Rehberg: Auf dem Weg zum Schlüsselspieler - wie viel...

Fabian Frei Foto: Sascha Kopp

Die Schlüsselposition im zentralen Mittelfeld wieder hochwertig zu besetzen, das war eine der wichtigsten strategischen Aufgaben für Trainer Martin Schmidt und Manager...

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. Sehr früh hat sich abgezeichnet, dass die Führungsfigur Johannes Geis die 05er verlassen würde in diesem Transfersommer. Diese Schlüsselposition wieder hochwertig zu besetzen im zentralen Mittelfeld, auch das war klar, war mit die wichtigste strategische Aufgabe für Trainer Martin Schmidt und Manager Christian Heidel in den Planungen für die gerade begonnene Saison 2015/16. Die Wahl fiel auf Fabian Frei. Ein hoch dekorierter Spieler, international erfahren, mit 26 Jahren im besten Fußballeralter. Es hat große Spieler gegeben, die in der Bundesliga eine monatelange Anlaufzeit benötigt haben. Mag sein, dass dies auch auf den Schweizer zutrifft, der bislang noch nicht in der Qualität funktioniert, die eine Mainzer Mannschaft benötigt im Zentrum des Spiels gegen den Ball und mit dem Ball.

Vertieft man sich in die Geschichte dieses feinen Technikers, dann lässt sich erahnen, dass das letzte Wort zu diesem Mittelfeldspieler noch nicht gesprochen ist. Dass Frei ein guter Bundesligaspieler wird, werden sollte, werden müsste, das fordert seine bisherige Karriere eigentlich zwingend heraus. Der Anpassungsprozess, das ist das Problem der Mainzer, sollte allerdings nicht zu lange dauern. Neue Spieler dieser Qualität und auf dieser Schlüsselposition müssen passen, ansonsten stimmt die Statik nicht in dieser Mannschaft.

Auch für Shinji Okazaki ist noch kein Nachfolger auszumachen

Wir wollen das nicht alleine an Frei festmachen. Auch für den Torjäger Shinji Okazaki, der in der englischen Premier League mit Leicester City einen prächtigen Saisonstart mit sechs Punkten nach zwei Spielen hingelegt hat, ist der Nachfolger noch nicht auszumachen. Natürlich fehlte der malochende Japaner in der Ingolstadt-Partie auch den Mittelfeldspielern als Anspieloption. Aber Tatsache ist, dass Frei die in der Bundesliga nötige Präsenz und Intensität noch nicht auf den Platz bekommt. Die Erwartung, dass dies in absehbarer Zeit geschieht, erhält Nahrung durch die Vita des Strategen. Ein Rück- und Rundblick, der belegt, dass dieser Profi schon sehr viel erlebt und geleistet hat.

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Fabian Frei, geboren in Frauenfeld im Kanton Thurgau, ist der Sohn des Trainers Ernst Frei; der Vater ist mit der Schweizer U17 2002 Europameister geworden. Der Filius war mit der Schweizer U21-Nationalmannschaft 2011 in Dänemark Vize-Europameister. Diese Generation um Yann Sommer (heute Borussia Mönchengladbach), Timm Klose (VfL Wolsburg), Granit Xhaka (Gladbach), Fabian Lustenberger (Hertha BSC), Xherdan Shaqiri (ehemals Bayern München, jetzt Stoke City) und Admir Mehmedi (Bayer Leverkusen) scheiterte damals erst im Finale. Spanien siegte mit 2:0, die Torschützen waren Ader Herrera (heute Manchester United) und Thiago (Bayern München), zu jenem Siegerteam zählten auch Javi Martinez (FC Bayern) und Alvaro Dominguez (Gladbach). Fabian Frei war Stammspieler in der Schweizer Elf. Und auch schon Stammspieler beim FC Basel.

Mit dem FC Basel hat Frei fünf Mal die Schweizer Meisterschaft gewonnen

Mit diesem Klub hat Frei nicht nur insgesamt fünfmal die Schweizer Meisterschaft gewonnen (2008, 2012, 2013, 2014 und 2015), mit diesem Klub hat der Mittelfeldstratege auch große Europapokalabende zelebriert. Nur ein paar Beispiele.

2011/12. Der FC Basel wurde in jener Champions-League-Saison in der Gruppe C Zweiter hinter Benfica Lissabon – und vor Manchester United unter der Trainerlegende Sir Alex Ferguson. Die Baseler unter Trainer Thorsten Fink erzwangen damals vor 73.000 Zuschauern im „Theatre of Dreams“ nach 0:2-Rückstand noch ein 3:3, Frei schoss das wichtige 1:2-Anschlusstor. Die United schied aus nach einer noch sensationelleren 1:2-Niederlage in Basel. Die jungen Fabian Frei und Granit Xhaka dominierten im Mittelfeld gegen Michael Carrick und den Brasilianer Anderson; links hinten verteidigte für den FC Basel übrigens der heutige 05er Joo Ho Park, in der Innenverteidigung stand David Abraham (heute Eintracht Frankfurt). Im Achtelfinale die nächste Sensation: Durch ein Tor des in der 66. Minute für Frei eingewechselten Valentin Stocker (heute Hertha BSC) schlug der FC Basel im bebenden Sankt-Jacob-Park den FC Bayern mit 1:0. Das Rückspiel in der Allianz-Arena geriet ähnlich denkwürdig, nur umgekehrt: 7:0 für die Bayern (viermal Mario Gomez, zweimal Arjen Robben).

2012/13. Der FC Basel scheiterte in der Champions-League-Qualifikation, doch in der Europaliga schaffte die Mannschaft unter Trainer Murat Yakin den Durchbruch ins Viertelfinale. Dort warfen die Schweizer sensationell die Tottenham Hotspurs aus dem Wettbewerb. Mit einem starken Fabian Frei erkämpfte der FC Basel in Tottenham ein 2:2. Im Rückspiel zogen die Baseler nach einem 2:2 nach 120 Minuten und einem 4:1 im Elfmeterschießen ins Halbfinale ein; Frei verwandelte den Elfer zum 3:1. Endstation war dann erst der spätere Cupsieger, der von Rafael Benitez trainierte FC Chelsea (1:2 und 1:3) – Frei stand auch in diesen beiden Spielen 90 Minuten auf dem Feld.

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2013/14. Der FC Basel wurde in der Champions-League in der Gruppe A Dritter, hinter dem FC Chelsea und knapp hinter dem FC Schalke 04. Auch das ging nicht ohne fette Überraschungen ab: Der FC Chelsea überfuhr die Schalker zweimal mit 3:0 – doch gegen den FC Basel setzte es vor 40.000 Zuschauern an der Stamford Bridge ein 1:2 und im Sankt-Jacob-Park ein 0:1 – und Fabian Frei stand in beiden Spielen 90 Minuten auf dem Feld. Die Baseler schieden aus, weil sie gegen die Schalker beide Spiele verloren, 1:2 auswärts, 0:1 zu Hause (Tor: Adam Szalai, 87.). In der Europaliga bezwang der Schweizer Meister im Achtelfinale RB Salzburg (0:0 und 2:1 auswärts). Im Viertelfinale kam das Aus: 3:0 zu Hause gegen den FC Valencia, 0:5 n. V. in Spanien.

In den legendären Arenen Europas gestählt

2014/15. Der FC Basel wurde in der Champions-League in der Gruppe B Zweiter hinter Real Madrid – und vor dem FC Liverpool. Die Basis für diesen erneuten Riesenerfolg: Ein 1:0-Heimsieg gegen den FC Liverpool und ein 1:1 an der Anfield Road. Im Achtelfinale scheiterte der Schweizer Meister am FC Porto (1:1 und 0:4).

Man kann sich nicht vorstellen, dass dieser in den legendären Arenen in Europa gestählte Fabian Frei in Mainz nicht funktionieren sollte. Die Umstellung von der erdrückenden Überlegenheit mit dem FC Basel in der Schweizer Liga auf einen deutschen Mittelklasse-Erstligisten mag ein Problem sein, aber der Mittelfeldspieler hat ja auch Erfolge gefeiert als krasser Außenseiter in Manchester, in London (Chelsea und Tottenham), in Liverpool, Stadien, in denen Tempo gebolzt wird und in denen es ohne giftige Zweikämpfe nichts zu holen gibt.

Man sollte in Mainz Geduld haben mit dem siebenmaligen Schweizer Nationalspieler. Na ja, das ist leicht gesagt. Die 05er brauchen Punkte, vor allem auch schon in der Startphase dieser Saison. Am Sonntag geht es nach Mönchengladbach. Da steht der langjährige Basel-Keeper Yann Sommer im Kasten, und im Mittelfeld duelliert sich Fabian Frei mit seinem langjährigen Weggefährten Granit Xhaka. Da sollte dem neuen 05-Profi das Adrenalin in die Adern schießen.