Rehberg: Heidels Rückkehr mit Schalke 04

Kehrt mit Schalke 04 erstmals nach Mainz zurück: Christian Heidel. Foto. dpa

Am Sonntag kehrt Christian Heidel nach Mainz zurück. Mit dem FC Schalke 04. Reinhard Rehberg analysiert vor dem Bundesliga-Duell am Sonntag die Situation der beiden Clubs, die...

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. Am 14. Mai 2016 ist Christian Heidel in Mainz verabschiedet worden. Das war eine hoch emotionale Feier in der Opel Arena. Alles hat gepasst damals. Am letzten Spieltag schafften die 05er mit einem 0:0 gegen Hertha BSC den Einzug in die Gruppenphase der Europaliga. Der neue Sportdirektor Rouven Schröder hatte schon sein Büro bezogen und sich einarbeiten lassen von dem Mann, der seit 1992 bei diesem Klub mit kontinuierlich steigendem Einfluss der Transferchef, der Kreativdirektor, der Baumeister, der Macher und der wortgewandte Anführer war. Am kommenden Sonntag kehrt der langjährige 05-Manager zurück in die Stadt, in der er geboren ist und in der er mehr als 50 Jahre gelebt und gewirkt hat. Der FC Schalke 04 schlägt in Mainz auf. Mit seinem Sportvorstand und Klubsprecher Christian Heidel.

Man könnte viele Anekdoten und Geschichten erzählen. Man könnte unter anderem aufarbeiten, dass die 2011 in den Bretzenheimer Feldern eröffnete neue Opel Arena bis ins Detail nach den Vorstellungen von Heidel erstellt worden ist. Die Baupläne für dieses kühne Vorhaben hingen schon in Heidels Büro, da war noch nicht mal die neue Haupttribüne im alten Bruchwegstadion bezahlt.

Bei Mainz 05 braucht es Aufbruchstimmung

Wirtschaftlich war Heidels Vision vom Bau eines größeren Stadions mit lukrativeren Vermarktungsmöglichkeiten unumgänglich. Aber wir wissen heute auch: Atmosphärisch ist etwas liegen geblieben beim Umzug vom Bruchweg in die Bretzenheimer Spielstätte. Und wir wissen auch: Der Machtkampf um die Deutungshoheit auf der Führungsetage, der schon lange vor Heidels Abschied begonnen hat, hat dem Klub geschadet. Das einstmals gerühmte Mainz-05-Feeling, diese besondere Mischung aus Ruhe, Seriosität, Begeisterungsfähigkeit, familiärem Zusammenhalt und kreativ-kämpferischer Behauptungsmentalität in einem ebenso komplexen wie schwierigen Millionengeschäft, hat tiefe Risse bekommen.

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Am Bruchweg werden gerade die Scherben zusammengekehrt. Reparieren lässt sich das museale Porzellanstück nur noch notdürftig. Der neue Vorstandssprecher Jürgen Doetz moderiert eine Übergangsphase. Und dann muss etwas Neues entstehen. Auch mit einigen neuen Leuten mit neuen Ideen an den Schalthebeln des Klubs. Bis dahin muss zunächst mal die angespannte sportliche Situation geregelt werden. Panik ist da kein guter Ratgeber. Jetzt braucht es Aufbruchstimmung.

Bei Schalke 04 ist Druck auf dem Kessel

In Gelsenkirchen gestaltet sich der im Sommer 2016 eingeleitete personelle Umbruch auf der Entscheiderebene wesentlich konfliktfreier und geräuschloser als angenommen. Aber sportlich? Wer vor einem Jahr eine Wette platziert hätte, die besagt, dass Mitte März 2016 die Mainzer und die Schalker ein Rückrundenduell ausfechten, das den Verlierer in Nöte im Abstiegskampf manövriert, der hätte wahrscheinlich sehr viel Geld gewonnen. Die 05er trennen nach unten drei Zähler vom Relegationsplatz, die wirtschaftlich wesentlich stärkeren Schalker vier. In Mainz hat man dieses Szenario in einer ungewohnten Drei-Wettbewerbe-Saison für möglich gehalten. Bei S04 nicht.

Heidel hat in Schalke Handwerker einbestellt und Bagger anrollen lassen. Die Entwicklung der Infrastruktur war irgendwann stehen geblieben, nicht mehr zeitgemäß. Heidel hat den Trainer ausgetauscht. Heidel hat den Spielerkader grundsaniert. Dann gingen mit Markus Weinzierl die ersten fünf Saisonspiele verloren. Dieses Schockerlebnis hat Auswirkungen bis heute. Die Mannschaft, extrem gebeutelt von einer Verletzungsserie in der Abwehr- und in der Angriffsreihe, rennt in der Bundesliga der Musik hinterher. Zehnter nach der Hinrunde, Elfter nach dem siebten Rückrunden-Spieltag. Der Partie in Mainz kommt eine große Bedeutung zu: Schaffen die Schalker mit einem Sieg noch mal den Anschluss im Rennen um einen Europapokalplatz (fünf Zähler Rückstand auf die Frankfurter Eintracht) – oder gerät S04 nach einer Niederlage noch bedrohlich in den Abstiegsstrudel? Eine der größten Stärken von Heidel war immer die glasklare Situationsbewertung. Welches Medienecho ein Misserfolg in der Mainzer Opel Arena auslösen würde, das weiß auch der für die öffentliche Darstellung zuständige Sportvorstand. Da ist Druck auf dem Kessel.

Beide Teams haben keine verlässliche Stabilität

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In Mainz redet niemand mehr von Europapokal. Die Relegationsspiele gegen den Zweitligadritten zu vermeiden, das genügt als Endziel. S04 steht in der Auswärtstabelle mit sieben Zählern und 9:16 Toren auf dem vorletzten Platz (Letzter ist Darmstadt 98 mit null Punkten). Die 05er haben 19 ihrer 29 Punkte auf dem heimischen Rasen erwirtschaftet. Die Schalker müssen an diesem Donnerstagabend im Europaliga-Achtelfinale in Mönchengladbach nach dem 1:1 im Hinspiel hart schuften. Die 05er können sich in dieser Woche ohne Ablenkung auf den Sonntag und auf diesen Gegner vorbereiten - und darüber hinaus am nötigen Zusammenhalt und an der nötigen Mentalität im Abstiegskampf schrauben. Taktisch und spielerisch haben beide Mannschaften in diesem Moment keine verlässliche Stabilität. Mehr dazu im Blog am Freitag.