Rehberg: Die richtigen Antworten auf das Spiel von Borussia...

05-Trainer Martin Schmidt. Foto: Sascha Kopp

Die Aufgabe hat gelautet: Die richtigen Antworten finden auf das Spiel von Borussia Mönchengladbach. Die 05er und ihr Trainer Martin Schmidt haben geliefert am Sonntagabend....

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. Die Aufgabe hat gelautet: Die richtigen Antworten finden auf das Spiel von Borussia Mönchengladbach. Die 05er und ihr Trainer Martin Schmidt haben geliefert am Sonntagabend. 2:1 im Borussia-Park. Mit einer abgeklärten, taktisch reifen Leistung, die geprägt war einem enormen läuferischen Aufwand, von defensiver Stabilität auf der Basis einer hervorragenden taktischen Ordnung und von hoher Effizienz in der Offensive.

Nach der trostlosen 0:1-Heimneiderlage zum Start gegen den Aufsteiger FC Ingolstadt sind die Mainzer damit auch mit Punkten in der neuen Saison drin. Der Sieg in Gladbach mag bundesweit als Überraschung wahrgenommen werden, unverdient war dieser Coup nicht.

Denn schaut man auf die Anzahl der markanten Torchancen, dann hatten die 05er sogar ein Plus in Gladbach. Man muss sich das vorstellen: Die Schmidt-Elf hatte in der ersten Halbzeit einen Pfostenschuss durch Yunus Malli, einen Böller an die Unterkante der Latte durch Fabian Frei und das klassische Umschalttor durch Jairo zum 1:0. Nach der Pause wurde es schwieriger, aber Christian Clemens nutzte die erste große Möglichkeit in der zweiten Halbzeit technisch perfekt zum 2:1-Siegtreffer. Danach hätten zweimal Yoshinori Muto und Daniel Brosinski jeweils frei vor Keeper Yann Sommer das Ergebnis leicht noch auf 3:1 stellen können. Das war ein kapitaler Mainzer Erfolg, der den Stempel „Fehlstart“ dem in der Champions League aktiven Gegner vom Niederrhein aufgedrückt hat.

Erarbeiteter Auswärtserfolg

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Die 05er haben eine der überragenden Mannschaften der Vorsaison zum richtigen Zeitpunkt erwischt. Die Gladbacher, die mit einem hohen Erwartungsdruck und einer nicht unerheblichen Fallhöhe leben müssen, suchen nach gewichtigen Abgängen, nach Verletzungsproblemen in der Abwehr und nach dem derben 0:4 in Dortmund noch nach ihrem neuen Spielstil und nach Selbstvertrauen. Diese Situation haben die 05er gnadenlos effektiv ausgenutzt. Dazu gehörte auch Matchglück bei drei Riesenchancen für die Hausherren Mitte der zweiten Halbzeit beim Stand von 1:1. Aber insgesamt war das ein leidenschaftlich und diszipliniert erarbeiteter Auswärtserfolg, der die Stimmung in Mainz auf einen Schlag dreht.

Die Grundlage für diesen Triumph war die Arbeit gegen den Ball. Die 05er haben eine nach vorne verteidigende Burg gebaut, enge Abstände, starke Verschiebearbeit in Richtung der Kugel. Hervorragende Raumverdichtung, insbesondere im Zentrum. Dort schufteten Fabian Frei und Julian Baumgartlinger derart wirkungsvoll, dass die Gladbacher die komplette erste Halbzeit über nie zu einem tempogeladenen Aufbau- und Offensivspiel kamen. Die Spielmacherrolle schmeckte dem Favoriten nicht. Lucien Favres Team kombinierte ganz nett und technisch gekonnt, doch im letzten Drittel fanden die Stürmer Thorgan Hazard und Raffael nie die tiefen Räume. Und da die 05-Flügel Clemens und Jairo extrem engagiert mit nach hinten arbeiteten und die sicheren Außenverteidiger Brosinski und Joo Ho Park nahezu perfekt unterstützen, hatten die Gladbacher auch an den Seiten mit Herrmann und Ibrahima Traoré wenig Auslauf.

Kurios war, dass die 05er nach der Pause phasenweise mehr Ballbesitz hatten. Im Übermut passierten leichte Ballverluste im Aufbau, nur das brachte die Gladbacher in die Lage, über Umschaltangriffe in die Tiefe und zu Chancen zu kommen. Einzige Ausnahme: Das Ausgleichstor, bei dem das vorbereitende Passspiel durch die Mitte lief - da blieben Baumagrtlinger und Stefan Bell im Strafraum zu passiv gegen den Torschützen Patrick Herrmann. Im Prinzip war diese Situation leicht zu verteidigen. Ansonsten stand der Defensivblock um die aufmerksamen Innenverteidiger Niko Bungert und Bell gegen die Positionsangriffe und das Flügelspiel des Gegners sehr gut. Eine Topleistung lieferte Linksverteidiger Park ab, perfekt im defensiven Stellungsspiel, geschickt im Zweikampf, unaufgeregt und präzise im Passspiel.

Duo mit Potenzial

Ein Schlüsselspieler an diesem Abend war der bislang heftig kritisierte Fabian Frei. Der Schweizer gewann das Duell im Mittelfeldzentrum gegen seinen langjährigen Baseler Weggefährten Granit Xhaka. Frei war lauffreudig, aggressiv im Zweikampf, präsent in den relevanten Räumen – und dann war der klassische Verbindungsspieler zwischen Defensive und Offensive in vielen Szenen mit seinem Direktspiel und mit seinem Gefühl für bespielbare Räume der entscheidende Passbeschleuniger nach Gladbacher Ballerverlusten. Eine physisch und emotional fulminante Steigerung des Mainzer Königstransfers.

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Gut getan hat den 05ern auch die Einstellung und Spielweise von Konter-Mittelstürmer Yoshinori Muto. Der Japaner ging die ganz weiten Wege, er lief engagiert an, er rochierte, er forderte unermüdlich Anspiele in die Tiefe, er behauptete Bälle gegen die nicht immer griffige Gladbacher Abwehr, er versuchte, Bälle durchzustecken. Das ist sicher nicht die Idealposition für Muto, aber auswärts kann er mit seiner Schnelligkeit, Wendigkeit und Ballsicherheit eine Waffe sein in der vordersten Reihe im Zusammenspiel mit dem ähnlich flinken und technisch sicheren Zehner Yunus Malli. In diesem Duo steckt Potenzial.