Rehberg: Ein kurioses Spiel gegen den SC Freiburg

Jonas Lössl von Mainz 05 pariert einen Schuss des SC Freiburg. Foto: dpa

Das Spiel von Mainz 05 gegen den SC Freiburg war aufregend und tempogeladen - dabei gab es auch auf Mainzer Seite einiges zu bemängeln. Reinhard Rehberg lässt das Spiel Revue...

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. Die Arbeitsthese hat gelautet: Wer das Zentrum dominiert, der gewinnt das Spiel. Meistens. Aber nicht immer. Es gibt Ausnahmen. Wie beim 4:2-Erfolg der 05er gegen den SC Freiburg. Im Zentrum konstruktiv Fußball gespielt haben die Profis aus dem Schwarzwald. Die Mannschaft von Martin Schmidt hatte Mühe und Not, diesen spielerisch starken Gegner abzuwehren. In den Griff bekommen haben die 05er diese aufregende und tempogeladene Partie nie. Aber es hat sich gezeigt: Auch ohne eine stabile defensive Kontrolle und ohne große Sicherheit im eigenen Ballbesitz kann man vier Tore schießen und zudem noch einen Latten- und einen Pfostentreffer landen. Auf dem Abmarsch von der Opel Arena hörte man hundertfach diese Formulierung: „Was für ein kurioses Spiel!“

Die Mainzer Effektivität lässt sich festmachen an einer Person: Yunus Malli. Wie so häufig in dieser Saison mochte dem Zehner auch an diesem Samstag nicht viel gelingen. Da war ein zielstrebiges Dribbling mit einem prächtigen Lückenpass auf den in den Strafraum eingelaufenen Karim Onisiwo. Ansonsten war Malli läuferisch sehr gut unterwegs, aber eine nachhaltige Wirkung auf das Spiel seiner Elf hatte er nicht. Vergleicht man seinen Auftritt mit dem von Vincenzo Grifo, dann muss man urteilen: Klarer Punktsieg für den extrem umtriebigen Freiburger Techniker und Einfädler, der bei nahezu sämtlichen Spielzügen seines Teams die Füße mit im Spiel hatte. Aber, wie so oft: Die einzig wirklich wichtige Statistik, das Ergebnis auf der Anzeigentafel, hat Yunus Malli maßgeblich beeinflusst. Ein auch in der Wiederholung nervenstark verwandelter Elfmeter plus zwei Torvorlagen durch Eckballflanken. Wenn Malli in diesem Stil weitermacht, dann wechselt er im Sommer mit einer gigantischen Abschluss- und Vorlagenquote zu Manchester United oder zu Juventus Turin - ohne auch nur in einem einzigen Spiel mal alle Knöpfe aufgemacht zu haben.

Wenn der Matchplan nichts bringt

Schmidts Kollege Christian Streich wirkte in der Pressekonferenz, als sei er der Verzweiflung nahe. Da bereitet ein Trainer seine Mannschaft akribisch vor. Da werden zum Beispiel 80 Seiten an statistischem Material über den Gegner ausgewertet und komprimiert weitergegeben. Da kam dann sicher auch vor, dass die Mainzer in der Verwertung von Eckbällen zur Liga-Spitze zählen. Und dann durften die 05-Innenverteidiger Niko Bungert und Stefan Bell bei ihren Standardtreffern zum 1:0 und zum 3:1 unbehindert einköpfen. Jeweils in einer Phase, als die Freiburger überlegen waren, als die 05er kaum Zugriff bekamen in der Mitte des Spielfeldes. Da dürfte Streich das Gefühl umklammert haben: Wenn deine Mannschaft derart nachlässig verteidigt, dann kannst du jeden noch so guten Matchplan in die Papiertonne treten. Davon abgesehen: Auch die Aktion von Caglar Söyüncü gegen Jhon Cordoba vor dem Strafstoß zum 2:0 darf man auf gut määänzerisch als „dappisch“ bezeichnen.

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Wobei anzumerken ist: Dass die Partie nicht 3:3, 4:4, 5:5 oder eventuell auch 6:6 endete, das lag maßgeblich an der hervorragenden Leistung von 05-Torhüter Jonas Lössl. Der Däne rettete seine Elf mit einem halben Dutzend großartiger Paraden. Noch in der zweiten Nachspielminute stand Lössl dem am kurzen Pfosten frei zum Abschluss gekommenen Marc Torrejon im Weg. Da lag das 3:3 in der Luft. Im Gegenzug markierte Onisiwo das 4:2. Da hatte der insgesamt etwas wirre Schiedsrichter Patrick Ittrich sein Arbeitsgerät schon im Mund für den finalen Pfiff. Die Note 1 verdarb sich Jonas Lössl mit seinem groben Fangfehler, der den Gegner auf 2:3 heranbrachte.

Mit Rückenwind nach Saint-Étienne

Die 05er fliegen nun am Mittwoch mit Rückenwind nach Saint-Étienne. Die Abschlusseffizienz ist zurückgekehrt. Eine große Aufgabe bleibt: Die Straßensperren im Verkehrsmittelpunkt müssen in einer besseren Struktur aufgestellt werden. Die Sechser haben den Auftrag, den Abwehrblock zu schützen. Das gelang gegen die Freiburger nur sehr bedingt. Fabian Frei und Jean-Philippe Gbamin rannten viel und sie kämpften auch. Aber die - für das Konterspiel unabdingbaren - aktiven Balleroberungen ergaben sich zu selten.

Und wenn sich Umschaltchancen auftaten, dann war es ein untaugliches Mittel, direkt den ersten Pass in die Tiefe zu jagen. Dem Schweizer merkte man seine lange Pause an, der Franzose wirkte überspielt. Und die Freiburger stachen mutig rein in die Mainzer Problemzone. Mittelstürmer Florian Niederlechner sowie die äußeren Mittelfeldspieler Grifo und Mike Frantz stellten mit ihren Positionsrochaden immer wieder Überzahl her im Zentrum. Schmidt wechselte spät mit André Ramalho einen dritten Sechser ein. Aber der lange verletzte Brasilianer fand diesmal überhaupt nicht rein in die Zweikämpfe. Aber es reichte für diesen „kuriosen“ Heimsieg.