Rehberg: Arbeit eines neuen Trainers lässt sich nach zwei...

Schalke-Trainer Domenico Tedesco. Foto: dpa

Schalke hat nach fulminantem Saisonstart am zweiten Spieltag direkt gegen Aufsteiger Hannover verloren. Hat sich S04-Trainer Domenico Tedesco dadurch als nicht...

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. Selbst die ausgesprochen seriösen Zeitungen verfallen zuweilen in eine scharfe Polarisierungsrhetorik. „Tedesco schon entzaubert“, lautete die Überschrift in der „Süddeutschen Zeitung“ über dem Artikel zum 0:1 des FC Schalke 04 bei Hannover 96. Das klingt schon sehr grundsätzlich. Nun mag André Breitenreiter mit seinem Matchplan besser gelegen haben als der junge Schalker Kollege. Dann ließe sich folgern, dass der kämpferische Aufsteiger die wesentlich teurere und spielerisch hochwertigere Mannschaft aus dem Kohlenpott in diesen 90 Minuten entzaubert hat. Aber heißt das direkt, dass Domenico Tedesco schon im zweiten Spiel seiner Bundesligakarriere als entzauberter Newcomer eingestuft werden darf? Und lässt sich diese Niederlage des Favoriten ausschließlich auf den Trainer zurückführen? Natürlich nicht.

Die Arbeit eines neuen Trainers lässt sich nach dem zweiten Spieltag noch gar nicht beurteilen. Zum Start haben die Schalker den hoch gehandelten neuen Champions-League-Klub RB Leipzig niedergerungen. Der Erfolg basierte auf einer glänzenden Leistung in der Verteidigung, auf einem günstigen Spielverlauf mit einer Führung in Folge eines Strafstoßes (den nicht jeder Schiedsrichter gepfiffen hätte) und auf einem späteren Kontertor. Der leichte Favorit aus Leipzig spielte sich gegen die vielbeinige und engmaschige S04-Defensive einen Wolf. Tedesco wurde gefeiert für seinen klugen taktischen Ansatz.

In Hannover lief das genau umgekehrt. Der Aufsteiger rannte, bis die Socken qualmten, der Aufsteiger presste über das gesamte Gelände, dass der gegnerische Ballführende permanent unter Druck geriet, der Aufsteiger wählte nach vorne mal die ruhige Spieleröffnung und mal den überfallartigen Konterzug. Die Schalker? Die spielten sich gegen Breitenreiters „verrückte“ Kampfeinheit einen Wolf. Torchancen für die Gäste? Erst in den letzten zehn Spielminuten. Die überstanden die Hannoveraner mit Barrikaden im eigenen Strafraum, mit Glück und Geschick.

Entwicklungen brauchen Zeit und Geduld

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Was lernen wir daraus? Manager Christian Heidel hat versucht, seinen Kader nach der problematischen Vorsaison zu verstärken, aber es stellt sich heraus, dass auch S04 (noch) nicht die Klasse hat, auswärts eine sich leidenschaftlich und gut organisiert wehrende Mittelstands-Mannschaft aus den Schuhen zu kombinieren. Die Erfahrung lehrt: Wer das Spiel machen muss auf verdichteten Räumen, der benötigt im Angriff eine herausragende individuelle Qualität. Auch der große FC Bayern hat sich gegen das Bremer Defensivbollwerk nicht eine Chance nach der anderen herausgespielt. Dann schlug der Weltklasse-Torjäger Robert Lewandowski zweimal zu.

Einen zentralen Millionenstürmer dieser Klasse können (oder wollen) sich selbst die wirtschaftlich überdurchschnittlich gut aufgestellten Schalker nicht zulegen. Einen im Passspiel kreativen und torgefährlichen Zehner haben die Königsblauen bis heute auch nicht gefunden. Und an den Flügeln? Da ist der schnelle Yevhen Konoplyanka eher ein Konterstürmer - und der erst 20 Jahre alte flinke Dribbelkünstler Amine Harit aus Frankreich ist (noch) ein hoch veranlagter Entwicklungsspieler. Die Mittelstürmer: Das lange verletzte Talent Breel Embolo hat noch keinen Wettkampfrhythmus, der groß gewachsene Franco di Santo ist kein klassischer Toremacher, Guido Burgstaller, ein Draufgänger und Strafraum-Schlitzohr, hat technische Defizite. Internationale Klasse ist da nicht auszumachen.

Da muss sich der Trainer etwas zusammenbasteln. Das braucht zuweilen Zeit und Geduld. Defensiv gut stehen, viel laufen und offensiv umschalten, das gelingt vielen Bundesligisten. Auswärts ein Dominanzspiel aufziehen, gegnerische Konter abklemmen und vorne hoch effektiv zuschlagen, das können nur die Bayern, vielleicht noch die Dortmunder und an guten Tagen die Leipziger. Das sind Mannschaften mit einer in Einzelfällen sündhaft teuren, in Tempo- und Abschlussqualität entsprechend hochklassigen Sturmbesetzung.