Rehberg: Deutschland muss sich bei der EM durch ein...

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Das Ende der Gruppenphase der EM 2016 überzeugte spielerisch nicht immer - und herausgekommen sind zwei K.o.-Bäume, die wahrscheinlich 90 Prozent aller Voraussagen und/oder...

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. Die Gruppenphase bei dieser EM 2016 in Frankreich hat sich gezogen. Da waren am Ende ein paar Spiele zu viel dabei, die nicht so überragend unterhaltsam/spannend waren. Und herausgekommen sind zwei K.o.-Bäume, die wahrscheinlich 90 Prozent aller Voraussagen und/oder Wetten zu den beiden Finalkonkurrenten kaputt gemacht haben. Von den Topfavoriten und Außenseiterfavoriten wird definitiv nur Deutschland oder Spanien oder Frankreich oder Italien oder England das Endspiel erreichen. Die stecken alle im rechten Turnierbaum. Der Finalteilnehmer aus dem linken Baum? Die Favoriten sind: Belgien, Kroatien, Polen und Portugal. Schaut man auf die Weltrangliste und vor allem auf bislang gezeigten Leistungen, dann konstatieren wir eine etwas unglückliche Gewichtsverteilung.

Das wäre dem Blatter-Sepp als Organisationschef nicht passiert. Der langjährige Fifa-Pate hätte alle K.o.-Runden natürlich neu auslosen lassen. Wie man heute weiß mit unterschiedlich angewärmten Kugeln (wahlweise mit vorbereiteten Zettelchen außerhalb des Blickfeldes der Kamera…). Und dann hätte der Generalsekretär von Blatters Gnaden als Glücksfee mit hoch sensiblen Fingerchen für das Achtelfinale ganz zufällig Frankreich gegen Wales, Spanien gegen Nordirland, Deutschland gegen Island, Italien gegen Ungarn, England gegen Kroatien und Belgien gegen Island gezogen…, oder so ähnlich. Auf jeden Fall wäre bis zum Ende alles so aufbereitet gewesen, dass zumindest der Weltmeister Deutschland, der Titelverteidiger Spanien und der Gastgeber Frankreich relativ problemlos und gemeinsam das Halbfinale hätten erreichen können.

Deutschen müssen sich durch ein Monsterfeld boxen

Mehr Ausgewogenheit. Auch der von Blatter hervorragend geschulte und vorzüglich alimentierte Platini-Michel hätte diesen Auftrag hinbekommen. Aber die einstigen Paten sind längst gesperrt für hohe Fußball-Ämter. Also müssen sich auch - die früher vom Losglück meistens reich bedachten - Deutschen auf ihrem weiteren Weg durch ein Monsterfeld boxen. Zur Belohnung wartet dann ein nicht ganz so mächtiger Finalgegner.

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Die DFB-Elf hat es noch ganz gut getroffen für den Anfang. Am Sonntagabend heißt der erste K.o.-Gegner Slowakei. Einer der drei Außenseiter auf dem rechten Turnier-Strang. Aber, aufgepasst. Wir erinnern uns noch gut an das WM-Achtelfinale von 2014. Da sollte das kleine Algerien als lockere Durchgangsstation herhalten. Doch hätte Manuel Neuer nicht so einen großen Tag gehabt als polyvalenter Torwart-Innenverteidiger-Außenverteidiger-Libero, dann wären die Deutschen raus gewesen in dieser Runde. Erst in der Verlängerung bewahrten der eingewechselte André Schürrle und Mesut Özil ihre Mannschaft vor der Blamage gegen die feurig-mutigen Algerier.

Aber das ist ja nun eine der Stärken von „La Mannschaft“: Erfahrung mit Turnierstress. Die Slowaken berauschen sich noch an ihrem 3:1-Sieg im als letzte EM-Vorbereitung dienenden „Wasserballspiel“ von Augsburg. Den Deutschen ist das eine Warnung. Und sie wissen: Individuell und spielerisch/taktisch gehören die Slowaken nicht zur Weltklasse. Mit einer Ausnahme: Marek Hamsik, der Spielmacher mit dem auffälligen Hahnenkamm auf seiner Rübe, der Star vom italienischen Spitzenklub SSC Neapel. Der hat vor gar nichts Angst. Dem haben Motorradgangster mal unterhalb des Vesuvs im Auto beim Ampel-Stopp mit vorgehaltener Pistole seine sündhaft teure Uhr geklaut. Und seiner Frau haben sie mal in Neapel gleich die komplette Karre abgenommen. Der Wagen stand dann später aber wieder auf dem Stadionparkplatz, ohne einen Kratzer, der Autoschlüssel lag auf dem Fahrersitz. Diese Räuber waren SSC-Fans, ihren Liebling Hamsik wollten sie nicht bestehlen.

Diesen Hamsik muss das deutsche Team im Auge behalten. Der Mann hat Technik, vor allem eine konstant abrufbare Schusstechnik. Beim 2:1-Gruppensieg gegen Russland bereitete Hamsik das 1:0 vor, den Siegtreffer besorgte er selbst mit einem wunderbaren Strahl in den entfernten Torwinkel. Auch beim glücklichen 0:0 gegen die Engländer hatte der leichtfüßige Mittelfeldspieler gute Szenen.

Gegen die slowakische Abwehrmauer braucht es Torgefahr aus dem Zentrum heraus

Taktisch werden die Deutschen dieses Achtelfinalduell sicher ähnlich angehen wie das sportlich ungleiche Duell mit den Nordiren. Die beiden Außenverteidiger werden womöglich nicht ganz so bedingungslos offensiv anrennen, aber ein Ballbesitzspiel mit Schwerpunkt gegnerische Spielhälfte ist erwartbar. Personelle Änderungen? Nur dann, wenn Löw der Meinung ist, dass er seinen Kapitän Bastian Schweinsteiger diesmal auf dem Feld benötigt. Dann müsste wahrscheinlich Mario Götze weichen. Und Thomas Müller müsste wieder am rechten Flügel auflaufen. Die Vermutung liegt nahe, dass sich der Bundestrainer diese Variante mit Toni Kroos und Schweinsteiger als sich flexibel abwechselnde Zehner aufhebt für das Viertelfinale gegen Spanien oder Italien. Gegen die slowakische Abwehrmauer braucht es Torgefahr aus dem Zentrum heraus. Und das spricht für Mario Gomez und Thomas Müller in der Angriffsmitte, mit Passvorlagen gefüttert von den Kombinationsspielern Mesut Özil, Mario Götze sowie Toni Kroos und gefüttert mit Flanken von Joshua Kimmich und Jonas Hector.

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Und sollte die Chancenverwertung noch immer klemmen, dann kann ja als erster Einwechselkandidat wieder André Schürrle zur Tat schreiten.