Nahles schwarz, Jogi weiß

Er darf die Bundesregierung nicht aufstellen: Jogi Löw. Foto: dpa

In der Großkoalitionsfamilie treiben sie’s schon bunt, und nicht nur der Fußballexperte weiß: Diesmal dauert das Spiel vier Jahre.

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. Wir erschrecken. Online-Portal der FAZ, folgende Überschrift: "Bindungsangst und der Sex auf dem liegenden Kaktus." Aha, denken wir, sehr einfühlsame Umschreibung der Koalitionsgespräche in Berlin. Aber darum ging es gar nicht, es war bloß ein Feuilleton-Blogger. Da atmen wir auf, und warum dann unser nächster Blick auf Andrea Nahles fällt - wir wissen es nicht. Jedenfalls tat sie kund, dass in der Arbeitsgruppe Familie "ernste Konflikte aufgebrochen" seien. Wie das halt so ist, in Familien. Oft Stress. Die Herdprämie fällt aus Versehen ins Klo, und manche bekommen totale Bindungsangst, wenn der Kaktus liegt. Gleichzeitig, so entnehmen wir den Nachrichtenagenturen, verlautet aus der SPD-Zentrale, jene Probleme seien "nicht solche, die eine Koalition wirklich gefährdeten". Eben. Wir sagen: Die einzigen Fragen, die diese Koalition wirklich gefährden könnten, lauten: Was, um Himmels Willen, machen wir bloß mit Hans-Peter Friedrich, und wie verstärken wir die Achsen des Dienstwagens von Sigmar Gabriel?

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Die Herrschaften müssen aber bei diesen Koalitionsverhandlungen auch irgendwann mal was geraucht haben. Denn sie erwogen Bürgerentscheide vor der Aufnahme neuer EU-Mitgliedsländer. Leute! Nach dem ganzen Zirkus! Griechenland! Berlusconi! Das dritte Tor von Wembley 1966! Die einzigen Ja-Stimmen bezüglich neuer EU-Mitglieder kriegt ihr doch höchstens noch für Mallorca, Schalke 04, Vodka Moskovskaya und Lady Gaga!

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Sieht man doch jetzt bei der Münchner Olympia-Bewerbung, was rauskommt, wenn man die Bürger fragt! Die Olympiabefürworter sind stinkesauer. "Irgendwann, möglicherweise aber auch nie, werde ich dich bitten, mir eine kleine Gefälligkeit zu erweisen....." Oh, da haben wir uns vertan, das ist ein Satz aus dem "Paten". Also. Der Satz, den wir meinen, heißt: "Irgendwann wird es ihnen leid tun." Ihnen - den Olympiagegnern, meint Beckenbauer, Firlefranz, wie manche ihn nennen. Der Mann, dem wir so unsterbliche Sätze verdanken wie: "Wir haben gesehen: Die Schweden sind keine Holländer." Oder: "Das sind alles gute Fußballer, nur können sie nicht Fußball spielen." Oder: "In Katar habe ich noch nie einen Sklaven gesehen." Schon klar, Franz. Den einzigen Sklaven, den Beckenbauer je sah, war Katsche Schwarzenbeck, der im Strafraum für ihn abgeräumt hat, damals, in den Siebzigern.

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Ja gutt, äähh, Beckenbauer ist halt nervös. Seinen Vorstandsvorsitzenden vom FC Bayern, Karl-Heinz "Kalle" Rummenigge, haben sie laut mehrerer Zeitungsberichte am Flughafen erwischt, als er mit zwei Luxus-Uhren nicht durch den Zoll ging. Wem die Stunde schlägt. Gut, in Bayern gehen die Uhren halt anders. Vielleicht wollte Rummenigge den Zollbeamten noch erzählen, Borussia Dortmund habe ihm die Uhren untergeschoben, oder - die Uhrangst jedes Sportlers - sie ins Essen gemischt oder in die Zahnpasta-Tube injiziert, ähnlich wie beim Doping-Mobbing. Aber die Zollbeamten haben ihn dann wahrscheinlich ausgelacht und gesagt, das könne er seiner Uhroma erzählen. Letztlich: 250 000 Euro Geldstrafe. Zahlt Kalle aus der Portokasse. Und Uli Hoeneß schaut seinem Prozess wegen dieser blöden Steuersache entgegen. Da muss sich der Franz allmählich nach den Öffnungszeiten der JVA Stadelheim erkundigen, wenn er Kumpels auch zukünftig besuchen will.

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"Huuch, ich hab‘ nix anzuziehen!" Die meisten Ehemänner kennen diesen Satz. Horror. Nicht so bei unserer Herren-Fußballnationalmannschaft. Die stellte jetzt laut Spiegel Online (SPON) schon wieder neue Spielbekleidung vor, für die WM 2014. Hosen in Weiß. Farbe der Unschuld. Haha. Außerdem ungünstig, sobald man gegen echte Angstgegner spielt. Ferner: Aus unterschiedlichen Rot-Tönen besteht laut SPON "die Brustgrafik" - ein Begriff, über den wir lange nachgedacht haben. Vielleicht sollte man auch bei den Koalitionsverhandlungen neue Outfits vorsehen. Andrea Nahles im Kleinen Schwarzen! Und weil Jogis Jungs drei Sterne auf dem Trikot tragen, für drei WM-Titel, könnte man analog unser aller Kanzlerin drei kleine Rauten auf den Hosenanzug sticken, für dreimal Kanzlerin geworden. Bei Magic Horst Seehofer, bekanntlich Vater eines Kindes aus einer Beziehung mit einer aushäusigen Dame, stellt sich wie von selbst das Thema, das im Fußball unter "Auswärtstrikot" - im Gegensatz zu "Heimtrikot" - läuft. Das Auswärtstrikot ist von großer psychologischer Bedeutung, weil man auch auswärts punkten will. Manchmal klappt das ja auch, so oder so.