Rehberg: Derby mit Debütant und Rekordmann an der Linie

Thomas Schaaf, der Dino an der Seitenlinie bei Eintracht Frankfurt. Foto: dpa

Der Dino gegen den Debütanten. So präsentiert sich beim Blick auf die Trainer am Samstag das Rhein-Main-Derby zwischen Mainz 05 und Eintracht Frankfurt. Da ist der gerade ins...

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. Das Derby gegen die Frankfurter Eintracht. Das ist an diesem Samstag in der Coface Arena schon eine interessante Konstellation. Da trifft der Mainzer Bundesligatrainerdebütant Martin Schmidt direkt auf Thomas Schaaf, den Bundesligarekordmann.

Unterschiedlichere Welten könnten das gar nicht sein. Schmidt war nie Fußballprofi, als Profitrainer hat er jetzt etwas mehr als eine halbe Saison als Drittligaverantwortlicher hinter sich gebracht. Eintracht-Coach Schaaf steht mittlerweile bei mehr als 750 Bundesligapartien als Spieler und Cheftrainer. Gewaltig. Das ist das, was man Erfahrung nennt.

Im Alter von 17 Jahren und 353 Tagen hat Schaaf in Bremen als schmalbrüstiger Rechtsverteidiger sein Bundesligadebüt gefeiert. Am 18. April 1979 bei einer 0:3-Niederlage in Bochum, in der 65. Minute eingewechselt für den routinierten Grätscher Karlheinz Geils, in einer Mannschaft mit Legenden wie Dieter Burdenski, Jürgen Röber, Benno Möhlmann oder Uwe Reinders. Werder stieg damals aus der Bundesliga ab. Aber welche Erfolge hat Schaaf später noch gefeiert als Spieler: Deutscher Meister 1988 und 93, DFB-Pokalsieger 1991 und 94, Europapokalsieger 1992. Verantwortlich für die Titelsammlung: Otto Rehhagel.

Seit 1999 im Geschäft

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Seit 1988 betätigte sich Schaaf bereits als Jugendtrainer. Nach Beendigung der Spielerkarriere übernahm er 1995 die Amateurmannschaft. Was aus dieser Position heraus entstehen kann, das wird Schaaf am Samstag dem von einer Stimmbandentzündung gepeinigten Martin Schmidt womöglich kurz erzählen, wenn sich die Zeit dafür ergibt.

Parallelen. Ebenso wie Schmidt coachte der Bremer die Werder-Amateure fünf Jahre lang. Bis 1999. Werder im Bundesliga-Abstiegskampf. Die Nachfolger des 14-Jahre-Trainers Otto Rehhagel waren alle gescheitert: Aad de Mos, Hans-Jürgen Dörner, dann 94/95 Wolfgang Sidka und Felix Magath. Letzterer verlor mit 1:2 in Frankfurt, dann war Schluss.

10. Mai 1999. Schaaf, 34 Jahre alt, mit seinem Amateurteam auf Rang sieben in der erstmals drittklassigen Regionalliga, wurde zum Cheftrainer befördert. Nach Gegnern wie Concordia Hamburg, TuS Hoisdorf, VfL Herzlake, Lüneburger SK, FC Bremerhaven, Kickers Emden oder TuS Celle ging es nun gegen: den FC Schalke 04 - trainiert vom damals schon ausgebufften Huub Stevens, dem knurrigen Defensivkünstler aus Kerkrade.

14 Jahre nach triumphalem Start

Debütant Schaaf gewann das Heimspiel nach einem leidenschaftlichen Kampfspiel durch ein Tor von Christoph Dabrowski mit 1:0. Jubel, Trubel, Heiterkeit. Schaaf rettete Werder mit zwei weiteren Siegen (nebst einer Niederlage) vor dem Abstieg, ein paar Tage später gewann er auch noch mit einem Finalsieg gegen den FC Bayern München den DFB-Pokal (nach Elfmeterschießen, Lothar Matthäus scheiterte an Frank Rost). Ein triumphaler Karrierestart.

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Dem weitere 14 Jahre als Werder-Coach folgten. Schaafs Erfolgsliste: Deutscher Meister 2004, Vize-Meister 2006 und 2008, DFB-Pokalsieger 1999, 2004 und 2009 plus Finalteilname 2005 und 2006, Uefa-Pokalfinale 2009, Achtelfinale in der Champions League 2005 und 2006. Respekt.

Trainer von einem anderen Planeten

Lustig. Gerade geht Werder Bremen mit dem ehemaligen U23-Coach Viktor Skripnik noch mal einen ähnlichen Weg. Und nun versuchen das auch die 05er. Am vergangenen Freitag hat Schmidt mit seiner U23 noch 0:0 gespielt gegen Borussia Dortmund II. Nun geht es am Samstag im Bundesligaderby gegen die Eintracht mit dem Altmeister und Rekordmann Thomas Schaaf - kein anderer hat mehr Bundesligaspiele auf oder als Verantwortlicher neben dem Platz erlebt als der in Mannheim geborene 53-Jährige. Da kommt Martin Schmidt, 47, von einem anderen Planeten. Aber jeder Trainer hat irgendwann mal angefangen.

Der Bremer Nachwuchstrainer Skripnik hat sein erstes Bundesligaspiel gewonnen - in Mainz. Der Berliner Nachwuchstrainer Pal Dardai hat sein erstes Bundesligaspiel gewonnen - in Mainz. Vielleicht gewinnt nun auch der bisherige Nachwuchstrainer Martin Schmidt sein erstes Bundesligaspiel - in Mainz.

An das erste Aufeinandertreffen mit Thomas Schaaf haben die Mainzer noch beste Erinnerungen. Erstaufstiegssaison 2004/05, der 8. Spieltag: Die 05er unter Jürgen Klopp drehten einen 0:1-Rückstand gegen Werder in der Schlussphase noch zu einem 2:1-Erfolg, das war der dritte Sieg in der Mainzer Bundesligageschichte. Zwei Wochen später kam Hansa Rostock an den Bruchweg. In Rostock tritt am Samstag um 14 Uhr die Drittligamannschaft der 05er an. Mit dem Profitrainerdebütanten Sandro Schwarz. Spannende Zeiten.