Rehberg: Kommunikationsprobleme beim 1:1 gegen Bremen

Der Bremer Clemens Fritz (r) kämpft gegen den Mainzer Jairo Samperio um den Ball. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Die Zweikampfbewertung des Unparteiischen hat die Spieler leicht irritiert bis verwirrt an diesem Tag. Unterm Strich stellt Rehberg fest: Gräfe hatte Einfluss auf das...

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. Ein Philosoph und Sprachwissenschaftler hat mal für die Ewigkeit festgehalten: Das einzige, was uns Menschen wirklich trennt, ist die Sprache. Was wir zum Beispiel daran merken, dass uns der Lebenspartner zuweilen sehr verständnislos anschaut nach einem von uns vermeintlich sehr klar formulierten und auf jeden Fall gut gemeinten Vortrag. Das gilt auch für die nonverbale Kommunikation.

Der Bremer Papy Mison Djilobodji hat dem Mainzer Pablo de Blasis mit den Händen im Gesicht herumgerührt. Und als der sehr kleine Argentinier am Boden lag, hatte der sehr große Mann aus dem Senegal etwas mitzuteilen. Djilobodji spricht irgendeine afrikanische Sprache und französisch. De Blasis spricht spanisch und ein paar Brocken deutsch. Verbal kann das gar nichts werden, dürfte sich der Werder-Hüne gedacht haben. Also strich sich Djilobodji bedächtig mit der Hand die Kehle entlang. Wir kennen diese Geste aus Mafia-Filmen. Kopf ab, heißt das.

Offensichtliches Kommunikationsproblem

Werder-Manager Thomas Eichin interpretierte diese Mördergeste nach dem Abpfiff ganz anders: Sein Innenverteidiger habe dem 05-Stürmer lediglich bedeuten wollen, er solle nicht den „sterbenden Schwan“ markieren. Ein offensichtliches Kommunikationsproblem. Das damit enden könnte, dass der Bremer Winter-Zugang vom DFB-Sportgericht für eine gewisse Zeit aus dem Verkehr gezogen wird.

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Manuel Gräfe hat diese Szene nicht gesehen. Von daher wissen wir nicht, welche Interpretation der Schiedsrichter bevorzugt hätte. „Kopf ab“ hätte als grobe Unsportlichkeit die Rote Karte nach sich ziehen müssen. Gräfe hat allerdings einige Vorfälle bei diesem 1:1 zwischen Werder Bremen und den 05ern anders ausgelegt, als man es dem Regelwerk nach hätte interpretieren können.

Leichte Verwirrung und Proteste ausgelöst

Die Zweikampfbewertung des Unparteiischen hat die Spieler leicht irritiert bis verwirrt an diesem Tag. Unterm Strich stellen wir fest: Gräfe hatte Einfluss auf das Endergebnis. Bei einem Zweikampf zwischen Julian Baumgartlinger und Clemens Fritz ließ der Schiri einen zarten Handgrapscher des 05-Mittelfeldspielers durchgehen. Daraus entstand das von den Bremern mit heftigen Protesten angeprangerte Führungstor für die Mainzer. Beim um Nuancen körperbetonteren Zweikampf zwischen Baumgartlinger und dem österreichischen Landsmann Zlatko Junuzovic im Mainzer Strafraum entschied Gräfe auf Strafstoß. Das führte zum von den Mainzern mit heftigen Protesten angeprangerten 1:1 für die Bremer.

Die Zeitlupenaufnahmen zeigen: Junuzovic, einer der besten Freunde des 05-Kapitäns, hatte bereits eine Zehntelsekunde vor dem Körperkontakt abgehoben. Diese Szene wird bestimmt eine Rolle spielen, wenn die Ober-Schiris im Sommer auf den - ab der kommenden Saison in der Bundesliga praktizierten - Videobeweis vorbereitet werden. Viel Spaß dabei! Elfer oder eine sehr geschickt inszenierte Schwalbe? Eine Abstimmung zwischen zehn erfahrenen Regelhütern könnte zu einem 5:5-Ergebnis führen. Das wird die Traditionalisten beruhigen: An Diskussionsstoff für die Nachspielzeit am Tresen oder im Büro wird es auch in den Videobeweis-Zeiten nicht mangeln. Mein Diskussionsbeitrag zur Bremen-Partie: Djilobodjis Geste war eindeutig, Baumgartlingers Grapscher darf man durchgehen lassen, den Strafstoß hätte man nicht pfeifen sollen – wobei das für Manuel Gräfe in Echtzeit tatsächlich sehr schwer zu beurteilen war.

Harte Zweikämpfe im Mittelfeld

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Sportlich entwickelte sich ein Spiel, das den erwarteten Verlauf nahm. Ein Abnutzungs- und Verdrängungsfight. Das Muster: Harte Zweikämpfe im Mittelfeld - Ballverluste im Angriffsdrittel. Ein wildes Hin und Her, bei dem die jeweiligen Systeme nur verschwommen wahrnehmbar waren. Die 05er haben sich behauptet im Weser-Stadion. Läuferisch und kämpferisch hatten die sich mit hoher Emotionalität und viel Aufwand gegen den Abstieg wehrenden Bremer keine Vorteile. Die Mainzer aber hatten zwischen der 50. und 80. Minute spielerisch die deutlich bessere Qualität am Start. Da spielten die 05er klarer, strukturierter, direkter, zielstrebiger. Mit der Abschlusseffizienz aus der ersten Halbzeit - der erste und einzige Torschuss brachte das 1:0 - wäre ein Auswärtssieg möglich gewesen. Jhon Cordoba hatte nach der Pause nach einer brillanten Vorlage von Daniel Brosinski das 2:1 auf dem Fuß, Werder-Keeper Felix Wiedwald reagierte glänzend auf die Direktabnahme des Kolumbianers. Werder hatte lediglich in den Schlussminuten noch zwei nette Torchancen.

Was nehmen die 05er mit von der Weser? Die Defensivorganisation war wieder sehr gut, Alttorjäger Claudio Pizarro war isoliert, der listige Peruaner kam nur zu einer einzigen torgefährlichen Aktion. Baumgartlinger lieferte eine überragende Partie ab als Zerstörer und Ballschlepper im Zentrum und als Torschütze. Dass der Kampfkapitän darüber hinaus erneut die fünfte Gelbe Karte vermieden hat, grenzt an ein Wunder. Nebenmann Danny Latza benötigte eine gute Stunde, bis er zu seiner Passpräzision gefunden hatte. Jairo streute wieder zu viele leichte Ballverluste ein, auch Pablo de Blasis verirrte sich zu oft im Bremer Deckungsdickicht. Yunus Malli hätte in der Offensive den Unterschied ausmachen können mit seiner Technik und seinen Tempodribblings, aber der türkische Nationalspieler, der den Führungstreffer hervorragend aufgelegt hatte, ließ sich zu oft abkochen in engen Räumen. Jhon Cordoba litt darunter, dass er zu lange mit hohen Bällen angespielt wurde, in Luftduellen hatte der Mittelstürmer kaum Chancen gegen die Riesen Jannick Vestergaard (1,99 Meter) und Papy Mison Djilobodji (1,92 Meter).

Fazit: Die 05er bleiben oben in der Tabelle hartnäckig dran. In 14 Tagen kommt der FC Augsburg in die Coface Arena. Das wird ein ähnliches Spiel wie an der Weser.