Rehberg: Der neue 05-Hauptsponsor und das boomende Geschäft...

Vorstellung des neuen Hauptsponsors. Foto: Harald Kaster

Die profine GmbH ist der neue Hauptsponsor des FSV Mainz 05: Gut vier Millionen Euro plus an Erfolg gebundene Bonuszahlungen pro Saison lässt das Unternehmen springen für ihre...

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. Nun also eine Fenster-Firma. Der Schriftzug "Kömmerling Premium-Fenster" ziert künftig das 05-Trikot. Außer Häusle-Bauern werden noch nicht viele Leute in der Region Mainz von dieser Marke der auch nicht bekannteren "profine GmbH" gehört haben. Unter den heimischen Journalisten war das so bei der gestrigen Präsentation des neuen 05-Hauptsponsors in der Coface Arena. Das zeigt, welches Ziel die Firma mit diesem Engagement bei einem etablierten Fußball-Bundesligisten verfolgt: Bekanntheitsgrad erhöhen. Wahrscheinlich kennen wir den Marktkonkurrenten "Schüco" auch nur von dessen langjährigem Engagement bei Arminia Bielefeld. Das funktioniert also.

Auf dem Weg zum Medienraum in der Coface Arena flüsterte ein Kollege schon etwas von "Kümmerling". Na ja, hätte ja auch sein können. Beim Kräuterlikörproduzenten in Bodenheim gehen immer noch tagtäglich eine Million der 0,02-Fläschlein vom Band. Und als 05-Sponsor ist der Magenbitterhändler auch schon aufgetreten, es gab im alten Bruchwegstadion immerhin mal eine "Kümmerling-Tribüne". Doch dann wurde die Firma verkauft, zunächst an einen britischen Spirituosen-Konzern, später an einen französischen, heute ist das eine kleine Marke des amerikanischen Konzerns "Fortune Brands". Da besteht kein Interesse mehr an einem regionalen Werbeauftritt, schon gar nicht in dieser Größenordnung.

Gut vier Millionen Euro plus an Erfolg gebundene Bonuszahlungen pro Saison

Gut vier Millionen Euro plus an Erfolg gebundene Bonuszahlungen pro Saison lässt die "profine GmbH" springen für ihre Fenster-Werbung auf dem 05-Trikot. Das ist ordentlich. Damit haben sich die 05er gegenüber dem "Entega"-Engagment nicht verschlechtert. Und das ist schon ein Erfolg in der aktuellen Wirtschaftslage mit vielen Krisenherden und Unwägbarkeiten.

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Mit 30 bis 40 nationalen und internationalen Unternehmen hatte Dag Heydecker Kontakt in den vergangenen acht Monaten. Dann saß er eines Tages mit Dr. Peter Mrosik zusammen. Im Verlauf dieses Gesprächs einigte sich der 05-Marketingleiter mit dem "profine"-Eigentümer auf eine weitere Partnerschaft im Bereich Banden- und Logenwerbung. "Schön", sagte Heydecker zum Abschluss der erfolgreich verlaufenen Verhandlungen nach bis dahin nur einem Jahr Zusammenarbeit. "Dann brauchen wir ja jetzt nur noch einen guten Hauptsponsor!" Reaktion des sport-affinen Peter Mrosik: "Interessant. Was kostet denn so etwas? Lassen sie uns doch mal darüber reden…" Nach weiteren Informationsgesprächen und intensiven Verhandlungen in den folgenden Wochen stand der Deal.

Das sorgt am Bruchweg für Planungssicherheit

Das Unternehmen aus Troisdorf, das unter anderem auch im nahen Pirmasens produziert, hat nun gleich für drei Jahre unterschrieben, mit der unmissverständlich geäußerten Perspektive, dass es danach auch noch gerne weitergehen könne. Das sorgt am Bruchweg für Planungssicherheit. Heydecker war gelegen an einer vertrauensvollen und nachhaltigen Zusammenarbeit mit dem neuen Hauptsponsor. Das hat funktioniert.

Interessierte Firmen (unter anderem auch aus China), die zunächst mal nur einen 1-Jahres-Kontrakt abschließen wollten, hatte Heydecker eine Absage erteilt. Wobei dem 05-Vermarkter klar ist, dass ein Engagement bei einem Bundesligaklub für viele Unternehmen Neuland ist, vor allem auch verstärkte Aktivitäten mit erhöhten personellen Anstrengungen in der Marketingabteilung der Firma erfordert. Die Geduld im Auswahlverfahren hat sich ausgezahlt.

Zu 90 Prozent ist der FSV Mainz 05 damit ausvermarktet. Von den 37 Arena-Logen sind noch drei an den Mann zu bringen, von den 2.000 Businessseats noch 300 (bei Topspielen sind aber auch die Restsitze in der Regel schnell weg). Der Rest ist verkauft. 20 Millionen Euro schwer ist mittlerweile der 05-Marketingtopf. Inklusive der jüngsten Transferaktivitäten steuert der Klub auf einen Rekord-Jahresumsatz von mehr als 90 Millionen Euro zu. Das Geschäft am Bruchweg boomt.

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Bau der Coface Arena ist ein wirtschaftlicher Erfolg

Damit lässt sich festhalten: Der Bau der Coface Arena ist ein wirtschaftlicher Erfolg. Seit dem Bezug des neuen Stadions in den Feldern von Bretzenheim im Jahr 2011 ist der Klub dabei, seinen Umsatz nahezu zu verdoppeln.

Und Dag Heydecker stellt fest, dass sich der Bekanntheitsgrad der 05er - vor allem auch im Ausland - enorm nach vorn entwickelt hat. Und die Konzentration auf Nachhaltigkeit und gute persönliche Beziehungen zu den Werbepartnern hat dafür gesorgt, dass die vergangenen drei Hauptsponsoren noch immer im 05-Marketingpool zu finden sind: "Amadeus Fire" (drei Jahre auf dem Trikot) kauft nach wie vor Businessseats, die "DBV-Winterthur" (fünf Jahre auf dem Trikot) hat eine Loge, "Entega" (zuletzt sechs Jahre auf dem Trikot) engagiert sich mit einer Million Euro sogar noch auf der Ebene der Co-Hauptsponsoren.

Die Zeiten, in denen der Klub verzweifelt nach Hauptsponsoren fahnden musste, sind vorbei. Zu Beginn der 90er-Jahre ließ sich mal gar kein Trikotpartner mehr finden. Der Klub wählte eine abenteuerliche Variante: Auf dem Spielerhemd prangte das Kürzel xxS - dahinter stand eine kleine Gruppe von Geschäftsleuten, die ein amerikanisches Diätmittel auf dem deutschen Markt platzieren wollten. Dazu ist es nie gekommen, die "Wunderpille" erhielt keine Zulassung. Die vereinbarte Werbekohle floss entsprechend dünn (bis gar nicht). Nach einem halben Jahr hatten die 05er Riesenglück: Eine neue (heute nicht mehr existente) Mainzer Tages-Zeitung sprang ein, gleich für vier Jahre. Und danach setzte für fünf Jahre ein Mainzer Traditions-Unternehmen seinen Schuhputz-Frosch aufs Trikot.