Rehberg: 50+1 schützt vor Machtübernahme der Milliardäre

Symbolfoto: dpa

Der 1. FC Kaiserslautern im finanziellen Dilemma. Helfen soll ein millionenschwerer Russe. Der Fall zeigt, wie wichtig die 50+1-Regel für den deutschen Fußball ist.

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. Was gerade beim 1. FC Kaiserslautern abläuft, das weist über den Tag hinaus. Ein Traditionsklub im deutschen Profifußball hat über viele Jahre viel mehr Geld ausgegeben als eingenommen. Die sportlichen Erfolge blieben aus. Die sportlichen Fehlplanungen und die Misswirtschaft nebst heftigen Streitereien auf der Führungsetage haben dazu geführt, dass der ruhmreiche Betzenbergklub heute in der Dritten Liga nicht mehr handlungsfähig ist.

Sport-Geschäftsführer Martin Bader hat verkündet: Für eine zweite Drittliga-Saison fehlen dem Klub, der vor 21 Jahren noch Deutscher Meister war, 12 Millionen Euro. Und das ist nur die halbe Wahrheit. In einer Gesamtschau müsste man hinzufügen: Auf dem FCK, der Stadt Kaiserslautern und dem Land Rheinland-Pfalz lastet zudem mit dem völlig überschuldeten Betzenberg-Stadion ein Millionengrab, das seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Steuergeldern subventioniert werden muss. Die Überschuldung der Immobilie beläuft sich inzwischen auf mehr als 100 Millionen Euro; gezahlt werden von jeher nur Bankzinsen, eine Tilgung findet nicht statt. Lösungsansatz? Existiert nicht.

1860 als warnendes Beispiel

Nun steckt das Fußballunternehmen FCK GmbH & Co KGaA in dem Dilemma, auf einen Geldgeber/Investor angewiesen zu sein. Der Drittliga-Konkurrent 1860 München ist das Parade-Beispiel dafür, wie dramatisch ein solches Projekt schiefgehen kann. Wenn man mit juristischen Tricksereien die 50+1-Regel umdribbelt, um den Einstieg eines allmächtigen Geldgebers aus dem Fernen Osten zu ermöglichen. Seitdem sind die „Löwen“ ein Chaos-Klub.

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Wie das Rennen beim früheren Bundesligisten KFC Uerdingen ausgeht, das lässt sich heute noch nicht absehen. Dort hat der millionenschwere Michail Ponomarew die Macht übernommen. Der russische Unternehmer hält 97,5 Prozent der Anteile an der Fußball-GmbH. Damit die 50+1-Regel nicht verletzt wird, hält der e.V. (2,5 Prozent der GmbH-Anteile) im Entscheidergremium die Stimmenmehrheit. Der Präsident des e.V.: Michail Ponomarew. An dem Tag, an dem dieser Mann keine Lust mehr hat auf das Projekt, ist der KFC Uerdingen nicht mehr überlebensfähig.

Der Russe hat diverse ehemalige Erst- und Zweitligaprofis gekauft (Weltmeister Kevin Großkreutz, Stefan Aigner, Maxi Beister, Samed Yesil, Osaymen Osawe, Dominic Maroh, Christopher Schorch, Alex Bittroff). Der in Mainz geborene Trainer Stefan Krämer segelt mit dieser exklusiven Auswahl in der Dritten Liga auf Aufstiegskurs. Nachhaltigkeit? Keine Ahnung. Abhängigkeit? 100 Prozent.

Engagement als „Geschäft“

Und nun soll dieser Ponomarew, der seine Engagements im Eishockey (aktuell Krefeld Pinguine) als „Herzensangelegenheit“ bezeichnet, sein Engagement im Fußball als „Geschäft“, auch Interesse am FCK haben. Angeblich will er den „Roten Teufeln“ mit 30 Millionen unter die Arme greifen. Was der Russe dafür haben will? Wissen wir nicht. Einen Einstieg als Investor mit Stimmrecht bei einem zweiten Profiklub dürfte die DFL nach ihren Statuten dem Russen gar nicht erlauben. Aber auch in diesem Fall könnten kreative Juristen eine Abzweigung finden.

Wir erkennen, was die Abschaffung der 50+1-Regel, die sicherstellen soll, dass ein Klub in seinem Fußball-Unternehmen immer eine Stimme mehr hat als ein Großinvestor, für den deutschen Lieblingssport bedeuten würde. Das nationale und internationale Großkapital wird binnen weniger Jahre die Macht übernehmen im Profigeschäft. Vereine, denen es wirtschaftlich überhaupt nicht gut geht, werden sich bedingungslos in die Abhängigkeit von Milliardären, Fonds-Gesellschaften oder Konzernen begeben. Der FCK steht wahrscheinlich kurz davor. 50+1? Das ist schon heute nur noch bedingt eine funktionierende „Firewall“.