Rehberg: Es wird eng für Pep Guardiola

Pep Guardiola. Foto: dpa

Die Viertelfinals der Champions League sind gespielt, die Halbfinalisten stehen fest. Eine Knallerpaarung, ein Überrschungspaket und einen großen Verlierer macht AZ-Kolumnist...

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. Das Halbfinale in der Champions League steht. FC Barcelona gegen FC Liverpool, das ist die Knallerpaarung. Tottenham Hotspur gegen Ajax Amsterdam, das ist das Überraschungspaket. Wer fehlt? Cristiano Ronaldo und Pep Guardiola.

Juventus Turin ist an Ajax gescheitert. Bis dahin hatte Ronaldo derart überzeugend und selbstverständlich geliefert, dass man dachte, der spektakuläre, vom Agnelli-Clan ausgetüftelte Juve-Plan geht auf: Schnapp dir den zuverlässigsten Toremacher auf diesem Erdball – und nach zwei Endspielteilnahmen seit 2015 kann der Titel kommen. Der Traum ist geplatzt. Ronaldo hat sein Tor gemacht im Rückspiel. Aber die junge und leidenschaftlich Fußball zelebrierende Ajax-Mannschaft war als Kollektiv lebendiger, frischer, willensstärker als die Juve-Routine.

Dramatisch gescheitert ist Pep Guardiola. In der Nachspielzeit schoss Manchester City das vermeintliche 5:3 gegen Tottenham. Der Videobeweis schraubte sich unerbittlich in den Jubel von ManCity: zehn Zentimeter Abseits. Dank der Auswärtstorregelung zogen die Hotspurs beim Gesamstand von 4:4 ins Halbfinale ein. Ein spektakulärer Spielverlauf. 2:2 nach nur elf Minuten. 4:3 nach 120 Minuten. Dann das spektakuläre Enddrama.

Und nun wird über Guardiola diskutiert. „Pep ist der beste Trainer der Welt“, sagte Liverpool-Coach Jürgen Klopp noch vor den Viertelfinal-Entscheidungen. Doch der beste Trainer der Welt hat seit 2011 (Henkeltopf-Gewinner mit dem FC Barcelona) kein CL-Finale mehr erreicht. Obwohl der in seinem Fach geniale Spanier in dieser Zeitspanne mit Barca, dem FC Bayern und ManCity ausschließlich Weltklasse-Teams trainiert hat. Die Statistik: 2012 Halbfinal-Aus mit Barca (gegen Chelsea), 2013 schöpferische Pause, 2014, 2015 und 2016 jeweils HF-Aus mit dem FC Bayern (gegen Real Madrid, Barca und Atletico), 2017 Achtelfinal-Aus mit ManCity (gegen Monaco), 2018 Viertelfinal-Aus mit ManCity (gegen Liverpool). Und nun, 2019, das erneute Scheitern im Viertelfinale.

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Länger als vier Jahre hat Guardiola noch nie einen Klub trainiert. Wenn das so bleibt, dann hat der Ballbesitzmeister in Manchester noch genau eine Chance für den Titelgewinn auf europäischer Ebene. Sollte er im aktuell engen Zweikampf um den nationalen Titel gegen Klopps Liverpooler unterliegen, dann weiß man nicht einmal, wie die City-Scheichs reagieren.

Guardiola lässt einen atemberaubend schönen Fußball spielen. Der setzt sich auf Strecke im Liga-Betrieb bislang immer durch. In den K.o.-Duellen in der CL hat es den Eindruck, als hätten die gegnerischen Toptrainer inzwischen wirkungsvolle Mittel gefunden gegen Peps bedingungslosen - auf Passorgien basierenden – Offensivansatz, der zuweilen das defensive Denken und Handeln vernachlässigt.

Wenn es einen Unterschied gibt zwischen Jürgen Klopp und Pep Guardiola, dann ist das der: Klopp ist der brutal auf das Ergebnis gepolte Pragmatiker – Guardiola ist der feinsinnige, extrem prinzipientreue Ästhetiker. An Entscheidungsabenden mag das den Ausschlag geben. Sollte der Liverpool-Hero mit seiner Pressing- und Umschaltmaschine nun auch noch das Ballbesitzmonster FC Barcelona mit dem wieder brillanten Lionel Messi ausschalten, dann haben sich die Gewichte in der Trainer-Hierarchie verschoben.

Wobei anzumerken bleibt: Eine City-Abwehrreihe mit Walker, Kompany, Laporte und Mendy verkörpert individuell nicht die absolute Weltklasse. Und dass Guardioa in der Rückspiel-Startelf gegen die munter nach vorn orientierten Hotspurs auf seinen taktisch disziplinierten Sechser Fernandinho verzichtet und stattdessen dem eher spielerisch starken Gündogan die Defensivorganisation im Mittelfeldzentrum überlassen hat, das war unterm Strich sehr riskant. Allerdings: Ohne den Videobeweis stünde jetzt ManCity im Halbfinale. Trotz der vielen Gegentore.