Rehberg: Fünfter Platz wäre für Mainz 05 wie ein Titelgewinn

Christian Heidel. Foto: dpa

Den Einzug in den Europapokal haben die 05er bereits geschafft mit dem 3:1 im „Halbfinale“ beim VfB Stuttgart. Nun geht es gegen Hertha BSC Berlin um das erstmalige...

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. Einige Mainzer werden am Pfingstsonntag mit einem Brummschädel aufwachen. Wie auch immer das letzte Saisonspiel der 05er ausgehen mag: Nach dem Abpfiff wird an diesem Samstag in der Coface Arena und um die Spielstätte herum ausgiebig gefeiert. Das feine Händchen, das präzise Timing, geschichtsträchtige Meilensteine zu verbinden mit außergewöhnlichen sportlichen Erfolgen, hat sich der Klub bewahrt. Pünktlich zur 100 Jahr-Feier waren die 05er erstmals in die Bundesliga aufgestiegen; am Wochenende der Jubiläums-Feierlichkeiten schlugen die 05er unter Trainer Jürgen Klopp am 20. März 2005 im festlich geschmückten Bruchwegstadion den Tabellenführer FC Schalke 04 mit 2:1. Den Auszug aus dem altehrwürdigen Bruchwegstadion am 14. Mai 2011 zelebrierten die 05er unter Trainer Thomas Tuchel am letzten Bundesliga-Spieltag mit einem 2:1-Sieg gegen den FC St. Pauli - danach stieg die Feier für eine Rekordsaison mit 58 Punkten, die Feier für den sensationellen fünften Platz, die Feier für den Einzug in die Uefa-Pokal-Qualifikation, die Feier für das letzte Wettkampfspiel der Ersten Mannschaft in diesem traditionsreichen Kultkasten.

Und nun schreiben wir den 14. Mai 2016. Das Finale. Den Einzug in den Europapokal haben die 05er bereits geschafft mit dem 3:1 im „Halbfinale“ beim VfB Stuttgart. Nun geht es gegen Hertha BSC Berlin um das erstmalige Erreichen der Europaliga-Gruppenphase. Für diesen größten Erfolg in der inzwischen 111-jährigen Klubgeschichte würde der Mannschaft von Trainer Martin Schmidt bereits ein Remis genügen. Noch schöner wäre natürlich ein Heimsieg. Der den Mainzern mit hoher Wahrscheinlichkeit zum zweiten Mal in zehn Jahren Bundesliga den fünften Platz bescheren würde. Damit hätte die Schmidt-Elf alle Klubs hinter sich gelassen, die nicht in der Champions League antreten. Das wäre an diesem Standort einzusortieren wie ein Titelgewinn. Und nach dem Abpfiff steigt eine Europapokalparty, in deren Rahmen der Architekt dieses langen Erfolgsweges verabschiedet wird: Christian Heidel, der Manager, der kreative, entscheidungsstarke und durchsetzungsfähige Macher, der sich nach 24 Jahren Profifußball in seiner Heimatstadt zum FC Schalke 04 verändert. Und dann wird der 52-Jährige in einer von Erinnerungen und Emotionen geprägten Atmosphäre sicher auch noch eine Ehrenrunde drehen mit einem Publikumsliebling: Elkin Soto kehrt nach neuneinhalb Jahren in Mainz und nach 206 Pflichtspielen im 05-Trikot in sein Heimatland Kolumbien zurück.

Kunst und Wunder sind nicht gefragt

Der Tisch ist gedeckt. Davor wird Sport getrieben. Worum geht es in einem Finale? Das Ergebnis zählt, nichts anderes. Der Weg zum Ergebnis besteht aus Leistung, Leidenschaft und Behauptungswillen. Die 05er können in Bestbesetzung antreten. Die Hertha muss auf ihren gelb-gesperrten Torjäger Vedad Ibisevic verzichten. Zu erwarten ist ein Kampfspiel. Die Berliner stecken nach nur einem Punkt aus den vergangenen sechs Spielen in einer schwierigen Phase. Die 05er haben Selbstvertrauen und Überzeugung getankt beim Sieg in Stuttgart. Die Berliner werden sehr viel Wert legen auf eine stabile Defensive und auf Zweikampfschärfe. Die 05er müssen spielerisch kein Feuerwerk abbrennen. Kunst und Wunder sind nicht gefragt an diesem Tag. Es geht darum, mit Feuereifer dem Gegner klar zu machen, dass hier eine gewachsene Einheit auch noch den letzten Schritt machen will. Es geht um einen Kampfsieg. Mit dem nötigen Gespür für die entscheidenden Momente in dieser Partie. Getragen von einer wilden Stadionatmosphäre. Die Gastgeber benötigen für ihr geschwindigkeits-orientiertes Offensivpotenzial Angriffstiefe. Diese wird die Hertha freiwillig nicht gestatten. Die 05er werden hart arbeiten müssen. Die besten Chancen werden sich ergeben nach aggressiven Balleroberungen und ebenso schnell wie präzise und zielstrebig durchgezogenen Umschaltzügen. Dann können Jhon Cordoba, Yunus Malli, Karim Onisiwo, Christian Clemens oder Jairo den Unterschied ausmachen.

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Und dann wird Christian Heidel Bilanz ziehen. 125 Spieler hat er in diesen 24 Jahren verpflichtet, verbunden mit rund 66 Millionen Euro Transferausgaben. 152 Spieler hat er verkauft, das ergab Transfereinnahmen von rund 99 Millionen Euro. Das sind beeindruckende Zahlen. Doch was wirklich hängen bleibt, das sind die emotionalen Momente. Und zu denen wird auch dieser 14. Mai 2016 gehören.