Rehberg: Gewaltiger Energieschub bei Mainz 05 nach dem Ausgleich

Augsburgs Daniel Baier (l) und Jhon Cordoba von Mainz kämpfen um den Ball. Foto: dpa

Mainz 05 holt den ersten Saisonsieg. Auswärts. 3:1 gegen den FC Augsburg gewonnen. Aber der Jubel blieb den 05ern im Hals stecken. Das rücksichtslose Foul des eingewechselten...

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. Die 05er haben die erste Europapokalwoche gut gemeistert. Dem Punkt gegen die AS Saint-Étienne hat die Mannschaft von Martin Schmidt den ersten Saisonsieg in der Bundesliga folgen lassen. Auswärts. 3:1 gegen den FC Augsburg. Der Jubel blieb den Profis allerdings im Hals stecken. Das sicher nicht absichtliche, aber zweifellos rücksichtslose Foul des eingewechselten José Rodriguez mit gestrecktem Bein und offener Sohle in der Nachspielzeit gegen Dominik Kohr, bestraft mit der Roten Karte, wirkte auf beiden Seiten wie ein Schock. Das nur fünfminütige Bundesligadebüt des Spaniers ging massiv daneben. Ein schwer verletzter Augsburger Spieler im Krankenhaus, das war ein unschönes Ende dieses aufregenden Kampfspiels. Schmidt entschuldigte sich im Namen der gesamten Mannschaft für diesen Blackout von Rodriguez, der ob seiner bisherigen Nichtnominierungen für den Spielkader womöglich hemmungslos übermotiviert aufs Feld gekommen war.

Die größte Anerkennung verdienten sich die 05er mit ihrer energiegeladenen Reaktion auf den Ausgleichstreffer der Gastgeber. In der 73. Minute ging die Führung der Mainzer flöten. Einen Moment passiv in der Abwehr. Der kurz vor Keeper Jonas Lössl aufsetzende Weitschuss von Konstantinos Stafylidis saß. Und man durfte in diesem Augenblick durchaus Sorgen darum haben, ob die 05er, die ab der 55. Minute im Zweikampfverhalten nachließen und auch im zielstrebig und präzise nach vorn orientierten Passspiel, überhaupt den einen Punkt über die Ziellinie würden retten können. Nach dem Ausgleich wurde es zum ersten Mal laut im Stadion. Die Augsburger hatten sich nach ihrer schwachen ersten Halbzeit ins Spiel gekämpft. Die Flügelangriffe liefen. Die dritte Chance des FCA führte zum 1:1. Und dann setzten die vermeintlich angeschlagenen Mainzer binnen sechs Minuten die beiden entscheidenden Wirkungstreffer durch Yunus Malli und den eingewechselten Yoshinori Muto.

Widerstandsgeist, Behauptungswillen. Große Moral. Effizienz im Abschluss. Die Story von den vermurksten Führungssituationen ist beendet. Für die Schmidt-Elf ein extrem wichtiger Schritt in dieser anstrengenden Spielzeit. Mit vier Punkten auf dem Konto fahren die 05er von Druckgefühlen befreit zum Mittwochspiel beim SV Werder Bremen. Der nach der Beurlaubung von Viktor Skripnik mit einem Interimstrainer antritt. Unangenehm.

Konstant hervorragend verteidigt

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Die Grundlage für diesen Auswärtssieg legten die 05-Profis mit ihrem klugen Verhalten gegen den Ball. Nimmt man die Zitter-Viertelstunde ab der 55. Minute raus aus der Betrachtung, dann hat das Team konstant hervorragend verteidigt. Dass die auf Standards geeichten Augsburger in der ersten Halbzeit ohne Eckball blieben, das zeigt, wie konsequent die 05er den Gegner vom eigenen Strafraum weggehalten haben. Die Innenverteidiger Stefan Bell und Leon Balogun verteidigten aggressiv nach vorne, davor bildeten die läuferisch, kämpferisch und strategisch überragenden Fabian Frei und Jean-Philippe Gbamin einen für die Augsburger unüberwindbaren engmaschigen Schutzwall. Dazu kamen an den Seiten die aufopferungsvollen defensiven Hilfsdienste der Flügelstürmer Levin Öztunali und Karim Onisiwo.

Und obendrauf haben die 05er im eigenen Ballbesitz selten so strukturiert die Kugel in den eigenen Reihen gehalten und immer wieder konstruktiv nach vorne transportiert wie in den ersten 45 Minuten. Die zweikampfschwachen Augsburger mussten oft und auf langen Wegen hinterlaufen. Das 1:0 durch Jhon Cordobas herrlichen Kopfball nach Malli-Ecke hatte eine Logik. Die Gastgeber? Keine echte Torchance, lediglich zwei Verzweiflungs-Weitschüsse. Die Probleme nach der Pause resultierten aus einer Tempoverschärfung der Augsburger, die mit diagonalen Seitenverlagerungen Durchbrüche schafften - und mit zwei zentralen Stürmern (ab der 59. Minute) Torgefahr produzierten.

Gewaltiger Energieschub nach Ausgleich

Den 05ern, die jetzt im Aufbau viele unerzwungene Ballverluste einstreuten, schien sukzessive der Sand durch die Finger zu rieseln. Und dann kam nach dem Ausgleich dieser gewaltige Energieschub. Daran war maßgeblich der bislang selten derart vehement als Ankurbler in Erscheinung getretene Frei beteiligt. Und vor allem auch die beiden Außenverteidiger Giulio Donati und Daniel Brosinski, die willensstark das Mainzer Spiel über die Flügel nach vorne trieben - und beide zeichneten sich aus als Toreinfädler.