Rehberg: Mainz 05 kann die starke Hertha kontrollieren

Derzeit richtig stark: Hertha BSC Berlin. Foto: dpa

Hertha BSC Berlin hat einen Lauf, die Mannschaft lebt von Überzeugung, Selbstvertrauen und Gelassenheit. Doch unschlagbar sind die Berliner nicht. Schon gar nicht für Mainz...

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. Das ist bemerkenswert: Im Torverhältnis unterscheiden sich der Tabellendritte Hertha BSC (24:18) und der Tabellensiebte Mainz 05 (23:21) nur unwesentlich. Plus sechs gegen plus zwei. Die Berliner haben lediglich ein Tor mehr geschossen und nur drei Gegentreffer weniger kassiert als ihr Sonntagsgegner. Und das hat gereicht, um satte fünf Punkte mehr aufs Konto zu schaufeln als die 05er. Wofür das spricht? Die Hertha spielt extrem effizient. Die Mannschaft von Pal Dardai ist in der Lage, auch viele der ganz engen Spiele für sich zu entscheiden. Zufall ist das eher selten. Da geht es um Mentalität. Die Hertha lebt seit einigen Wochen von Überzeugung, von Vertrauen in die eigenen Stärken, von einer Mischung aus Gelassenheit und Behauptungswillen in schwächeren Spielphasen. Die Hertha lebt von einem Leichtigkeit erzeugenden Flow. Darauf müssen sich die Mainzer einstellen beim Auftritt im Berliner Olympiastadion.

Hertha ist nicht Bayern oder Dortmund

Taktisch müsste die Hertha dem Team von Martin Schmidt aber gut liegen. Die Berliner haben den Anspruch, ihre Heimspiele zu dominieren über ihre Laufstärke, über ihre gute Organisation im Raum und über ihre automatisierten Passmuster im Eröffnungs- und Aufbauspiel. Die Berliner werden die Spielmacherrolle gerne annehmen. Aber man muss die Hertha auch nicht überhöhen: Da stehen nicht die technisch perfekten, kreativen und flinken Passkünstler vom FC Bayern oder von Borussia Dortmund auf dem Platz.

Die 05er sind in der Lage, mit ihrem Ansatz die erstarkte Hertha, die in der Offensive nicht diese Ausnahmekönner der Spitzenteams am Start hat, zu kontrollieren. Die Schmidt-Armada nähert sich der von Lucien Favre geprägten Spielweise an. Den Gegner machen lassen, in einem dichten Defensivverbund verteidigen, den Gegner in einen Irrgarten mit zugestellten Passwegen und verstopften Ausgängen locken, Fehlabspiele provozieren. Und dann sehr geradlinig, schnell und zielstrebig offensive Umschaltüberfälle durchziehen. Mit möglichst kurzen Ballkontaktzeiten. Mitten hinein in Zonen, die der Gegner - in diesen wichtigen Momenten nach dem Ballbesitzwechsel - mit weniger Personal und mit einer nicht mehr stabilen Organisation verteidigen muss.

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Dominanz hat ihre Tücken

Wenn das den 05ern gelingt, dann wird sich zeigen, ob die Hertha auch an diesem Tag und gegen diesen ekligen Gegner die nötige Ballbesitz-Mentalität aufbringt. Dominanz hat ihre Tücken und Fallen. Denn es ist schuftig, sehr viel zu investieren in Laufkilometer, in Tempobemühungen, in Positionsrochaden und in Passmuster, wenn der Gegner plötzlich aus seiner defensiven Sicherheit heraus mit wenigen Gegenzügen mehr Torgefährlichkeit ausstrahlt als das aufwendig kombinierende Spielmacherteam. Dieses hat dann irgendwann das Gefühl: Wir rennen an, machen und tun, aber merkwürdigerweise fallen die Äpfel gerade alle in den Garten des Nachbarn.

Diesen leicht paradoxen Spielverlauf haben die seit sechs Spielen ungeschlagenen 05er häufig provoziert. Zuletzt beim 2:0 in der Coface Arena gegen den VfL Wolfsburg, danach auswärts beim 3:3 gegen den FC Augsburg, beim 0:0 in Köln und noch erfolgreicher beim 3:1 in Hamburg. Motto: Gib dem Gegner den Ball, der passt sich die Füße wund und irgendwann die Nase blutig – und wir setzen mit Geduld und wachsender Lust und Überzeugung unsere Konter.

Bloß nicht in Rückstand geraten

Eine Bedingung für das Umschaltkonzept ist: Man sollte nicht in Rückstand geraten. Schon gar nicht in Berlin. Denn die Hertha behält in ihrer Flow-Stimmung auch unter Druck den Kopf oben. Und wenn die Dardai-Elf mal in Führung gegangen ist, dann sind die 05er dazu gezwungen, das zu tun, was ihnen weniger gut liegt: Aus der Spieleröffnung heraus ein Angriffsspiel aufzuziehen gegen einen tief verteidigenden und auf Konterchancen lauernden Gegner – siehe das 0:0 gegen den VfB Stuttgart.

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Beide Mannschaften können sehr effizient zum Wunschergebnis kommen. Aber die Hertha hat in dieser Saison noch nicht gegen Yunus Malli, Jairo, Pablo de Blasis und Yoshinori Muto plus die Einwechseloptionen Jhon Cordoba und Christian Clemens gespielt. Wenn diese tempogeladene Umschaltabteilung entschlossen und zielstrebig durchzieht, dann haben die „Ballbesitz-Berliner“ eine unangenehme Aufgabe zu bewältigen.