Rehberg: Hertha wird gegen Mainz 05 alles investieren, um...

Pal Dardai. Foto: dpa

Wenn am Samstag Hertha BSC aus der deutschen Hauptstadt nach Mainz reist, könnte die Elf von Pál Dárdai schlechte Erinnerungen im Gepäck haben. Schließlich schnappten die...

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. Mag sein, dass sie bei der Hertha noch böse sind auf die 05er. Wir erinnern uns an den letzten Spieltag der Vorsaison. Die Berliner steuerten wochenlang auf Champions-League-Kurs. Dann kam in der Rückrunde die Ergebniskrise. Der direkte Einzug in die Gruppenphase der Europaliga blieb als großes Ziel. Doch am vorletzten Spieltag zogen die Mainzer im Kampf um den sechsten Rang an der Hertha vorbei. Die Mannschaft von Pál Dárdai war nun gezwungen, am Finaltag in der Mainzer Arena zu gewinnen. Die Partie endete 0:0. Die Berliner mussten in die EL-Qualifikation, die Berliner scheiterten am FC Kopenhagen. Die 05er durften sich auf der Europapokalbühne austoben.

Die Partie zwischen den 05ern und der Hertha am Ostersamstag in der Opel Arena steht unter ganz anderen Vorzeichen. Die Elf von Martin Schmidt ist nach dem Ausscheiden in der EL-Gruppenphase tief in den Abstiegskampf reingerutscht. Die Berliner haben ihr Niveau gehalten: Rang fünf mit 43 Zählern – zwei Punkte vor dem SC Freiburg, drei Punkte vor dem 1. FC Köln, vier Punkte vor Borussia Mönchengladbach, fünf Punkte vor der Frankfurter Eintracht, sechs Punkte vor Schalke 04. Die Konkurrenz ist noch sehr munter. Und den Berlinern schwant, dass das am Ende ähnlich eng werden kann wie 2016.

Ins Auge sticht, dass die Hertha 34 ihrer 43 Punkte im heimischen Olympiastadion erkämpft hat. In dieser Festung ist die Mannschaft eine Macht. Erfolg zieht Erfolg an. Das geht dann manchmal immer so weiter… Auswärts? Zwei Siege, drei Remis, fette neun Niederlagen - das ergibt lediglich neun Punkte bei 13:25 Toren aus 14 Spielen in fremden Stadien. Misserfolg zieht Misserfolg an. Das geht dann manchmal immer so weiter… Woher rührt dieser gewaltige Qualitätsunterschied zwischen Heim- und Auswärtsauftritten?

Dárdai fehlen die Geschwindigkeitsspieler

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Pál Dárdai hat dieses Phänomen den Berliner Journalisten schon oft erklärt. In den Heimspielen drücken die Berliner ihr aggressives Ballbesitzspiel durch. Auswärts gelingt das nicht. Da sind die jeweiligen Gastgeber giftiger, mutiger, aktiver, offensiver. Die Berliner geraten unter Druck, die Wege zum gegnerischen Strafraum werden weiter. Für ein ausgeprägtes Konterspiel fehlen Dárdai die Geschwindigkeitsspieler. Der einzige Sprinter im Kader ist Mitchell Weiser. Der fehlt seit Wochen, verletzt. Die anderen Startelfkräfte sind nur normal schnell. Das gilt für die Außenverteidiger Peter Pekarík und Marvin Plattenhardt, das gilt für die Mittelfeldsechser Per Skjelbred und Niklas Stark, das gilt für den technisch brillanten Zehner Vladimir Darida (fehlt in Mainz wegen der fünften Gelben Karte), das gilt für die Außenstürmer Salomon Kalou, Valentin Stocker oder Genki Haraguchi, das gilt für den Mittelstürmer und Heim-Torjäger Vedad Ibisevic. Die Bank? Da hat der taktisch rückständige Alexander Esswein flottere Beine, aber Julian Schieber und der Ex-05er Sami Allagui sind gar keine typischen Konterstürmer.

Also versucht die Hertha auch auswärts, über ein präzises Positionsspiel nach vorne zu kombinieren. Nicht nur. Umschalt-Aktionen über mehrere Stationen hat das Team schon auch im Programm. Aber Ballbesitz bleibt der Anspruch. Da fehlt auswärts noch die Durchschlagskraft. So weit ist diese Mannschaft noch nicht. Vom Selbstverständnis her nicht und auch nicht von der individuellen Klasse her. Im Olympiastadion strotzen Dárdais Profis vor Selbstvertrauen, Spielfreude und Lust am Gelingen. Nach Flugreisen oder längeren Busfahrten sieht das ganz anders aus. Da hat die Hertha nur zu Beginn der Saison in Ingolstadt gewonnen (2:0) und etwas später in Wolfsburg (3:2). Das war zu Zeiten, als die jeweiligen Gegner ihre schwächste Phase hatten. Der Tabellenfünfte Hertha BSC ist definitiv kein Auswärtsschreck. In dieser Statistik steht nur eine Mannschaft signifikant schlechter da: Das Schlusslicht Darmstadt 98 mit null Punkten. Die jüngsten Ergebnisse der Berliner vor fremdem Publikum: 1:3 in Leverkusen, 1:2 in Freiburg, 3:4 in Dortmund (nach 1:0-Halbzeitführung), 0:2 auf Schalke, 0:1 in Hamburg, 2:4 in Köln (0:3 zur Pause), 0:1 in Gladbach. Sieben Auswärtsniederlagen hintereinander - null Ertrag in der Rückrunde.

Natürlich wird die Hertha in Mainz physisch, taktisch und spielerisch alles, aber auch alles investieren, um diese Frustserie zu beenden. Dann müssen die 05er und ihre Anhänger eben über 90 Minuten ausstrahlen, dass die Opel Arena in diesem Moment ein ganz schlechter Ort ist für ein Berliner Auswärts-Comeback. Mehr zu diesem österlichen Abstiegskampf-Nervenspiel im Freitag-Blog.