Rehberg: Im Derby die Aufbruchstimmung erzeugen

Am Samstag auf dem Platz Herz zeigen: 05-Mittelfeld-Stratege Johannes Geis. Archivfoto: dpa

Derby gegen Eintracht Frankfurt. Immer ein besonderes Spiel für Mainz 05. Nach dem Trainerwechsel nun umso mehr. Es geht um Mentalität: Wer ist bereit dazu, seine Grenzen...

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. Wenn es richtig Stress gibt, wenn es Wackersteine regnet, dann hoffen wir Menschen auf schnelle Erlösung. Möge doch bitte, einfach nur so, von heute auf morgen der ganze Mist vorbei sein… Das denken auch Fußballer. Und dann stellt sich heraus, dass es gerade in Abstiegskampfzeiten keine schnelle Erlösung gibt. Nur dieses eine Spiel gewinnen, und dann ist wieder alles gut? Funktioniert nicht. Das zieht sich in der Regel. Von daher ist es besser, sich mit dem Stress anzufreunden. Guten Morgen, liebe Sorgen… Das macht Kräfte frei. Denn es ist schwierig, für oder gegen eine Tabelle zu kämpfen.

Man muss Lust haben auf den Job, der getan werden muss. Man auch muss Spaß daran haben, immer wieder Antworten zu finden auf die nächste Herausforderung in diesem Stressbewältigungsprogramm. Man muss es mental und emotional aushalten können, an einem Wochenende der angeblich befreite Gewinner zu sein und am nächsten Wochenende schon wieder der hoch gefährdete Krisenklub.

Ergebnisse schaffen Vertrauen

Soll heißen: Wenn die 05-Profis an diesem Samstag in der bebenden Coface Arena einlaufen, dann geht es nicht darum, ein Problem zu lösen. Es geht darum, die Frankfurter Eintracht zu schlagen. Es geht darum, ein Derby zu gewinnen und die Anhänger glücklich zu machen. Es geht darum, sportlich und atmosphärisch eine tragfähige Basis zu schaffen für Martin Schmidt. Es geht darum, eine Aufbruchstimmung zu erzeugen mit dem neuen Trainer und für den neuen Trainer. Ergebnisse schaffen Vertrauen. Der Weg zum Ergebnis: Leidenschaft, Kampf und die nötige Qualität in den fußballerischen Inhalten.

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Die Eintracht ist spielerisch nicht besser als die 05er. Aber Thomas Schaaf hat dieser Mannschaft eine taktische Ordnung und vor allem physische Intensität beigebracht. Der jüngste 1:0-Heimsieg gegen einen in der ersten Halbzeit starken und überlegenen FC Schalke 04 war ein Kampfsieg. Die Eintracht kann einen Gegner nicht aus den Schuhen kombinieren, aber die Adler-Elf kann einen Gegner mit Zweikampfgift und Umschalttempo in den Schwitzkasten nehmen und niederringen. Und in den entscheidenden Momenten nutzt Torjäger Alex Meier seine herausragende Innenspanntechnik mit dem rechten Fuß.

Aggressives Anlaufverhalten

Damit ist der Auftrag für das Schmidt-Debüt schon formuliert. Abstiegskampf hin oder her, die Mainzer müssen diesem Gegner in den physischen Parametern zumindest ebenbürtig sein. Schmidt hat im Training seit Dienstag das aggressive Anlaufverhalten geschult, die Prinzipien für das unter seinem Vorgänger brach liegende aggressive Mittelfeldpressing, das schnelle offensive Umschaltverhalten mit den nötigen Laufwegen im Sprinttempo.

Und dann geht es in einem Derby immer auch um Mentalität: Wer ist bereit dazu, seine Grenzen auszuloten, wer will an diesem Tag in jeder kleinen Situation mehr? Wenn das die 05er sind, wenn sie Wucht, Kampflust, kollektive Energie ausstrahlen, dann springt auch der Funke über auf die Ränge. Dann entsteht diese für das Selbstvertrauen so wichtige Tollhausatmosphäre.

Außenverteidiger sind keine Defensivmeister

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Die Eintracht-Außenverteidiger Timothy Chandler und Bastian Oczipka sind stark in der Offensive, aber sie sind keine Defensivmeister. Im defensiven Mittelfeldfeld muss Schaaf auf den disziplinierten Läufer Makoto Hasebe (Gelb-gesperrt) verzichten. Der auch technisch hoch talentierte Marc Stendera könnte neben dem aggressiven und willensstarken Endlosmalocher Marco Russ auflaufen, zur Wahl stehen aber auch die Kämpfertypen Aleksandar Ignjovski und Slobodan Medojevic.

Welche Karten zieht Martin Schmidt? Nikolce Noveski könnte in die Abwehrreihe zurückkehren. In der Offensive vor Johannes Geis und Julian Baumgartlinger und um Mittelstürmer Shinji Okazaki herum wird der neue 05-Fußballlehrer nach der geeigneten Mischung fahnden aus Anlaufspezialisten, Ball-Jägern und Umschaltstürmern. Das müssen Spieler sein, die sich jetzt sehr schnell anpassen können an die aggressivere Grundausrichtung. Der geeignete Mann dafür ist zweifellos Jonas Hofmann, aber der ist wieder angeschlagen. Christian Clemens hat das Tempo und die Zielstrebigkeit im Konter, die gruppentaktischen Anlauf- und defensiven Umschalt-Prinzipien hat er noch nicht verinnerlicht. Der wendige und Kilometer fressende Ja-Cheol Koo hatte zuletzt in Dortmund einige gute Szenen. Yunus Malli kann alles - wenn er den Stecker in der Stromdose hat. Der unberechenbare Pablo de Blasis kann einen Gegner nerven mit seiner flinken Umtriebigkeit, taktisch ist er (noch) ein Anarchist.

Auswahl ist gegeben. Aber die Aufstellung wird nicht entscheiden im Derby. Diesen Auftrag müssen die 05-Profis als Mannschaft erledigen. Da wird man den Unterschied erkennen müssen zwischen einem Füreinander (das war immer zu sehen) oder einem leidenschaftlichen und kämpferischen Miteinander.