Nobel dank äußerer Reize

Das Europäische Unikum - genannt EU - bekommt den Friedensnobelpreis und sahnt ab. Bezahlen müssen aber immer wir.

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. Wir sind Frieden! Das war aber auch sowas von klar, dass es sogar eine Saarländerin, die Sängerin Nicole, 1982 beim Gran Brüh Eurovision Chamsom schon prophezeite: "Ein bisschen Frieden...." Unser aller Kanzlerin muss sich nun in ihren schönsten Hosenanzug werfen und mit ihrer berühmten großen Handtasche bei der Nobelpreisverleihung in Oslo die Kohle abholen. Die steht uns zu. Wir zahlen schließlich alles. Und dann wird die Praxisgebühr abgeschafft.

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Irritierende Überschriften in der FAZ. Zum Beispiel: "Der Mann mit dem Zweidrittelhammer". Schade, denken wir, aber niemand ist perfekt. Bei näherem Betrachten stellt sich aber heraus, dass nur über den Besuch des ungarischen Ministerpräsidenten Orbán berichtet wird, der allerdings in der Tat etwas hat, das unser aller Kanzlerin komplett fehlt. Nämlich eine Zweidrittelmehrheit im Parlament. Man muss allerdings sagen, dass der Herr Orbán komische Sachen damit macht, mit seiner Zweidrittelmehrheit, zum Beispiel hat er versucht, die Pressefreiheit abzuschaffen.

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Noch eine Überschrift: "Stadtrat aufgelöst:Nähe zu Mafia". Nun, bei "aufgelöst" denken wir natürlich sofort an die beliebten Säurebäder, sozusagen das System "Luca-Brasi-schläft-jetzt-bei-den-Fischen 2.0". Es war dann aber doch nur so, dass das Stadtparlament von Reggio di Calabria erst mal außer Dienst gestellt wurde. Einer soll Wahlstimmen gekauft haben, für 50 Euro das Stück. Früher lief das anders, mit den Angeboten.

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Wie kriegen wir da jetzt den Übergang zur deutschen Fernsehlandschaft...Nun, die erste große Samstagabendschlacht ist entschieden, der nette Herr Lanz hatte 13 Milliarden Zuschauer, Bohlen/Gottschalk/Hunziker bei RTL nur viertausend, oder so ähnlich. Was kein Wunder ist. Was für eine Truppe beim RTL- "Supertalent"! Gottschalk zieht ein Gesicht, als frage er sich: "Wo bin ich hier? Und wann kommt endlich Mike Krüger?" Und ansonsten ist es hart am Rand von Familienfeier: Bohlen als reicher Onkel, der aber ab und zu mal rülpst, und Michelle Hunziker als schrille Tante, bei der man nach Mitternacht darauf gefasst sein muss, dass sie auf den Tisch springt und sich auszieht. Dann vielleicht doch lieber Lanz-Liegestütze mit Bierkasten auf dem Buckel. Bier treibt ja bekanntlich, und ohnehin haben wir alle unser Päckchen zu tragen.

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Nahtloser Übergang zur SPD und ihrem Kanzlerkandidaten. Mittlerweile weiß ja jeder, warum Steinbrück, Moneten-Peer, wie wir ihn nennen, so locker über die Eurokrise parliert: Er hatte sie nie. Der Begriff "der hat gut reden" erscheint da in völlig neuem Licht. Ketzer führen schon einen losen Spruch auf den Lippen: "Wenn das Geld im Kasten klingt//Steinbrück auf die Bühne springt." Immerhin meldet Forsa einen Umfrage-Anstieg der SPD um einen Prozentpunkt. Wobei die SPD-Führung nachdrücklich versichert, dass dieser Prozentpunkt für seinen Anstieg keinerlei Rednerhonorar verlangt habe.

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Noch ein smarter Übergang. "Haben Sie das Zeug zur Doppel-Null?", fragte Spiegel online am 5. Oktober. Wir wissen nicht, ob Gabriel/Nahles, Rösler/Niebel oder Seehofer/Ramsauer freudig den Arm hochreißen wollten. Aber es ging nur um das Jubiläum von James Bond, Null-Null-Sieben.

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Obwohl man sich nachts auf eine Anhebung der Honorare geeinigt hatte, streikten Ärzte am Mittwoch. Nachsorge mal ganz anders, oder wie?

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Wissenschaft, wunderbar, Nobelpreise, herrlich. Zum Beispiel Chemie. Mit Chemie kann man ja unwahrscheinlich viel machen, zum Beispiel Pudding. Unvergessen das Philosophieren eines Kommilitonen in der Mensa beim Dessert: "Eine Wasserstoffkette mehr, und dieser Pudding wäre ein Plastikeimer geworden." Der Nobelpreis ging diesmal an zwei Amerikaner, Robert Lefkowitz und Brian Kobilka. Sie haben laut Spiegel online "Andockstellen an Körperstellen erforscht, die äußere Reize verarbeiten." Klingt, offen gesagt, verrucht.

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Im Spiel sind dabei auch "G-Protein-gekoppelte Rezeptoren" (GPCR). Nun, wir kennen GPS, ist aber offenbar was anderes. G ist überhaupt ein chicer Buchstabe. Dominiert in so wichtigen Begriffen wie Gefängnis, Genosse, Gemüse. Kann man auch gut abkürzen: "G." Gesprochen G-Punkt. Wie meint ihr, liebe Kinder? Was das ist? Ihr wollt wissen, was ein G-Punkt ist? Nein, ihr wollt wissen, was Gemüse ist, G-Punkt wisst ihr schon? Na, dann fragt mal am besten die Mutti, nach dem Gemüse.

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Dann tasten wir uns mal weiter vor, mit dem Chemie-Nobelpreis. Die beiden diesjährigen Gewinner erhalten den Preis für "die Entdeckung von Rezeptoren in der Zellmembran, die wichtige Signale von außen in die Zelle leiten". Klingt ein bisschen danach, als würden Handys in den Knast geschmuggelt. Als das Nobelpreiskomitee bei Lefkowitz anrief, schlief er. "Meine Frau gab mir einen Stoß mit dem Ellbogen", erzählte er später. Gutes praktisches Beispiel für die Leitung wichtiger Signale von außen. Aber hoffentlich hat Frau Lefkowitz mit ihrem Ellbogen nicht sein G-Protein verletzt.