Rehberg: 90 Minuten bemühte Kickerei beim letzten Spiel der...

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Wahrscheinlich wäre es aber für diese "Letzter-Spieltag-Pflichtübung" spannender gewesen, eine Bierduschen-Pendelstaffel auszurichten auf dem Rasen, wahlweise eine...

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. Feueralarm haben die 05er nicht angemeldet in der Allianz-Arena. Aber die Mainzer haben deshalb nicht gleich Spalier gestanden bei der Abschlusskundgebung des FC Bayern, der mit diesem 2:0 rüberbringen wollte: Wir können auch am letzten Schultag noch gewinnen, wir lassen uns diesen 25. Meistertitel nicht schlecht reden - und wir lassen uns auch die Tellerübergabefeier nicht verderben. Alles gut, alles in Ordnung.

Wahrscheinlich wäre es aber für diese "Letzter-Spieltag-Pflichtübung" spannender gewesen, eine Bierduschen-Pendelstaffel auszurichten auf dem Rasen, wahlweise eine Bierduschenjagd nach Völkerballregeln. Da wäre die Gaudi wahrscheinlich größer gewesen als bei diesen 90 Minuten bemühter Kickerei, die spätestens ab dem 2:0 durch Bastian Schweinsteiger Anflüge eines Freundschaftsspiels verströmte. Deshalb wollen wir auf taktische Analysen verzichten. Das muss nicht mehr sein. Dafür ging es um zu wenig.

05er haben die Angriffe des FC Bayern rechtschaffen verteidigt

Halten wir nur ein paar kleine Beobachtungen fest. Wäre bei Niko Bungerts Abwehraktion gegen Schweinsteigers Kopfball nicht mehr oder weniger unglücklich der Arm dazwischen gekommen, dann hätte die erste Halbzeit auch mit einem 0:0 enden können. Die 05er haben mit ihrem flachen 4-4-2 und guten Überzahlmomenten in der Defensive die Angriffe des FC Bayern rechtschaffen verteidigt. Pablo de Blasis und Yunus Malli, die beiden Angreifer, die in erster Linie Anläufer waren, wirkten dabei etwas verloren. Und der Ansatz, die Bayern mit den flotten Daniel Brosinski und Jairo im Mittelfeld mit schnellen Spielverlagerungen über die Flügel zu beschäftigen, funktionierte eher überhaupt nicht. Weil die 05er im Zentrum das konstruktive Passspiel vernachlässigten.

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Jairo als Sprint-Mittelstürmer, das hat eher keine Zukunft. Schwamm drüber.

Nach der Pause hätten sich die Mainzer für einige gute Konterzüge mit mindestens einem Treffer belohnen können, doch Julian Baumgartlinger (51.), Malli frei vor Keeper Manuel Neuer (54.) und de Blasis (74.) scheiterten in günstigen Situationen. Auf der anderen Seite hätte der eingewechselte Altstar Claudio Pizarro seine - eh schon beeindruckende - persönliche Mainz-05-Torstatistik noch ganz nett ausbauen können. Ansonsten wollen wir nur noch notieren: Jairo als Sprint-Mittelstürmer, das hat eher keine Zukunft. Schwamm drüber.

Am Ende steht Rang 11 in der Tabelle. Mit dieser Platzierung haben die Mainzer 2004/05 auch ihr Bundesliga-Abenteuer begonnen. 40 Punkte sind eine Marke, die nahezu alle Mannschaften, die nicht mit Titeln und/oder internationalen Themen rechnen, als Minimalziel ausgeben. Geschafft. Und das war harte Arbeit vor dem Hintergrund, dass erneut drei Leistungsträger zu ersetzen waren, dass der eigenwillige Nachfolger von Thomas Tuchel nicht funktioniert hat, dass der Langzeitausfall des Premium-Leihstürmers Jonas Hofmann das Abschlusspotenzial erheblich gemindert hat.

Martin Schmidt hat den beurlaubten Kasper Hjulmand hervorragend ersetzt. Der Schweizer hat den Pressing- und Umschaltfußball wiederbelebt, er hat die Abstiegsgefahr gebannt, er hat das Team noch auf den siebenten Platz (22 Punkte) in der Rückrundentabelle geführt. Die Richtung stimmt wieder.

Der Wettbewerb wird härter

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Schauen wir in die Zukunft. Der Wettbewerb wird härter. Arbeitsthese: Mainz 05 wird immer davon leben, in Einzelfällen günstig einzukaufen und teuer zu verkaufen, aber in diesem Geschäftsmodell steckt auch eine Gefahr. Die lautet: Jahr für Jahr mehrere Leistungsträger zu verlieren, das kann bedeuten, dass es für den Klub irgendwann einmal ganz eng wird in der unteren Tabellenhälfte, und zwar dann, wenn die Neuzugänge mal überhaupt nicht stechen.

Immerhin ist es Manager Christian Heidel jetzt schon mal gelungen, mit Julian Baumgartlinger und Yunus Malli zwei wichtige Spieler zu halten. Die nicht unerheblichen Gehaltssteigerungen sollten verschmerzbar sein. Denn Transferentschädigungen wären nicht aufs Vereinskonto geflossen für die beiden Startelfspieler - die notwendigen Verstärkungen auf einem ähnlichen Niveau für diese beiden zentralen Mittelfeldpositionen hätten aber sicher die ein oder andere Million an Ablöse gekostet (und sicher nicht weniger Gehalt). Da mag eine Vertragsverlängerung zu erheblich angehobenen Bezügen sogar noch die günstigere Lösung sein.

Wir konstatieren: Das Gehaltsniveau steigt am Bruchweg - aber die Marketingeinnahmen lassen sich nicht mehr nennenswert steigern, die Werbeflächen sind in jeder Saison mehr oder weniger ausgebucht. Will der Klub also künftig das Gesicht einer eingespielten Mannschaft wahren - und soll damit einhergehend die Abhängigkeit von lukrativen Verkäufen sinken -, dann besteht die Aufgabe darin, neue Geldquellen zu erschließen. Da bliebe nur das Investorenmodell. Und da ist Kreativität gefragt, so lange dieser eingetragene Verein keine Wirtschaftsgesellschaft ist, die Anteile verkaufen könnte. Aktuell ist der Klub sogar noch auf der Suche nach einem sich finanziell angemessen engagierenden Trikotwerbepartner.

Überall in der Bundesliga werden diese Überlegungen angestellt. Der FC Augsburg etwa, wirtschaftlich (noch) leicht hinter den 05ern anzusiedeln, hat in dieser Spielzeit den Einzug in die Europaliga geschafft. Das soll keine Eintagsfliege bleiben. Präsident Klaus Hofmann, beteiligt an einem weltweit florierenden Aufzugs-Unternehmen, stellt gerade eine Investorengruppe zusammen, die das Eigenkapital des Fußballunternehmens markant erhöhen soll. Der FC Ingolstadt ist in die Bundesliga aufgestiegen. Da kommt wahrscheinlich kein SC Paderborn daher, der mit einem Mini-Budget tapfer kämpft und sich brav wieder verabschiedet. Sondern ein Klub, der mit Audi einen Partner im Rücken weiß, der potenziell die Möglichkeit hat, immer mal die ein oder andere Million nachzuschieben. Mit dem SC Freiburg verlässt die Eliteliga ein Klub, der von jeher ähnliche Möglichkeiten hatte wie die 05er.

Und wenn etablierte Klubs wie der VfB Stuttgart, der Hamburger SV (wenn er es denn schafft über die Relegation) oder auch Hertha BSC und Hannover 96 nicht jedes Jahr gewaltige Fehler machen, dann spitzt sich die Konkurrenzsituation in der unteren Tabellenhälfte gewaltig zu. Darauf werden die 05er schon in den kommenden zwei, drei Jahren Antworten finden müssen. Einfach ist das nicht.