Rehberg: Löw steht noch am Anfang

Jogi Löw. Foto: dpa

0:0 gegen den Weltmeister. Das erste Spiel nach der WM-Blamage für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft. Sicherheitsdenken dominierte. Das war noch nicht der Neuanfang,...

Anzeige

. Schon die Aufstellung hat signalisiert: Joachim Löw hat gewusst, dass er ein Ergebnis benötigt für seinen „Neustart“ mit der deutschen Nationalmannschaft. 0:0 gegen den Weltmeister Frankreich im Nationscup – damit hat der unter kritischer Beobachtung stehende Bundestrainer zunächst mal den Kopf aus der Schlinge gezogen. Oder anders ausgedrückt: Löw hat sich Zeit organisiert für einen tragfähigen Rehabilitationsprozess nach dem WM-Desaster in Russland.

Die Qualität der DFB-Elf ist nicht so schlecht, als dass man hätte befürchten müssen, diese Auswahl an Klassekickern könnte von den Franzosen abgeschossen werden. Löw hat Wert gelegt auf eine stabile, gut organisierte Defensivleistung. Und prompt haben sich die beiden Mannschaften gegenseitig neutralisiert. Zwei, drei nette Torhüterparaden auf beiden Seiten waren zu sehen, ansonsten ging es um Kontrolle in den Mittelfeldräumen. Die deutsche Mannschaft hat Engagement ausgestrahlt. Das Bemühen, ein anderes Bild abzugeben als in den drei bodenlos schlechten Gruppenspielen bei der WM 2018, war erkennbar. Viel mehr passiert ist bei diesem über Tage gehypten Länderspiel in München nicht.

Vier Innenverteidiger in der Abwehrreihe

Löw hat sich daran erinnert, wie er die erste Phase zum Titelgewinn 2014 bestritten hat. Vier Innenverteidiger in der Abwehrreihe. In Brasilien waren das Mustafi, Boateng, Hummels und Höwedes. In München hat der Bundestrainer ein Bollwerk errichtet mit Ginter, Boateng, Hummels und Rüdiger. Das hat die gefürchteten Umschaltzüge der Franzosen erstickt in Zusammenarbeit mit dem taktisch sehr diszipliniert auftretenden Kimmich auf der tief angelegten Sechserposition. In die Zukunft weist das natürlich überhaupt noch nicht.

Anzeige

Schon im nächsten Spiel gegen Peru und danach gegen die kränkelnden Holländer wird die deutsche Elf wieder favorisiert sein und wesentlich stärkere spielerische Impulse benötigen auf den Außenbahnen. Da wird es nicht genügen, dass ein Rechtsverteidiger wie Ginter den Rückpass auf Boateng im Griff hat und ein Linksverteidiger wie Rüdiger den Rückpass auf Hummels.

Sollte Löw den laufstarken und aggressiven Kimmich künftig im zentralen Mittelfeld benötigen als Absicherer und Balleroberer, dann bleibt es eine wichtige Aufgabe des Bundestrainers, zwei Außenverteidiger zu finden, die defensiv ihre Seite dominieren, die passsicher sind und die mit hoher Geschwindigkeit im Angriffsdrittel Wirkung erzielen. Ginter und Rüdiger waren eine Sicherheitslösung gegen den Weltmeister. Mehr nicht. Bei der WM in Russland hatte sich gezeigt: Kimmich und Hector sind auf diesen Positionen gute Passspieler - aber keine dynamischen Tempospieler.

Noch keine endgültigen Lösungen

Auch Goretzka im Zehnerraum war eher eine defensiv gedachte Idee. Der Bayern-Einkauf sollte helfen, das Zentrum zu verdichten und die Umschaltansätze der Franzosen schon im Keim zu ersticken. Der offensive Einfädler war der Techniker nicht. Thomas Müller als Rechtsaußen und Marco Reus als Mittelstürmer, auch das dürften noch keine endgültigen Lösungen sein.

Wir erkennen: Löw steht noch ganz am Anfang bei der Konzeption einer weniger konteranfälligen, gleichzeitig aber auch dynamischeren, taktisch flexibleren und zum gegnerischen Strafraum hin zielstrebigeren Mannschaft. Den physisch noch rückständigen Weltmeister zu neutralisieren, das hat auf diese Art funktioniert. Das war die Aufgabe für diesen Abend. Der eigentliche Neustart beginnt erst jetzt.