Rehberg: Einfacher, aber konsequenter Fußball muss her

05-Trainer Martin Schmidt. Foto: dpa

Für den 05-Abstiegskampf müssen alle Kräfte mobilisiert werden. Um so mehr, wenn es am Mittwoch gegen die starken Leipziger geht. Dabei kann die Stadion-Atmosphäre helfen....

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. Sollte Rouven Schröder in oder nach dieser englischen Woche zu der Überzeugung gelangen, dass diese Mannschaft einen neuen Impuls benötigt, dann wird der sehr klar denkende 05-Sportvorstand eine Entscheidung fällen. Dann wird es nicht darum gehen, ob Martin Schmidt ein guter Trainer ist. Dann wird es ausschließlich darum gehen, zu bewerten, ob der Schweizer die sich zuspitzende Situation im Abstiegskampf in den Griff bekommen kann. Einen schleichenden Zersetzungsprozess zuzulassen, also eine sich über Wochen hinziehende öffentliche Debatte, die das Ansehen und die Stellung des Gruppenführers zunehmend schwächt, ist noch nie eine gute Lösung gewesen. Schon gar nicht acht Spieltage vor Saisonende.

Für diese Entscheidung gibt es in diesem Moment nur zwei Kriterien: die Leistungen der Mannschaft und die Ergebnisse. An diesem Mittwochabend steht den 05ern in der Opel Arena eine sperrige Einheit gegenüber. RB Leipzig hat glasklare Abläufe. Mit diesem Pressing- und Geschwindigkeitskonzept segeln die Konzernkicker als Tabellenzweiter auf Champions-League-Kurs. Nach diesen 90 Minuten wird man den Mainzer Cheftrainer nicht am Ergebnis messen. Aber an der Verfassung seiner Mannschaft, an der Wehrhaftigkeit, am Zusammenhalt, an der Leistungsbereitschaft, auch am Matchplan und am Coaching des Chefplaners.

Schmidt hat sich verzockt

Die 05er haben beim 1:2 in Ingolstadt den Tiefpunkt ihrer krassen Abwärtsbewegung erreicht. Martin Schmidt hat mit seiner Startelf und seiner Grundidee auf Verteidigung und Kampf gesetzt. Da waren die Ingolstädter wilder. Als es für die Mainzer darauf ankam, gegen einen nur noch auf Zerstörung und Spielunterbrechungen sinnenden Gegner mit spielerischen Mitteln den Rückstand zu egalisieren, da brachen brutal die fehlenden Muster im Passspiel und in den Laufwegen auf. Martin Schmidts Korrekturversuche haben nicht gegriffen. Der Trainer hat sich verzockt.

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Das ist auch den Strategen Jürgen Klopp und Thomas Tuchel mal passiert. In der Entscheidungsphase einer Saison haben Trainerentscheidungen aber eine besondere Bedeutung. Da muss eine Mannschaft, die zunehmend in Nöte gerät, das totale Vertrauen in den Anführer spüren. Und leben. Als Gemeinschaft. Dieses Bild hat die Elf in Ingolstadt nicht vermittelt.

Der FC Ingolstadt mag den Eindruck erweckt haben, man könne in der Bundesliga ausschließlich mit Lauf- und Kampfbereitschaft und mit Glückstoren Spiele gewinnen. Das funktioniert eher selten. Das Schlusslicht Darmstadt 98 hat seit dem emotionalen Kampfsieg gegen die 05er kein Spiel mehr erfolgreich gestaltet. Die 05er werden gegen RB fighten, aber auch Fußball spielen müssen. Einfachen Fußball. Aber konsequenten Fußball. Leidenschaftlich. Willensstark. Mutig. Zielstrebig.

Stadion-Atmosphäre kann helfen

Natürlich spielt jetzt auch das Seelenkorsett eine Rolle. Eine Misserfolgsphase nagt an der Überzeugung. Fehlendes Selbstvertrauen lässt sich nicht herbeireden. Das muss man sich auf dem Feld erarbeiten. Grenzen neu verschieben. Eine starke Leistung gegen einen hohen Favoriten kann diesen Selbstfindungsprozess anschieben.

Dabei hilft die Stadion-Atmosphäre. In Ingolstadt haben 13.000 „Schanzer“ jede gelungene Grätsche frenetisch gefeiert. Das Publikum war eine Macht. Diese Stimmung braucht es jetzt auch in der Opel Arena. Keine netten Gesänge, sondern ein feuriges Nachvornepeitschen. Von dieser bedingungslosen Unterstützung lebt ein Team, dem es gerade nicht gut geht. Aus Protest gegen die Marketingmaschine aus Leipzig zu Hause bleiben oder die Hände stillhalten, davon haben die 05-Profis gar nichts. Die Mainzer haben oft genug ihr Gespür bewiesen für diese herausfordernden Situationen im Abstiegskampf. Jeder geblockte Schuss, jeder erzwungene Eckball, jeder Konterversuch muss Lärm erzeugen. Und dann wächst das zusammen, was eine Mannschaft und den Trainer in schwierigen Momenten ins Ziel führen kann. Mehr zu dieser Partie im Blog am Mittwochmorgen.