Rehberg: Koo eine Option gegen Wolfsburg?

Ja-Cheol Koo. Foto: DPA

Der kommende Gegner von Mainz 05, der VfL Wolfsburg, befindet nach drei Bundesligasiegen in Folge und dem zusätzlich Sicherheit verleihenden 4:2-Erfolg in der Europaliga in...

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. Jonas Hofmann hat eine hohe Ballbehauptungsquote. Wenn der von Borussia Dortmund ausgeliehene Offensivmann angespielt wird, dann geht die Aktion weiter. In den Zonen, in denen es eng wird, in denen zugestochen wird, da braucht es Ballsicherheit, Behauptungswillen, Wendigkeit, Geschicklichkeit, Überblick, Geschwindigkeit, vor allem auch Handlungsschnelligkeit. Hofmann hat das. Und es sagt viel über die Klasse dieses 22-Jährigen aus, wenn ein neu gekommener Spieler nach nur acht Spieltagen schon ernsthaft vermisst wird. Bei dem am Knie operierten und nun einige Wochen fehlenden - ebenso laufstarken wie torgefährlichen - Außenstürmer ist das der Fall. Der FSV Mainz 05 tritt an diesem Sonntag zum Spitzenspiel beim VfL Wolfsburg ohne Hofmann an - und Kasper Hjulmand hat eine qualitativ hochwertige Konstante weniger auf dem Zettel.

Das hat schon eine Bedeutung. Denn die Statistik besagt, dass bislang keine Bundesligamannschaft weniger Torchancen herausgespielt hat als die 05er. 34 in acht Spielen. Damit kann man Tabellendritter werden, ließe sich einwenden. Was daran liegt, dass die Hjulmand-Elf aus ihren wenigen Chancen sehr viel macht: Mit ihrer Chancenverwertungsquote von 35,3 Prozent rangieren die 05er in dieser Ligarubrik auf Platz zwei, knapp hinter dem tapferen Aufsteiger SC Paderborn. Und, das ist der zweite Erfolgsfaktor: Die Mainzer Defensive steht, der eigene Strafraum ist abgeriegelt wie ein Hochsicherheitstrakt.

Wolfsburg ist im Flow

Mängel bleiben im offensive Umschaltspiel mit konsequent durchgezogenen schnellen Angriffszügen bis vor das gegnerische Tor. Das hat auch mit Jonas Hofmann noch nicht überragend gut funktioniert. Das lag an den ausbaufähigen Passentscheidungen und an den verbesserungsfähigen Laufwegen im Umschaltprozess. In Wolfsburg wird es darauf ankommen, exakt auf diesem Gebiet entscheidende Fortschritte zu machen. Der Gegner ist gerade in einem Flow. Drei Bundesligasiege hintereinander, dem folgte am Donnerstagabend der zusätzlich Sicherheit verleihende 4:2-Erfolg in der Europaliga in Krasnodar. Das Team von Trainer Dieter Hecking strotzt vor Selbstvertrauen, das überdeckt mögliche Anflüge von Müdigkeit. Die Wolfsburger werden aggressiv beginnen, hoch attackieren, Druck aufbauen. Davon darf man ausgehen.

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Der überragende Offensivspieler des VfL ist in diesen Tagen Kevin de Bruyne. Fünf Torvorlagen in der Liga, zwei Tore am Donnerstag in Russland. Der ballsichere und dribbelstarke belgische Nationalspieler treibt sich überall herum, mal auf der Zehnerposition, mal an den Seitenlinien. Seine tödlichen Torvorlagen liefert der 22-Jährige gerne aus dem vollen Tempo heraus. In Form gekommen ist auch Daniel Caligiuri, der wuchtige und schnelle Flügelstürmer, der beim jüngsten 2:1 in Freiburg mit zwei Treffern der entscheidende Mann war (zwei Mal nach Vorarbeit von de Bruyne). Und im Angriffszentrum ist dem Rackerer Ivica Olic auch im Alter von 35 Jahren kein Weg zu weit. Und wenn es nicht läuft, dann hat Hecking mit Bas Dost, Max Arnold und Aaron Hunt Einwechseloptionen, die in vielen anderen Klubs unumschränkte Stammspieler wären. Und vielleicht ist auch der international herumgekommene dänische Mittelstürmerhüne Niklas Bendtner wieder fit. Eine imponierende Offensivauswahl. Die noch keine markante Struktur hat, aber diese individuelle Klasse kann jedes Spiel entscheiden.

Setzt Hjulmand auf Koo?

Gut möglich, dass Hjulmand für die Umschaltsituationen auf Ja-Cheol Koo setzt, als flotter Einfädler mit seinen schnellen Drehungen in die Spielrichtung nach vorne. Das braucht es in Wolfsburg: Schnelle und sichere Entscheidungen, Zielstrebigkeit sowie wenige leichte Ballverluste im Aufbau gegen die scharf verteidigenden Wolfsburger Sechser Luiz Gustavo und Joshua Guivalogui. Letzterer ist physisch extrem präsenter französischer Nationalspieler, eine für stattliche 5,5 Millionen Euro von Atletico Madrid ausgeliehene Kante, die gerne verglichen wird mit dem großen Patrick Viera. Da geht es für die 05er auch darum, nicht mehr über längere Zeiträume so tief zu verteidigen wie etwa beim 1:1 in Gladbach und auch beim 2:1 gegen den FC Augsburg. Dann werden die Wege zu weit für die Konterzüge, 70, 80 Meter zu überbrücken mit Sprints und zügigen, präzisen Pässen, das ist schwierig. Die 05er werden eine gute Mischung benötigen aus ruhigen Ballbesitzphasen und offensiven Überfallaktionen. Dann müssen die Wolfsburger laufen. Und erst dann spüren sie möglicherweise nach 70 Minuten die Russlandreise - im Kopf und in den Knochen.

Noch ein Blick auf Daniel Caligiuri. Der Deutsch-Italiener hat die Mainzer mal mächtig genervt. Im Trikot des SC Freiburg. Beim DFB-Pokal-Viertelfinale in der Coface Arena beim 2:3 n.V., als die 05er nach vier Minuten mit 2:0 in Führung lagen und in der Schlussphase und in der Verlängerung noch alles aus der Hand gaben. Caligiuri war in jenem Februar 2013 der Freiburger Schlüsselspieler. Interessant ist daran: Von den damals eingesetzten 14 Mainzer Profis sind heute nur noch Julian Baumgartlinger und Junior Diaz am Start. Nikolce Noveski steht im Aufbautraining, weg sind: Heinz Müller, Zdenek Pospech, Bo Svensson, Radoslav Zabavnik, Niki Zimling, Chinedu Ede, Shawn Parker, Adam Szalai, Andreas Ivanschitz und Marco Caligiuri.

Spitzenspiel: Dritter gegen Fünfter

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Nahezu ein kompletter Austausch (auch Trainer Thomas Tuchel ist ja nicht mehr da) binnen eineinhalb Jahren. Aber der FSV Mainz 05 bestreitet an diesem Sonntag ein Spitzenspiel als Tabellendritter beim punktgleichen Tabellenfünften. Das ist bemerkenswert.

Der SC Freiburg hat von seiner damaligen Pokal-Elf, die erst im Halbfinale unglücklich scheiterte, Keeper Baumann, Hedenstadt, Ginter, Kruse, Makiadi, Daniel Caliguri, Flum und Rosenthal verloren und dafür viel Geld eingenommen - die Mannschaft von Trainer Christian Streich wartet in dieser Spielzeit aber noch immer auf den ersten Sieg.

Kluge Transferpolitik am Bruchweg

Die glänzend situierte VW-Tochter VfL Wolfsburg kann ihre Spitzenspieler halten. Neu in der aktuellen Stammelf sind lediglich Guilavogui und Rechtsverteidiger Sebastian Jung. Doch sportlich abgesetzt haben sich die Wolfsburger, die sich seit Jahren mit einem hohen finanziellen Aufwand kontinuierlich verstärken, von den 05ern immer noch nicht. Das ist erstaunlich. Das spricht zumindest mal für die kluge Transferpolitik am Bruchweg, für ein klares Bild in allen fußballerischen Belangen, für Trainerqualität. Das können wir festhalten, auch wenn das noch nichts aussagt über den Spielausgang am Sonntag. Dass sich beide Teams aber auf Augenhöhe begegnen, darüber können sich die Wolfsburger, wenn sie das wollen, ihre Gedanken machen bei einem um 40 bis 50 Millionen höheren Personaletat.