Rehberg: Mainz 05 hat sich gegen das Starorchester des FC...

Bojan Krkic (l) und Levin Öztunali von Mainz 05 jubeln über das Tor zum 1:0. Foto: dpa

Das 2:2 gegen den FC Bayern München hat dem FSV Mainz 05 nicht nur einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf beschert, sondern auch das Vertrauen in das eigene Können weiter...

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. Aus mental-taktischen Gründen schaut natürlich keiner der Abstiegskämpfer auf die Tabelle (und wenn, dann nur heimlich…, im dunklen Keller, mit Taschenlampe, versteckt hinter einem mit alten Autoreifen zugestellten Weinregal...), aber eines wissen wir: Das 2:2 der 05er beim FC Bayern nervt die Konkurrenz. Denn das war ganz anders vorgesehen in diesem finalen Sechs-Etappen-Rennen am Tabellenende. An diesem Wochenende sollten die Mainzer ein paar Zentimeter tiefer versinken im Morast, weil chancenlos beim übermächtigen Spitzenreiter. Was ist passiert? Die 05er sind auf ihrer Bergetappe nicht abgehängt worden, im Gegenteil: Mit diesem Remis in der Allianz Arena haben die 05er sogar einen Punkt gutgemacht gegenüber der kompletten (ertraglos gebliebenen) Konkurrenz.

Und damit legen wir diesen vergleichenden Gedanken sofort wieder in die Schublade zurück. Dieser Bonus-Punkt plus die Sicherung der werthaltigen Tordifferenz kann irgendwann mal wichtig sein. Im Moment trägt die 05er mehr das Gefühl, in diesem Abstiegskampfrennen weiteres Vertrauen in die Wirksamkeit des eigenen Könnens aufgebaut zu haben. Carlo Ancelotti hatte am Samstag überraschend sein komplettes Starorchester auf die Bühne geschickt. In der vordersten Reihe mit Franck Ribéry, Robert Lewandowski, Arjen Robben – und Thomas Müller. In der Mittelreihe mit dem Paukenmann Arturo Vidal und der Ersten Geige Thiago. Die Mannschaft von Martin Schmidt hat sich behauptet.

Taktische kluge und mutige Leistung

Wieder einmal ist das eingetreten, was es bei 05-Erfolgen gegen den FC Bayern immer braucht.

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1. Die Bayern hatten sichtbar mit den Madrid-Nachwehen zu kämpfen: Der ein oder andere Starspieler hatte nicht seinen besten Tag.

2. Eine taktisch kluge und in der ersten Halbzeit vor allem mutige Leistung der 05er, deren Basis die stabile Defensive und der souveräne, fehlerlos agierende Torhüter Jannick Huth war.

3. Günstiger Spielverlauf: Frühe 1:0-Führung als emotionale Verstärkung, und als sich der FCB nach dem Ausgleich daranmachte, die Gäste allmählich zu überrollen, da bekam Yoshinori Muto einen Foulelfmeter gepfiffen - und die 05er gingen mit einer 2:1-Führung und einem sehr guten Gefühl in die Halbzeitpause.

4. Die 05er hatten das nötige Glück: In der 74. Minute, kurz nach Thiagos Treffer zum 2:2, hätte Schiedsrichter Frank Willenborg einen klar erkennbaren Tritt von Alexander Hack gegen den Fuß von Lewandowski mit Strafstoß ahnden müssen.

Couragierter Startüberfall

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Die Trainer-Maßnahme, für den angeschlagen fehlenden Kampfstier Jhon Cordoba den Feintechniker Bojan Krkic in die Startelf zu stellen, hat sich ausgezahlt. Wie beim 2:0 in Leverkusen brachen die 05er in die Partie ein mit einem couragierten Startüberfall. Angriffspressing. Temposignale. Und Bojan war da. Den Annahmefehler von Vidal in der Nähe des Bayern-Strafraums nahm der wache Spanier wahr und geschickt mit. Dann gewann der hoch dekorierte Mainzer Winterzugang den Zweikampf gegen seinen einstigen Barcelona-Kumpel Thiago, trockener Abschluss durch die Beine von Keeper Sven Ulreich. Die frühe Führung. Wie gemalt. Eine Topaktion von Bojan.

Danach machte sich der leichtfüßige Dribbler bis zum Pausenpfiff verdient als ballsicherer Freigeist zwischen den hinteren Bayern-Linien. Dann stießen Muto oder Levin Öztunali aus der zweiten Reihe in die Spitze. Ein überragend durchgezogener Konterzug hätte sogar das 2:0 bringen können. Nach Mutos Tiefenpass scheiterte Öztunali in zentraler Position an der Blitzhand von Ulreich. Den Gegenkonter ließen Thomas Müller, Ribéry und am Ende der Kette Robben in das 1:1 münden. Der Unterschied zur vorherigen 05-Aktion war die brillante Abschlusstechnik des Weltklassestürmers aus Holland, der aus relativ spitzem Winkel einen winzigen Spalt zwischen Hacks Grätschenbein und Huths Abwehrstellung nutzte.

Nachdem Daniel Brosinski den berechtigten „Muto-Elfer“ verwandelt hatte, hätten die 05er sogar noch das 3:1 auf dem Fuß. Joshua Kimmich blockte Hacks Schuss vor dem leeren Bayern-Kasten. Am Ende standen in der ersten Halbzeit 77 Prozent Ballbesitz für den haushohen Favoriten – aber sieben Torschüsse für den krassen Außenseiter.

Den bayrischen Einbahnstraßenfußball nach der Pause überstanden die 05er mit einer guten, engmaschigen Defensivorganisation sowie mit großer Lauf-, Kampf- und Hilfsbereitschaft. Thiagos Tor zum 2:2 hatte vor allem mit der Klasse des spanischen Mittelfeldspielers zu tun. Sehenswert waren die Duelle zwischen Leon Balogun und Robben. Der für den angeschlagenen Linksverteidiger Brosinski eingewechselte Balogun blockte auf der für ihn falschen Seite mit seinem starken rechten Fuß den überragenden linken Huf des ständig attackierenden Robben. Zum Doppeln eilten der Sechser Fabian Frei und/oder der linke Läufer Robin Quaison herbei. Kurios: Die Ballbesitz-Bayern hatten ihre gefährlichsten Szenen nach offensiven Umschaltzügen.