Rehberg: Fuchs' "Foxes" feiern

2010 feierte Christian Fuchs (rechts, mit Lewis Holtby) noch im Trikot von Mainz 05, seit Montagabend kann er sich englischer Meister nennen.

Am kommenden Samstag geht es für Mainz 05 zum VfB Stuttgart. Dem VfB, der im ersten Montagspiel in der Bundesliga-Geschichte 2:6 von Werder Bremen demontiert wurde. Die Mainzer...

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. Die 05er sind aktuell etwas weit entfernt von ihrem Leistungspotenzial. Aber die Nähe zum Europapokal-Geschäft ist erhalten geblieben. Am kommenden Samstag geht es zum VfB Stuttgart. Die Schwaben haben sich nach einem sonnigen Kurztrainingslager auf Mallorca eine sehr gesunde Gesichtsfarbe geholt, aber keine Form und keine Mentalität für den Abstiegskampf. 2:6 beim SV Werder Bremen, im ersten Montagspiel in der Geschichte der Bundesliga. Diese Partie wird in Erinnerung bleiben. Die Mainzer werden keine Lust haben, auf der Zielgeraden dieser Saison nur noch als Aufbaugegner für die im dunklen Kellergewölbe frierenden Patienten herzuhalten. VfB-Trainer Jürgen Kramny, der langjährige 05-Angestellte, steht nun als Tabellenvorletzter gegen seinen ehemaligen Klub vor einer frostigen Aufgabe.

Die 05er haben 2004 in Stuttgart ihr erstes Bundesligaspiel in der Klubgeschichte erlebt. Christof Babatz schoss das erste Mainzer Bundesligator, Kramny wurde in der 46. Minute für den überforderten Antonio da Silva eingewechselt. 2007 ist die Mannschaft von Jürgen Klopp am 32. Spieltag als Tabellenvorletzter ins Schwabenland gereist. Da war der VfB Tabellenzweiter hinter dem FC Schalke 04. Die Stuttgarter gewannen damals mit einem glänzend aufgelegten Antonio da Silva im Mittelfeld mit 2:0. Saisonausgang: Die 05er mussten nach drei Jahren im Abenteuerland wieder zurück in die Zweite Liga - der VfB feierte unter Armin Veh eine rauschende Meisterparty. Neun Jahre später stehen die Schwaben unter Kramny nach dem 32. Spieltag mit einem Bein in der Zweiten Liga – und die 05er stehen mit eineinhalb Beinen in der Qualifikation für die Europa League. Am Wiederaufstieg der 05er im Frühjahr 2009 war Kramny noch beteiligt als Co-Trainer von Jörn Andersen.

Eintracht im Aufwind

Der Abstiegskampf-Gegner des VfB ist die Frankfurter Eintracht. Die vom einstigen Stuttgarter Meistertrainer Armin Veh in diese bedrohliche Situation manövriert worden ist. Nach dem 2:1 im Rhein-Main-Derby gegen die Mainzer und dem 2:1 im Hessen-Derby beim SV Darmstadt 98 ist die Eintracht allerdings wieder im Aufwind. Beim 0:0 der Mainzer am vergangenen Samstag gegen den HSV brandete in der Coface Arena nur ein Mal Jubel auf: Das war, als an der Anzeigentafel das 1:0 für die „Lilien“ erschien, Torschütze Mario Vrancic.

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Der Techniker Vrancic erlebte sein Bundesligadebüt im 05-Trikot, in jenem Abstiegsjahr 2007, am letzten Spieltag als Einwechselspieler in der 52. Minute beim 2:5 als Gast des FC Bayern. Drei Minuten später feierte damals bei den Münchnern der junge Mats Hummels als Einwechselspieler sein Erstligadebüt. Der Weltmeister, dessen Vater und Berater Hermann Hummels 1993/94 ein paar Monate Cheftrainer am Bruchweg war, ist einst im Alter von sechs Jahren mit der Familie von Mainz nach München umgezogen. Der am Bruchweg entlassene Papa wurde Jugendcoach beim FCB, der Sohn U7- Spieler beim FCB. Das hat damals kein Schwein interessiert. Warum auch? Und nun wird der 27 Jahre alte Mats Hummels unter großem Mediengetöse von Dortmund aus nach München zurückkehren. 40 Millionen Euro sollen die Bayern auf den Tisch legen, für vier Millionen Ablöse hatten sie das Innenverteidigertalent als 20-Jährigen in den Kohlenpott ziehen lassen. Begonnen hat das alles in Mainz. Da bolzte der Bub bekanntlich seine ersten Bälle an das Garagentor am Haus der Hummels-Familie in Finthen. Und Stephan Kuhnert oder Jürgen Klopp mussten zuweilen den „Babysitter“ spielen.

Sensation in England

Und damit wären wir in der Premier League. Da ist am Montagabend durch ein 2:2 von Verfolger Tottenham Hotspur beim FC Chelsea das No-name-Team von Leicester City drei Spieltage vor Saisonende Englischer Meister geworden. Eine Sensation. Ein Wunder. 2014 der Wiederaufstieg nach zehn Jahren Zweit- und Drittklassigkeit, 2015 am letzten Spieltag vor dem Abstieg gerettet, Meister 2016. Und maßgeblich daran beteiligt waren zwei Ex-05er: Christian Fuchs (24 Einsätze) und Shinji Okazaki (34 Einsätze/fünf Tore). Die Leicester-Spieler erlebten den Glücksmoment bei einem Mannschaftsabend vor dem Fernseher. Das von Fuchs ins Internet gestellte Jubel-Video der „Foxes“ („die Füchse“; der Markenname hat nichts mit dem Linksverteidiger zu tun…) ist längst ein Renner bei Fußballanhängern auf dem gesamten Erdball.

Claudio Ranieri saß in diesem Augenblick im Flugzeug: Der 64 Jahre alte Meistertrainer von Leicester City hatte sich an seinem freien Tag in Italien mit seiner 96 Jahre alten Mutter zum Mittagessen getroffen. Großartig.

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Als Okazaki im Sommer 2015 für elf Millionen Euro Ablöse auf die Insel gewechselt ist, da fragten wir uns: Leicester wer bitte? Hardcorefans wussten vielleicht, dass der ehemalige Mainzer Zweitligaprofi und spätere U23-Trainer Colin Bell in dieser überschaubar großen, rund 150 Kilometer von London entfernten englischen Universitätsstadt geboren ist. Bell, 2015 als Fußballlehrer Champions-League-Sieger mit den Frauen des FFC Frankfurt, trainiert heute einen Klub in Norwegen. Der 54-Jährige wird sich dort am Montagabend ein paar Gläser Bier gegönnt haben. In Leicester wird nun gefeiert. Sollten die Anhänger neben Fuchs und Okazaki auch ihren Präsidenten hochleben lassen wollen mit Sprechchören, dann wird das lustig. Der steinreiche Klubbesitzer stammt aus Thailand und heißt: Vichai Srivaddhanaprabha.