Rehberg: Enttäuschung wegen zu hoher Erwartungen bei Borussia...

Max Eberl. Archivfoto: dpa

Welcher Klub spielte 2011 die Abstiegs-Relegation? Borussia Mönchengladbach. Heute muss sich Manager Max Eberl häufig gegenüber kritischen Journalisten und Anhängern...

Anzeige

. Mai 2011. So lange ist das noch gar nicht her. Welcher Klub spielte damals die Abstiegs-Relegation? Bitte Musik, bitte Bedenkzeit! Das war: Borussia Mönchengladbach. Mit einer im Prinzip netten Mannschaft: Ter Stegen – Jantschke, Dante, Stranzl, Daems – Arango, Nordtveit, Neustädter, Reus – Hanke, Idrissou; eingewechselt wurden noch Browers, Matmour und De Camargo.

Die Gladbacher, trainiert von Lucien Favre, setzten sich gegen den Zweitligadritten VfL Bochum ausgesprochen knapp durch. Das 1:0-Siegtor im Heimspiel schoss Joker Igor de Camargo - in der 90. Minute. Im Rückspiel in Bochum führten die Gastgeber bis zur 72. Minute mit 1:0, dann erzwang Marco Reus den für die schwachen Gladbacher glücklichen Ausgleich. Auf den Felgen hatte sich die Borussia damals ins Ziel gerettet nach einer desolaten Hinrunde.

Eberl steht gewaltig unter Druck

Heute muss sich der Manager häufig gegenüber kritischen Journalisten und Anhängern rechtfertigen, warum der Klub in dieser egalisierten Bundesliga nicht überzeugend auf Champions-League-Kurs segelt. Der Klub steht aktuell auf Platz sieben. Rückstand auf den Sechsten RB Leipzig und den Fünften Bayer Leverkusen: vier Punkte. Rückstand auf den CL-Qualifikationsrang vier (Eintracht Frankfurt): fünf Punkte. Nun mag jeder für sich entscheiden, ob diese Rückstände zehn Spieltage vor Schluss noch aufholbar sind. Wenn man bedenkt, dass die Elf von Dieter Hecking vor dem jüngsten Sieg in Hannover hintereinander vier Spiele verloren hatte, dann muss man diesen Tabellenstand noch als günstig bezeichnen. Tatsache ist, dass selbst im als ruhig geltenden Mönchengladbach Misserfolgsphasen relativ flott für Aufregung sorgen. Dann steht der Kaderplaner Max Eberl in den Sozialen Medien gewaltig unter Druck. Der Trainer sowieso. Bei Eberl ist das dann manchmal schon kurios, denn der Sportdirektor gilt in der Branche als einer der anerkanntesten Fachkräfte. Ein „Trüffelschwein“, das Jahr für Jahr für vertretbare Ablösesummen hochkarätige Talente an Land zieht.

Anzeige

Die Spitzenspieler aber, die muss auch ein gesunder Klub wie Gladbach regelmäßig ziehen lassen. Das geht zuweilen an die Substanz. Und wenn dann auch mal eine Trainerentscheidung nicht optimal passt, dann muss auch der Bökelberg-Verein ohne internationalen Wettbewerb klarkommen. Eberl moderiert das mit großer Gelassenheit. 2011/12 war die Borussia Vierter, 2012/13 Achter, 2013/14 Sechster, 2014/15 Dritter, 2015/16 Vierter, 2016/17 Neunter. Und wenn in der kommenden Saison zum zweiten Mal hintereinander keine Einnahmen aus dem Europapokal fließen, dann wird Eberl mit dem kleinen Scheckbuch auf die Suche nach Verstärkungen gehen müssen. Es sei denn, er erzielt exorbitant hohe Einnahmen aus dem Verkaufsgeschäft. Aber dann beißt sich die Katze ja schon wieder in den Schwanz, weil der Kaderplaner zunächst einmal den Verlust von Leistungsträgern kompensieren muss.

Enttäuschung wegen überzogenen Erwartungshaltungen

Aktuell hat Hecking Probleme mit seiner Offensive. Von den drei überdurchschnittlich begabten Angreifern ist der großartige Techniker Raffael häufig verletzt, Nationalspieler Lars Stindl durchläuft ein Formtief und Thorgan Hazard trifft nicht mehr so sicher wie noch in der Hinrunde. Die Ersatzstürmer Raul Bobadilla und Josip Drmic helfen nur bedingt bis gar nicht. Jetzt lautet der Vorwurf an Eberl, er habe es versäumt, im vergangenen Transfersommer einen torgefährlichen Mittelstürmer zu kaufen. Die Topplatzierungen 2015 und 2016 hatte die Borussia aber auch ohne einen klassischen Mittelstürmer erspielt. Und wenn Raffael und Stindl gesund und in Form sind, dann gibt es in der Startelf auch gar keinen Platz für einen Zentrumsstürmer. Ganz abgesehen davon, dass der nationale und internationale Markt nicht übersät ist mit bezahlbaren Strafraum-Killern.

Enttäuschung rührt her von überzogenen Erwartungshaltungen. Was die Gladbacher seit dem Relegations-Erlebnis 2011 geschafft haben, das ist beeindruckend. Topseriös gewirtschaftet. Sportlich erfolgreich, wenn alles passt. In der Tabelle mittelständisch, wenn sportliche Planungen mal nur mittelprächtig aufgehen. Max Eberl kann damit gut leben. Einige laute Fan-Gruppierungen nicht. Das entspricht in diesen Tagen dem Zeitgeist.