Rehberg: Großes Ziel nur mit mehr Effizienz erreichbar

Die Offensivkräfte wie Shawn Parker müssen zum rechten Zeitpunkt fit sein, wenn Mainz 05 in dieser Saison vorne mitmischen will. Archivfoto: hbz / Stefan Sämmer

Das 1:1 in der Coface Arena gegen Hertha BSC Berlin hat angedeutet, dass der FSV Mainz 05 auch in dieser Saison ein ganz großes Ziel nur erreichen kann mit einer besseren...

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. Das 1:1 in der Coface Arena gegen Hertha BSC Berlin hat bestätigt: Diese Spiele gegen Konkurrenten, die individuell nicht besser aufgestellt sind, bleiben unbequem für den FSV Mainz 05. Da zeigt sich, dass auch in diesen Duellen die Punkte abgeholt werden müssen über Effizienz. Überlegenheit in bestimmten Phasen ist schön, das ist auch eine Qualitätsbestätigung, aber die Kugel muss ins Tor. Gegen die Berliner haben die 05er vor der Pause zu viele Chancen für eine befreiende Führung liegen gelassen. Das passiert. Aber die Lehre daraus lautet, dass die im Abschluss befähigten Offensivspieler noch entschlossener den Torerfolg ansteuern müssen. Das sagt sich so leicht, wird aber letztlich darüber entscheiden, ob es die Mannschaft von Thomas Tuchel schafft, sich in den oberen Tabellenregionen festzusetzen.

Auch in der Saison zuvor trotz Remis-Serie keine Stagnation

Da steht ein nächster Entwicklungsschritt an. Man vergisst ja schnell, dass die Mainzer schon in der Vorsaison unzählige Chancen hatten, diesen Sprung zu bewerkstelligen. Der 13. Platz am Ende mit 42 Punkten trug dazu bei, dass diese Spielzeit schnell abgehakt wurde als Stagnation. Dem war aber nicht so. Denn die Tuchel-Elf stand noch am 27. Spieltag auf Rang sechs, am 29. Spieltag waren es dann auch nur drei Punkte Rückstand zum Europapokalrang. Davor ereigneten sich viele verpasste Gelegenheiten, nachhaltig nach oben zu springen. Wir erinnern uns: Die 05er hatten eine Rückrundenbilanz mit zehn Remis!

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Zwischen dem 22. und 27. Spieltag lag eine Phase mit sechs Unentschieden in sieben Spielen: 1:1 in Augsburg, 2:2 gegen Schalke nach Führung bis zur 82. Minute, 1:1 gegen Wolfsburg nach früher Führung, 1:1 beim späteren Absteiger Fortuna Düsseldorf, 0:0 in Hoffenheim, 1:1 gegen Werder Bremen nach langer Führung bis zur 69. Minute. Keiner dieser Gegner war besser als die 05er. Aber die Belohnung für die überwiegend ordentlichen bis guten Leistungen blieb aus. Auch damals schossen die defensiv und im eigenen Ballbesitz gefestigten 05er einfach zu wenig Tore. Dann folgten drei Niederlagen (1:2 in Nürnberg, 1:2 gegen den HSV, 0:2 in Dortmund) - und alles war vorbei.

Viel in der Tüte, doch am Ende nichts auf dem Tisch

Wenn es damals ein Muster gab, dann war es dieses: Die 05er packten binnen einiger dieser 90 Minuten im eigenen Ballbesitz viel Hochwertiges in ihre Einkaufstüte, aber nach dem Abpfiff stand nur selten ein leckeres Mittagessen auf dem Tisch. Wir Journalisten bemängelten damals die ausbaufähige Erfolgsmentalität der Köche. Da geht es um diesen unbedingten Willen, die Kugel in günstigen Momenten über die Linie zu quetschen, um eine Führung auszubauen oder das Siegtor zu erzwingen. Was unterm Strich natürlich auch mit Abschlussqualität zu tun hat. Wir erinnern uns: Maxim Choupo-Moting fiel in der Rückrunde nahezu komplett aus.

Die damalige Entwicklung wollen wir jetzt gar nicht in Beziehung setzen zum 1:1 gegen die Hertha. Aber Shawn Parker, Nicolai Müller und Shinji Okazaki hätten ihr Team leicht mit 1:0 oder 2:0 in Führung bringen können bis zur Halbzeit. Dann laufen diese engen Spiele meist in eine andere Richtung. In den letzten 20 Minuten, beim Stand von 1:1, hatte Tuchel an diesem Abend nicht das Gefühl, dass es sich lohnen könnte, nach vorne volles Risiko zu gehen. Die Hertha hatte sich mit ihrem Führungstor kurz nach der Pause Selbstvertrauen und Stabilität geholt, der Gegner wirkte immer gefährlich.

Effizienz in den guten Phasen einer Partie erforderlich

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Der Schlüssel liegt in den kommenden Wochen in der Effizienz. In den guten Phasen einer Partie Chancen nutzen, das ist die Aufgabe. Defensiv spielt die Tuchel-Elf aktuell auf einem extrem hohen Level. Nur fünf Gegentore in der Rückrunde (drei davon in Wolfsburg), da ist in dieser Liga nur der FC Bayern (zwei Gegentreffer) besser.

Die Mainzer spielen auch ausgewogener, nicht alles muss über lange Ballbesitzphasen geregelt werden. Die 05er können einen Gegner inzwischen auch mal machen lassen und mit weniger Offensivszenen Punkte abstauben. Das ist eine nötige Entwicklung, das spricht für eine neue taktische Flexibilität und für wachsende Cleverness. Das Team hat immer schnell mindestens fünf, sechs Spieler hinterm Ball, Johannes Geis sichert im Mittelfeld als Sechser im Zentrum immer ab vor der Abwehrreihe. Das 0:1 gegen die Hertha war kein Organisationsfehler, das war ein Aussetzer von Choupo-Moting.

Offensive muss zum richtigen Zeitpunkt fit sein

Für einen kapitalen Saisonerfolg, das zeichnet sich ab, wird die Chancenverwertung wieder eine große Rolle spielen. Im Moment hat der malochende Torjäger Shinji Okazaki eine Trefferdelle. Turbosprinter Nicolai Müller steckt in einem kleinen Tief. Edeltechniker Ja-Cheol Koo durchläuft eine Anpassungsphase an die Mainzer Abläufe; ähnlich taktisch konzentriert und strukturiert wie am Bruchweg musste der Südkoreaner womöglich noch nie Fußball spielen in seiner Karriere. Schön für den Trainer: Wenn diese drei Könner heiß laufen, und die Saison ist dafür noch lang genug, dann kann die Tuchel-Elf auch die nötigen Tore schießen. Das ist diesmal weniger eine Frage der Qualität oder fehlender Alternativen, sondern eine Frage der Form der Offensivspieler zum richtigen Zeitpunkt.