Rehberg: Mehr als ein "normales Testspiel" gegen Kloppo

Jürgen Klopp. Foto: dpa

An diesem Sonntag wird der neue Name des 2011 in Betrieb genommenen Mainzer Stadions eingeweiht. Zur Eröffnung der Opel Arena kommt standesgemäß der FC Liverpool mit Jürgen...

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. An diesem Sonntag wird der neue Name des 2011 in Betrieb genommenen Mainzer Stadions eingeweiht. In den Bretzenheimer Feldern steht nun also die: Opel Arena. Der Fahrzeugbauer aus dem hessischen Rüsselsheim hat sich nicht mit der Frankfurter Eintracht zusammen getan, sondern mit den rheinland-pfälzischen Mainzern. Das mag auch an dem auf dem Markt überragend erfolgreichen Werbegesicht des Autokonzerns gelegen haben. Jürgen Klopp. Der hat zwar mal in der zweiten Mannschaft der Eintracht angefangen, danach hat er aber über lange 17 Jahre als Spieler und Trainer den Fußball in Mainz geprägt. Und wer schlägt nun zur Namenseinweihung in der Arena auf? Opel proudly presents: Jürgen Klopp und dessen neuen Klub, der ruhmreiche FC Liverpool.

Für Martin Schmidt ist das nur ein „normales Testspiel“ in der sechsten Woche dieser langen neunwöchigen Sommer-Vorbereitung. Für die 05er ist das mehr. Da lohnt ein kurzer Blick in die Vereinsgeschichte. Mitte der 1990er-Jahre etablierte die große Persönlichkeit Wolfgang Frank am Bruchweg mitten im tobenden Zweitliga-Abstiegskampf sehr erfolgreich eine neue Spielidee: Raumdeckung, Pressing, Viererabwehrkette. Ein Erweckungserlebnis. Der Spieler Jürgen Klopp saugte diese damals in Deutschland noch als gewagtes Experiment bewerteten Inhalte gierig auf. Und als er an Fastnacht 2001 in einem der nächsten Abstiegskämpfe zum Trainer befördert wurde, da fischte er die alten „Frank-Folien“ wieder aus der Schublade.

Franks Ideen mutig und kreativ weiterentwickelt

Von da an entwickelte sich der Klub Schritt für Schritt zu einer Nummer auf der Fußball-Landkarte. Der Autodidakt Klopp entwickelte die Ideen von Frank mutig und kreativ weiter. 2004 der erste Aufstieg in die Bundesliga, drin geblieben, Uefa-Pokal. Vor dem dritten Erstligajahr fegte die Klopp-Elf in einem furiosen Testspiel den amtierenden Champions-League-Sieger FC Liverpool mit 5:0 aus dem Bruchwegstadion. Am Ende folgte der Abstieg. Das war 2007.

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Im Sommer 2008 veränderte sich Klopp nach Dortmund. Mit einem berauschenden Pressing- und Umschaltspiel reihte der charismatische Trainer mit der Borussia einen Erfolg an den nächsten: Zweimal Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger, Champions-Leage-Finalist. Die 05er kehrten in die Eliteliga zurück. Thomas Tuchel fügte Klopps Tempofußball ein neues Element hinzu: Ballbesitzkultur. Gekrönt mit zwei Qualifikationen für den Europapokal. Heute leitet Tuchel als Nachfolger von Klopp die Dortmunder an. Klopp hat in der vergangenen Saison mit dem FC Liverpool im Europaliga-Viertelfinale Tuchels schwarz-gelbe Borussia ausgeschaltet. Das Finale gegen den FC Sevilla haben die „Reds“ verloren. In der anstehenden Spielzeit muss sich Klopp nun ohne internationale Aufgaben mit den drei Wettbewerben in England begnügen. Thomas Tuchel spielt Champions League. Und die Mainzer? Die treten demnächst unter Martin Schmidt nach Platz sechs in der Vorsaison mit ihrem kampfbetonten und tempogeladenen Umschaltfußball Kloppscher Prägung in der EL-Gruppenphase an. Fußballgeschichte im Zeitraffer.

Keine „Homecoming-Ceremony“ für Karius

Klopp bastelt an der Anfield Road längst an einer Mannschaft, die schon 2016/17 in der Premier League um den Titel mitkämpfen soll. Welche Neuzugänge werden wir am Sonntag in der Opel Arena sehen? Auf keinen Fall Loris Karius (23). Das große Torwarttalent, das sich unter Stephan Kuhnert in Mainz zu einem Spitzenmann entwickelt hat, hat sich nach seinem Wechsel zum FC Liverpool auf der USA-Reise des Klubs in einem Testspiel gegen den FC Chelsea die Hand gebrochen. Die „Homecoming-Ceremony“ in Mainz findet nun ausschließlich für Jürgen Klopp statt. Der zwischen den Pfosten wieder auf den Belgier Simon Mignolet bauen muss. Und auf den 39 Jahre alten Österreicher Alex Manninger, der vom FC Augsburg zu den „Reds“ gewechselt ist. Manningers Vereinsliste ist imponierend: Austria Salzburg, Grazer AK, Arsenal London, AC Florenz, Espanyol Barcelona, FC Turin, FC Bologna, Brescia Calcio, AC Siena, Juventus Turin, RB Salzburg, FC Augsburg, FC Liverpool. Großartig.

Das Abwehrzentrum hat Klopp verstärkt mit Bundesligaspielern: Joel Matip (25) vom FC Schalke 04 und Ragnar Klavan (29) vom FC Augsburg. Für das offensive Mittelfeld kam der Holländer Georgini Wijnaldum (25) von Newcastle United. Und für den Angriff holte Klopp für eine 36-Millionen-Ablöse vom FC Southampton den schnellen Senegalesen Sadio Mané (24). Keine Weltstars, sondern entwicklungsfähige, noch hungrige Qualitätsspieler. Die zügig integriert werden sollen in den Stamm mit James Milner, Jordan Henderson, Philippe Coutinho, Robert Firmino, Adam Lallana oder auch Emre Can. Letzterer, deutscher EM-Spieler, aufgewachsen in Frankfurt, ausgebildet beim FC Bayern, will im zentralen Mittelfeld die Führungsfigur werden.

Ergebnis ist zweitrangig

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Für die 05er ist das schon ein Bundesligatest. In der Außenseiterrolle. Gegen diesen hochkarätigen Gegner wird sich zeigen, wie weit Martin Schmidts Mannschaft aktuell ist in der Defensivorganisation und im Umschaltverhalten in beide Richtungen. Und wir werden beobachten, wie sich die 05-Sechser behaupten können gegen die Wucht und gegen das Tempo der Liverpooler. José Rodriguez, Suat Serdar, Fabian Frei und die Allzweckwaffe Besar Halimi sind die Kandidaten, nachdem sich Jean-Philippe Gbamin verletzt hat. Ein 5:0-Sieg ist nicht befürchten. Aber das Ergebnis ist eh zweitrangig. Es geht um eine zunehmend stabiler werdende Struktur nach Beendigung der Trainingslagerphase.