Rehberg: HSV kontra "Wölfe" - Logik? Nicht am letzten Spieltag!

Bruno Labbadia. Foto: dpa

Wer steigt ab aus der Bundesliga? Wer muss in die Relegation? Der VfL Wolfsburg hat gegenüber dem Hamburger SV wohl die bessere Ausgangsposition. Aber Voraussagen am letzten...

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. Wer steigt ab aus der Bundesliga? Wer muss in die Relegation? Man kann herrlich darüber diskutieren. Eckkneipe, Tresen, zwei Pils. Der VfL Wolfsburg hat es leichter als der Hamburger SV!? Die Mannschaft von Bruno Labbadia benötigt in einem Heimspiel einen Punkt gegen den bereits feststehenden künftigen Zweitligisten 1. FC Köln. Der HSV muss in seinem Heimspiel die noch auf den Europapokal schielenden Gladbacher schlagen – und gleichzeitig darauf hoffen, dass die Wolfsburger verlieren.

Muss der SC Freiburg zittern?

Das ist man sich schnell einig, wer das bessere Blatt in der Hand hält. Objektiv betrachtet ist das ganz eindeutig der VfL. Aber was passiert, wenn die Kölner mit der Leichtigkeit des Seins in Wolfsburg in Führung gehen? Ab diesem Moment stimmt an der ganzen Rechnung nichts mehr. Dann fehlt in Hamburg womöglich nur ein einziges Tor. Auszuschließen ist dieser Konstellation nichts. Oder was passiert, wenn die Wolfsburger klar auf Siegkurs sein sollten – und in Freiburg geht der ohne Druck aufspielende FC Augsburg in Führung. Plötzlich zittern die Breisgauer, die dann mit dem schlechteren Torverhältnis noch auf den Relegationsrang abrutschen würden.

Am Endspieltag ist die Logik kein guter Ratgeber. Verrückte Ergebnisse außerhalb der Vorstellungskraft haben sich oft genug eingestellt. Oft noch in den letzten Minuten der Saison. Wer hätte gedacht, dass die Mainzer aus den Spielen gegen Leipzig und in Dortmund sechs Punkte schnappen – und am Finaltag keine Sorgen mehr haben? Sehr wahrscheinlich: Niemand.

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Eines steht fest: In der Relegation setzt sich meistens der Bundesligadrittletzte gegen den Zweitligadritten durch. Auch diesmal? Der Eindruck drängt sich auf, dass Holstein Kiel ein schuftiger Gegner sein wird. Im Vorjahr hat sich der VfL Wolfsburg mit zwei engen 1:0-Siegen gegen Eintracht Braunschweig durchgemogelt. Die Kieler haben ein ganz anderes Potenzial.

Die „Störche“ sind laufstark; sie sind aggressiv; sie verteidigen gemeinschaftlich; sie haben eine glasklare Spielanlage, die sichere Kombinationen mit Umschaltüberfällen kombiniert. Und: Die phasenweise fanatisch auftretende Elf von Markus Anfang hat eine Offensivabteilung, die von vielen Erstligisten beobachtet wird: Torjäger Marvin Duksch (19 Saisontore), der schnelle und trickreiche Rechtsaußen Kingsley Schindler (12 Saisontore), der wendige offensive Mittelfeldspieler Dominick Drexler (12 Saisontore). Die Bereitschaft, der Wille, die Erfolgsmentalität dieser Kieler verglichen zum Beispiel mit der seelenlosen Herangehensweise des VfL Wolfsburg unter Bruno Labbadia? Das könnte spannend werden.

Lasst die Kieler in ihrem Stadion spielen!

Und nun wird diskutiert, ob die Kieler überhaupt aufsteigen dürfen. Weil ihr Stadion nicht die nötige Zuschauerkapazität ausweist. Natürlich gibt es Regeln und Statuten. Da sollte die DFL locker bleiben: Gebt den Kielern eine Sondergenehmigung für ein Jahr, lasst sie das Stadion ausbauen in dieser Zeit. Der wirtschaftliche und sportliche Sensationserfolg mit zwei Aufstiegen binnen zwei Jahren sollte nicht scheitern an einem Stadion - das ja keinen Gegner benachteiligt.

Wenn wir auf die Relegation zurückkommen: Streng genommen hat es der HSV gar nicht mehr verdient, diese Chance noch mal zu bekommen. Trainer und Spieler haben sich darüber aufgeregt, dass ihnen zuletzt beim 0:3 in Frankfurt ein Abseitstor aberkannt worden ist beim Stand von 0:0. Da kommt die Erinnerung hoch an das Jahr 2015: Die Hamburger waren im Relegations-Rückspiel beim Karlsruher SC schon mit eineinhalb Beinen in der Zweiten Liga, da pfiff ihnen der Schiedsrichter Sekunden vor dem Abpfiff ein utopisches Freistoß-Geschenk. Ergebnis: Ausgleich, Verlängerung, Siegtor durch Nicolai Müller – der HSV war gerettet. Im Jahr zuvor hatten sich die Hamburger in vergleichbarer Situation mit einem 0:0 und 1:1 gegen die SpVgg Greuther Fürth über die Ziellinie geschleppt.