Rehberg: 05er müssen Räume nutzen, die Bayer bietet

05-Offensivspieler Jairo Samperio gegen Bremens Theodor Gebre Selassie (links). Foto: dpa

Die Unruhe in der Vorstandsetage ebbt nicht ab bei Mainz 05. Umso wichtiger, dass die Bundesliga-Mannschaft nicht in eine sportliche Krise wankt. Dabei würde helfen, bei Bayer...

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. Der Newsletter zur Narrenzeit. Die seit Monaten tobende Führungskrise am Bruchweg hat in dieser Fastnachtswoche einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Sponsoren werden unruhig. Doch der Präsident tanzt „seinem“ Vorstand unbeirrt auf der Nase herum. Der entscheidungsschwache Männerbund findet die Stopptaste nicht. Das öffentliche Ansehen des Klubs ist längst in Mitleidenschaft gezogen.

Tragende Säule fehlt

Was der Verein jetzt als Zugabe gar nicht gebrauchen kann, das ist eine sportliche Krise. Sollte diese Mainzer Saison noch in einen harten Abstiegskampf einmünden, dann würde den 05ern das fehlen, was in den zurückliegenden drei Jahrzehnten in kritischen Situationen immer die tragende Säule war: Ruhe, Stabilität, Geschlossenheit auf der Führungsebene.

Der bis heute letzte Bundesliga-Auswärtspunkt der 05er datiert auf den 2. Oktober 2016. Das war ein 0:0 in Wolfsburg. Danach: 0:3 auf Schalke, 1:3 in Leipzig, 1:2 in Berlin, 0:1 in Mönchengladbach, 0:3 in Frankfurt, 0:4 in Hoffenheim. Sechs Spiele in fremden Stadien - zwei Tore geschossen und 16 Gegentreffer kassiert. Am Fastnachtssamstag tritt die Mannschaft von Martin Schmidt in Leverkusen an. Zwei Tage später sollen sich ein paar Spieler auf dem Rosenmontagszug zeigen. Auf einem Gefährt, das direkt vor dem Motivwagen einsortiert ist, der den - immer selbstherrlicher auftretenden - Präsidenten mit närrischem Spott überzieht. Das macht wenig Spaß. Noch weniger, wenn der Vorsprung vor dem Abstiegssumpf am vierfarbbunten Wochenende weiter geschmolzen sein sollte.

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Wie ausgehungerte Geier

Was die 05er in Leverkusen brauchen? Leistung und Leidenschaft. Zum Sieg mogeln kann man sich in der BayArena selten. Das Heimteam stürzt sich wie ausgehungerte Geier auf den Gegner. Das Erfolgsrezept von Roger Schmidt: Wildes Pressing und Gegenpressing, Balleroberungen schon in der gegnerischen Hälfte, direkte, geradlinige Umschaltangriffe mit kurzen Ballkontaktzeiten und im Vollsprint. Dem kann man sich entziehen. Denn rund um die Mittelfeldzonen, in denen zwei, drei, vier Bayer-Profis in Kleingruppen die Kugel jagen, bleiben Räume unterbesetzt. Und da die Bayer-Abwehrreihe extrem nach vorn verschoben attackiert, tut sich auch in deren Rücken bespielbares Gelände auf. Wenn man strukturiert und präzise dort hingelangt mit dem Ballvortrag.

Dafür müssen die 05er die gegnerischen Pressingwellen überwinden. Aus dem Kombinationsspiel heraus ist das schwierig. Das ist auch nicht die Mainzer Kernkompetenz. Die beste Gelegenheit, diesen Anlaufattacken aus dem Weg zu gehen, bietet sich nach abgefangenen Leverkusener Umschaltaktionen. Wenn Bayer in diesen Momenten viele Leute in höchstem Tempo in der Vorwärtsbewegung hat, insbesondere auch über die extrem offensiv ausgerichteten Außenverteidiger, genau dann lässt sich nach der Rückeroberung der Kugel im direkten Gegenzug in die geöffneten Räume hinein der scharfe Gegenzug platzieren.

Drei, vier Kontermöglichkeiten pro Halbzeit

Grundvoraussetzung dafür ist, dass die 05-Profis unter dem zu erwartenden Dauerdruck nicht ihre Erwartungshaltung verlieren. Denn die drei, vier Kontermöglichkeiten pro Halbzeit, die das Bayer-Team nahezu immer zulässt, benötigen Zielstrebigkeit. Und dafür braucht es physische Präsenz und Überzeugung. Bojan Krkic ist für diesen Ansatz wahrscheinlich nicht der geeignete Mann neben und hinter Jhon Cordoba. Eher der flinke und torgefährliche Yoshinori Muto. Und auch der antrittsschnelle (und von der Auswärtsmisere unbelastete) Winterzugang Robin Quaison, ein Kraftpaket, steht auf dem Sprung.