Ostermenü auf Rädern: Mainspitz-Gastronomen werden kreativ

aus Coronavirus-Pandemie

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Das Ostermenü zum Mitnehmen des Bischofsheimer Restaurants Meyers wird gut gebucht. Foto: hbz/Jörg Henkel

Wegen des verlängerten Corona-Lockdowns machen Restaurant-, Café- und Biergartenbetreiber alternatives Angebot an den Feiertagen. Warum Perspektiven trotzdem dringend nötig sind.

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MAINSPITZE. Gemischte Gefühle haben die Restaurant-, Café- und Biergartenbetreiber an der Mainspitze beim verlängerten Corona-Lockdown und der damit ausbleibenden erhofften Öffnung der Außengastronomie. Gerade im Café Rheingenuss am Ginsheimer Altrheinufer wäre die Öffnung im Außenbereich für Ostern genau richtig gewesen: An vier "Kampftagen" wäre das Café normalerweise am kompletten Osterwochenende von morgens bis abends geöffnet und gut besucht gewesen. "Dieses Jahr wird es leider entspannt", sagt Cornelia Görtz, die den Betrieb mit ihrem Mann führt. Denn durch die verlängerten Corona-Maßnahmen bleibt auch das Café für den Verzehr vor Ort weiterhin geschlossen.

Dieser Umstand habe aber auch Vorteile, denn er macht Platz für die große Biskuiteierproduktion von Konditormeister Oliver Görtz. Personalisiert mit Namen oder einer Botschaft konnten diese Spezialitäten bestellt werden. "Dies ist nur möglich, weil wir die ganze Fläche im Café nutzen können", sagt seine Frau.

Der Besuch des Cafés wäre mit knapp 20 Plätzen im Außenbereich gut möglich gewesen. Auch wenn rund um die Idee der Vorlage eines negativen Corona-Schnelltests noch viele Fragen offen seien, wäre das ein guter Schritt gewesen. "Jeder Schritt, der ein bisschen mehr erlaubt, ist ein guter Schritt und macht Hoffnung", sagt Cornelia Görtz. Ein positiver Unterschied zum vergangenen Osterfest: In diesem Jahr ist es möglich, Eis zu verkaufen - daher hoffe man im Café Rheingenuss auf schönes Wetter an den Feiertagen.

Noch nie an Ostern geöffnet hatte das Bischofsheimer Restaurant MeyersSeit der Eröffnung im Juli 2019 waren die Öffnungstage durch die Corona-Pandemie überschaubar. Nun ist es schon das zweite Osterfest, an dem die Inhaber Melanie und Henrik Meyer keine Gäste im Lokal begrüßen dürfen. Die beiden wollen trotzdem weiterhin für die Kunden da sein und bieten ein Ostermenü als Außer-Haus-Essen an. Knapp eine Woche vor Ostern sei man schon nahezu ausgebucht gewesen. Wenige Menüs zum Abholen stehen noch zur Verfügung und können telefonisch vorbestellt werden.

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Generell laufe der Lieferservice beim Betrieb ganz gut. Mit kompostierbaren Verpackungen und ausgewählten Speisen, die trotz Lieferung warm und lecker beim Kunden ankommen sollen, wollen die Betreiber ein qualitativ hochwertiges und regionales Angebot machen. "Wir kommen damit über die Runden", sagt Henrik Meyer. Was den Gastronomen zu schaffen mache, sei die Unplanbarkeit. Beispielsweise sei er zögerlich, die für den Betrieb wichtige Werbung zu drucken, weil die Lage in der kommenden Woche vielleicht schon wieder anders aussehen könne. Damit könnte das investierte Geld verschwendet sein - doch dieses Risiko müsse er eingehen.

Doch selbst wenn eine Öffnung bei der aktuellen Pandemie-Lage mit einem negativen Corona-Schnelltest möglich wäre, würden er unter diesen Bedingungen das Restaurant wahrscheinlich nicht aufmachen, sagt Henrik Meyer. Das rentiere sich nicht. Daher würde er erst einmal beim Lieferservice bleiben.

Auch das Ginsheimer Hotel und Weinhaus Wiedemann habe spontan ein Liefergeschäft auf die Beine gestellt und damit Erfolg, sagt Tamara Haupt vom Betrieb. Trotzdem sei natürlich Corona-bedingt die Stimmung gedrückt, die Nähe zu den Gästen fehle. "Doch wir machen das beste aus der Situation", sagt Tamara Haupt. Für Ostern habe das junge Team beispielsweise eine schöne Osterkarte zusammengestellt. Auch für die Eröffnung der Außengastronomie sei man mit neuen Kissen und Decken gut vorbereitet. Auch wenn nur eine begrenzte Anzahl von etwa zwölf Plätzen dort zur Verfügung stehe, würde der Biergarten so bald wie möglich öffnen.

Komplett geschlossen seit mehreren Monaten hat die Gaststätte Zum Heurigen in Ginsheim-Gustavsburg. "Wir sind einfach zu weit draußen, um Lieferservice anzubieten - das lohnt sich nicht", sagt Gerhard Katschthaler, der den Betrieb seit 25 Jahren führt. Die Öffnung der Außengastronomie gerade an Ostern wäre für den Familienbetrieb ein Lichtblick gewesen, denn der große Biergarten sei besonders bei Ausflüglern und Radfahrern beliebt. Die Schließzeit habe er genutzt, um die Toilettenanlage umzubauen und den Biergarten zu erweitern, habe er sogar neue Tische und Stühle bestellt, um der Nachfrage nach kleinen Tischen für zwei Personen gerecht zu werden und den Abstand zu wahren. Eine Bierzeltgarnitur mit Fremden zu teilen, wolle wegen Corona keiner mehr.

Von der Regierung wünsche er sich eine Perspektive: Seine Angestellten, die alle in Kurzarbeit sind, werden langsam unruhig und seine privaten Rücklagen, von denen er derzeit lebe, seien auch begrenzt, erklärt Katschthaler. "Die Stütze der Regierung fehlt - das dauert alles viel zu lange", sagt der Gastronom.

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Er rechnet damit, dass sein Restaurant noch eine Weile geschlossen haben wird. "Wenn an Pfingsten noch Lockdown ist, wäre das für unser Geschäft eine Katastrophe", sagt Katschthaler. Wenn die Wiedereröffnung wieder erlaubt sei, benötige er aber Planungssicherheit, denn für ihn bedeute dies einen kompletten Neustart, denn durch die lange Schließungszeit sei das abgelaufene Bier längst zurückgebracht und die Vorräte leer. Alles müsse neu gekauft werden - und das brauche Vorbereitungszeit.

Von Michaela Kriewitz