sich als 4:0-Sieger mit dem 6:0-Sieger VfL Wolfsburg auseinandersetzen. Und der Drittletzte, die heftig durchgeschüttelten Stuttgarter, müssen aufpassen, dass sie im Dortmunder Freudenhaus nicht aufgefressen werden. Und wenn wir nach oben schauen, dann stellen wir fest, dass der nur drei Zähler von den 05ern entfernte FC Schalke 04 nach sieben Spielen ohne Sieg mit der Aufgabe in Leverkusen auch nicht überragend gut bedient ist. Wir halten fest: Die Schmidt-Elf kann im Derby gegen die wenig stabile Eintracht diese Vorrunde noch auf eine Bühne heben, die vor drei Wochen nicht mal schemenhaft erkennbar war.

Cordoba in der Hinterhand

Zwei Spiele ohne Gegentor, die Defensivordnung ist wiederhergestellt. Mit „M & M“ bringen die 05er, und das ist bemerkenswert, das dritterfolgreichste Offensivduo der Liga an den Start: Robert Lewandowski (14 Tore/eine Torvorbereitung)/Thomas Müller (12/4) führen in dieser Rangliste vor Pierre-Emerick Aubameyang (15/3)/Marco Reus (7/1) und vor Yunus Malli (7/0)/Yoshinori Muto (6/4). Da kann es durchaus der Mainzer Anspruch sein, im Derby Defensivstabilität zusammen zu bringen mit auf Tempoattacken basierender Torgefährlichkeit.

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Zumal Martin Schmidt mit Jhon Cordoba noch einen frischen „Neuzugang“ in der Hinterhand hat, der beim 0:0 in Köln in seinen 22 Minuten als bulliger Mittelstürmer angedeutet hat, dass er diese Mannschaft befruchten kann. Dann könnte Torjäger Muto mit seiner Geschwindigkeit, Wendigkeit und Ballsicherheit den linken Flügel verstärken. Eine Position, auf der Jairo seit Wochen aufopferungsvoll gegen den Ball arbeitet, im offensiven Zweikampf aber unzählige leichte Ballverluste einstreut. Und der Tempobolzer Christian Clemens ist auch wieder fit.

Die Macht der kollektiven Energie

Was fehlt noch, um Spiele wie in Köln, die ausgeglichen sind, die eng sind, in denen der Gegner aber den passenden Schraubenschlüssel nicht findet (oder gar nicht in seinem Werkzeugkasten hat), zu gewinnen? Man kann dann immer über Passpräzision, Konter besser ausspielen oder Chancenverwertung diskutieren. Sprechen wir über Intensität, über Enthusiasmus, über Mut, über die Lust darauf, Grenzen nach vorne zu verschieben, über Willen, über Erfolgsgier, über die Bereitschaft, eine verbeulte Dose zu knacken auch ohne einen elektrischen Büchsenöffner. Warum steht Shinji Okazaki mit Leicester City an der Spitze der Premier League? Warum gewinnt der FC Liverpool mit Jürgen Klopp beim mit Weltklassekickern bestückten FC Chelsea, warum zersägen die gut, aber nicht überragend aufgestellten Reds die unter einer Scheich-Flagge segelnde Luxusyacht von Manchester City? Wir reden von Leidenschaft, wir reden von der Macht der kollektiven Energie.

Da haben die 05er Spielraum nach oben. Das Derbyduell mit der Frankfurter Eintracht bietet die passende Gelegenheit, mental und emotional noch zwei, drei Knöpfe mehr aufzumachen. Da verblassen die anderen Fußballthemen. Ob der Pate Sepp Blatter und sein Ex-Kompagnon Michel Platini noch länger gesperrt werden, ob ein milliardenschwerer Scheich Fifa-Präsident wird, ob der blasse CDU-Politiker Reinhard Grindel DFB-Präsdient wird, ob der Kaiser Franz Beckenbauer vor einer Unterschrift Texte liest, ob die 50+1-Klubs auch künftig Fernsehgeld schnappen, all das soll uns in dieser Woche mal ziemlich egal sein. Und ob die 05-Führungscrew inzwischen an einer Nachfolge-Regelung für Christian Heidel bastelt, das erfahren wir eh nicht. Konzentrieren wir uns mit großer Vorfreude auf das anstehende Rhein-Main-Derby in der Coface Arena.