Rehberg: Eine Belohnung für einen Ausraster

Martin Hinteregger, hier noch im Trikot für den FC Augsburg.  Foto: dpa

Martin Hintereggers Transfer ist umstritten: Wollte er mit seiner öffentlichen Kritik an Augsburg-Trainer Manuel Baum seinen Wechsel zur Eintracht bewusst provozieren? Für...

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. Auf den ersten Blick erkennen wir in diesem Fall nur Gewinner. Der FC Augsburg ist einen Spieler losgeworden, der sich mit unsachlichen Vorwürfen gegen seinen Trainer gestellt und sich damit außerhalb der Gemeinschaft bewegt hat. Ohne Kapitän Martin Hinteregger hat der FCA nach zehn Spielen ohne Sieg unter immensem Druck einen 3:0-Heimsieg gefeiert.

Der lange Innenverteidiger ist für seinen verbalen Ausraster belohnt worden mit dem Blitzwechsel zur Frankfurter Eintracht. Dort stand der Österreicher direkt in der Startelf. Die SGE erkämpfte ein 1:1 gegen Spitzenreiter Borussia Dortmund. Hinteregger spielte solide, in einer Szene rettete er mit einer brachialen Grätsche vor dem eigenen Tor der Heimelf den Punkt.

Nur Gewinner? Nicht ganz. Ein Beigeschmack bleibt hängen. Hatte Hinteregger eine Anfrage seines ehemaligen Salzburger Trainers Adi Hütter schon im Köcher, als er den Augsburger Chefcoach in der Öffentlichkeit so rabiat aburteilte? Der 26-Jährige muss gewusst haben, dass es nach diesen respektlosen Worten für ihn keine Zukunft mehr geben würde unter Manuel Baum. War das also ein Mittel zum Zweck?

Wirtschaftlichen Aspekte beachten

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Wenn dem so war, dann hätten die Augsburger ihren Kapitän besser für ein halbes Jahr ins Training der U23 verbannt und während der Bundesligaspiele auf die Tribüne. Aber natürlich musste der Klub auch den wirtschaftlichen Aspekt im Auge behalten. Hinteregger ist nun von der Gehaltsliste runter, die Ausleihgebühr von einer halben Million Euro für sechs Monate ist auch nicht zu verachten – und im Sommer, sollte Eintracht-Trainer Hütter den Spieler weiterhin gebrauchen können, kassiert der FCA auch noch eine nette Ablösesumme. Alle profitieren von diesem Deal. Doch das Gefühl bleibt haften: Martin Hinteregger hat seinen persönlichen Aufstieg zu einem um die Champions-League-Ränge kämpfenden - und auch noch besser zahlenden - Klub nicht verdient.

Der Kampf an der Tabellenspitze? Sieben Punkte Vorsprung haben die Dortmunder nun. Das verändert nicht viel. Den Bayern, danach sieht es aus, fehlt die innere Überzeugung für eine fehlerfreie Aufholjagd. Die Leistung in der zweiten Halbzeit beim 1:3 in Leverkusen war dünn. Die Gladbacher? Die haben beim 2:0 auf Schalke sehr gut verteidigt. Spielerisch fiel der Borussia nicht viel ein, auch später nicht in personeller Überzahl. Das lief auf ein 0:0 hinaus.

Dann traf der Einwechselspieler Christoph Kramer ganz am Ende noch mit einem Traumtor. Immer funktioniert das nicht. Die Dortmunder verkörpern nach wie vor die Mannschaft mit der größten Stabilität. Auch die extrem aggressiven und offensiv top besetzten Frankfurter haben es nicht geschafft, die vor Selbstvertrauen strotzende Elf von Lucien Favre aus den Angeln zu heben. Ein Fingerzeig im Titelkampf.