Rehberg: Boateng, Müller, Hummels - Löw hätte sich das...

Die drei ausgebooteten aus der Nationalmannschaft: Jerome Boateng, Thomas Müller und Mats Hummels. Foto: dpa

Mit der Ausbootung von Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller aus der Nationalmannschaft hat sich Joachim Löw keinen Gefallen getan. Jetzt muss er die...

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. Da haben Joachim Löw und Oliver Bierhoff eine geheime Kommandosache geplant. Überfall auf die Säbener Straße in München am Fastnachtsdienstag. Und am Aschermittwoch war alles vorbei. Für Jerome Boateng, Mats Hummels und Thomas Müller. Nie mehr Nationalmannschaft. So lautet die Entscheidung.

Ich will hier keine Stilfragen diskutieren. Eine Woche vor dem großen Rückspiel der Bayern in der Champions League gegen den FC Liverpool könnte man auch den Zeitpunkt bemängeln, den die Kommandoführer gewählt haben. Doch auch das ist nicht überragend wichtig.

Was Löw und Bierhoff auf die Füße fallen wird, das ist die Entscheidung an sich. Der Bundestrainer will mit großer Überzeugung die Nationalelf für die Zukunft aufbauen. Der DFB-Direktor will dieses Vorhaben auf seine Art maximal unterstützen: Seine Sprechblasen und auch die von DFB-Chef Reinhold Grindel lagen längst abrufbereit auf dem Bürotisch in Frankfurt. Der Bundestrainer will in seiner neuen Mannschaft eine neue Hierarchie sich entwickeln lassen, die jüngeren Spieler sollen ohne die drei genannten Weltmeister mehr Freiraum finden für eine neue unabhängige Gruppendynamik. Alles nachvollziehbar. Als Denkmodell.

Aber, und das ist der Pferdefuß bei dieser Entscheidung: Löw hat das Leistungsprinzip abgeschafft. Boateng, Hummels und Müller hatten in den vergangenen Monaten sportlich nicht ihre beste Phase. Das stimmt. Aber in einem Alter von 29 und 30 Jahren muss das nicht der Endpunkt sein. Warum hat Löw jetzt nicht gesagt: Im Moment überzeugt mich eure Leistung nicht, im Moment setzte ich deshalb auf andere Spieler – aber die Tür bleibt offen bis zum nächsten Turnier!? Auch jüngere Spieler würden akzeptieren, dass Boateng, Hummels und Müller in Höchstform nach wie vor eine deutsche Nationalelf stabilisieren und erfolgreich machen können.

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Und was macht Löw, wenn kurz vor der EM 2020 neue Leistungsträger in der Abwehr und/oder im Angriff verletzt oder außer Form sind? Dann wird es Internet-Umfragen geben: Was halten Sie von einem Comeback von Boateng, Hummels oder Müller? Und die Zeitung mit den großen Überschriften wird fordern: Jogi, hol´ die drei Weltmeister zurück!

Verspätete Reaktion

Was hat Löw nun gemacht? Vor und während der WM 2018 hatte der Bundestrainer nicht den Mut und nicht die Kraft, mit Feingefühl oder mit dem Hammer die festgefahrene Gruppenhierarchie zu verändern. Vielleicht hatte er auch gar nicht erkannt, dass da etwas nicht stimmt. Jetzt reagiert er verspätet. Mit der Ausbootung bisheriger Führungsfiguren. Und ein Schmaldenker wie Olaf Thon verlangt: Auch Toni Kroos muss weg, und das zeitnah.

Künftig kann Löw nur noch bedingt nach Leistung aufstellen. Er muss die Nachfolgegeneration durchboxen. Bis auf Niklas Süle steht ihm kein Innenverteidiger auf Weltklasseniveau zur Verfügung. Mittelstürmer? Da wird es vorerst nur Notlösungen geben. Taktische Variabilität? Die ist eingeschränkt. Eine Dreier-Abwehrreihe mit Süle, Jonathan Tah und Antonio Rüdiger ist vorstellbar. Aber: Kann da ein 30 Jahre alter Hummels, der beim 0:0 der Bayern in Liverpool im Abwehrzentrum eine überragende Vorstellung abgegeben hat, nicht mehr mithalten?

Wir dürfen davon ausgehen: Das Thema ist noch nicht durch, die Diskussionen werden früher oder später aufflammen. Löw hätte sich das ersparen können. Er hätte sagen können: Ich nominiere künftig nur noch nach dem Leistungsprinzip. Das hätte jeder verstanden. Und das hätte jeder akzeptiert.