Rehberg: Kann ein Trainerwechsel den FSV Mainz 05 noch retten?

Was wird aus 05-Trainer Martin Schmidt? Foto: Sascha Kopp

Fünf Niederlagen unter der Führung von Martin Schmidt und kaum noch Puffer zum Relegationsrang. Da läuten nicht nur die Alarm-, da läuten schon die Kirchenglocken. Doch an...

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. Mag sein, dass dieser Text im Laufe des Tages von der Aktualität überholt wird. Nach dem 0:1 in Freiburg hat Rouven Schröder noch vor Ort offen eingeräumt, dass an diesem Sonntag am Bruchweg das Führungsgremium zusammensitzt. Der 05-Sportdirektor legt seinen Mainzer Vorstandskollegen dar, wie er die Situation beurteilt. Am Ende wird eine Entscheidung stehen: Weiter mit Martin Schmidt – oder sollen ein Trainerwechsel und damit ein neuer Mann an den Schalthebeln dieser Mannschaft einen Kick geben?

Fünf Niederlagen hintereinander hat der Schweizer nun zu verantworten. In dieser Serie stecken die beiden bodenlos schwachen Auftritte beim Tabellenletzten (Darmstadt 98) und Tabellenvorletzten (FC Ingolstadt). Da läuten nicht nur die Alarm-, da läuten schon die Kirchenglocken.

Eine Sache stört in diesem Zusammenhang: Der Absturz der 05er wird in diesem Moment komplett auf den Cheftrainer abgewälzt – und das verschafft den Profis ein Gefühl, als hätten sie mit dieser schuftigen Lage überhaupt nichts zu tun. Ein Trainerrauswurf suggeriert: Wie sollen die Spieler vernünftig auftreten, wenn der Vordenker nicht den Masterplan hat und nicht an den richtigen Schrauben dreht? Ein Trainerwechsel gibt den Berufsfußballern immer auch ein Alibi. Und genau aus diesem Grund gehen diese Trainerwechsel auf der Zielgeraden einer Saison immer wieder auch mal gründlich daneben. Das hat zum Beispiel der VfB Stuttgart erlebt, der in der vergangenen Saison mit dem spät in die Verantwortung gestellten ehemaligen 05-Profi Jürgen Kramny abgestiegen ist.

Das Glück war nicht auf Mainzer Seite

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Eines gleich vorweg: Vom Matchglück begünstigt war Martin Schmidt in dieser englischen Woche nicht. Die Leistung beim 2:3 gegen RB Leipzig war respektabel. Und beim 0:1 in Freiburg? Der Gegner bekam gegen gut organisiert und aggressiv verteidigende Mainzer drei Halbchancen. Eine davon hat der Jokerkönig Nils Petersen mit seinem ersten Ballkontakt zum Siegtor veredelt. Treffer dieser Kategorie kassieren nur Mannschaften, denen es nicht gut geht. Das sind die Augenblicke, in denen sich selbst abgehärtete Profis manchmal fragen: Was haben wir eigentlich verbrochen, dass wir in einem klassischen 0:0-Spiel in diese Hölle geschickt werden?

Da produzierte Mittelstürmer Jhon Cordoba im eigenen Strafraum in unmittelbarer Nähe zum kurzen Pfosten eine Kerze. Yannick Huth, der den verletzten Stammkeeper Jonas Lössl souverän vertrat, musste mit seinen nur 1,84 Metern Körpergröße in den Luftkampf. Dabei traf er mit den Fäusten den Schädel von Danny Latza. Der lag am Boden und hielt sich die Hände vors Gesicht. Und hob damit das Abseits auf gegen den einen Meter vor der Torlinie stehenden Petersen, der den aus 15 Metern Entfernung abgefeuerten und unterwegs noch weitergeleiteten Reboundschuss problemlos vollstreckte.

Auf der anderen Seite hätte Yoshinori Muto in der 18. Minute einen Strafstoß erzwingen können. Wäre der leichtgewichtige Japaner nach dem Rambostoß von Caglar Soyüncü zu Boden gegangen, dann hätte der Schiedsrichter womöglich in seine Pfeife geblasen. Muto hielt sich auf den Beinen, beim anschließenden Schussversuch aus spitzem Winkel wurde er geblockt. Sein Arbeitsgerät zur Anwendung brachte Harm Osmers, als Cordoba nach 73 Minuten im Anschluss an einen seitlichen Freistoß mit dem Kopf den vermeintlichen Ausgleich erzielte. Da hatte der Schiri mitten im Strafraumgetümmel ein Offensivfoul von Stefan Bell erkannt. Der Treffer wurde nicht anerkannt. Hinten Pech, vorne kein Glück. Das galt auch für Cordobas freien Flugkopfball nach 64 Minuten, den der Kolumbianer mit langem Hals über die Latte bugsierte. Das galt auch für Cordobas Nachschusschance vier Minuten später, als er in zentraler Strafraumposition die Kugel nicht richtig traf. Und kurz darauf fiel auf der Gegenseite Nils Petersen der Ball vor die Füße.

"Das hat schon funktioniert, oft genug aber auch nicht"

Christian Streich hat mit seinem Matchplan die Mainzer an ihrem wunden Punkt getroffen. Die Freiburger standen massiert und tief gestaffelt in der eigenen Spielhälfte. Der SC reagierte nur auf die in die Ballbesitzrolle gedrängten 05er. Martin Schmidt hatte neue Elemente eingeführt. Danny Latza und André Ramalho unterstützten abwechselnd die Innenverteidiger Bell und Alexander Hack in der Spieleröffnung. Das verlieh dem Team Stabilität. Die 05er führten in den Mittelfeldzonen giftige Zweikämpfe. Das neutralisierte die Offensivbemühungen der an diesem Tag spielerisch holprigen Freiburger. Aber, und das war keine Überraschung: Den engen Defensivblock des Gegners bekam die Schmidt-Elf nur ganz selten mal geknackt.

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Die Defizite in der Ballverarbeitung unter gegnerischem Druck, in der Passpräzision, im Kombinationsspiel auf engen Räumen, in den Laufwegen, im Durchsetzungsvermögen in Eins-gegen-Eins-Situationen, die brachen auch in Freiburg wieder auf. In schonungsloser Deutlichkeit. Natürlich hat da auch die Psyche eine Rolle gespielt. Der Wille der Spieler ist erkennbar. Aber die Selbstverständlichkeit, die Leichtigkeit in den Entscheidungen und Handlungen ist verflogen. Wir wissen: Das geht Weltstars in problembeladenen Misserfolgsphasen oft nicht anders.

Und nun muss Rouven Schröder entscheiden, ob das ein neuer Trainer binnen sechs Spielen in eine andere Richtung drehen kann. Das ist der letzte Schuss, der neue Impuls kann etwas bewirken, man muss es zumindest versucht haben. Das ist die landläufige Meinung. Die Erfahrung sagt uns: Das hat schon funktioniert, oft genug aber auch nicht. Die Spieler werden ihre Meinung den Journalisten nicht mitteilen. Rouven Schröder ist da näher dran.