Merkel und die singenden Schrankwände

Bundeskanzlerin Angela Merkel winkt neben Ehemann Joachim Sauer vor der Eröffnung der 104. Bayreuther Festspiele. Foto: dpa

Wenn in Bayreuth ein Stuhl fällt, interessiert das die Kanzlerin, wenn sie vorher drauf saß. Wenn in Peking ein Sack Reis fällt, interessiert das niemanden. Wenn in Peking...

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. Wie schon die Sommerspiele 2008 wurden die Olympischen Winterspiele 2022 an Peking verkauft. Überraschenderweise hatten sich weder Katar noch Kairo beworben, wo es ja auch, wie in Peking, praktisch keinen Schnee gibt. Schnee ist jetzt praktisch ein Ausschlusskriterium für Winterspiele. Menschenrechte? Leute, redet keinen Stuss! Legal, illegal, sch...egal. Erwogen wird die Einführung eines neuen Wettbewerbs: 20 Minuten Totlachen nachts im Eiskanal. * Unser aller Kanzlerin sei bei den Bayreuther Festspielen kollabiert, meldete die "Bild"-Zeitung am letzten Samstag. Aber: Eher kollabieren die Festspiele als Angela Merkel! Marmor, Stein und Eisen bricht//aber uns‘re Angie nicht. Die Wahrheit: Nicht die Kanzlerin brach ein, sondern ein Stuhl, auf dem sie sich während einer Pause niederließ. Gesägt daran hat sicher niemand; die alten Widersacher waren nicht da. Roland Koch baut nach seinem Praktikum bei der Baufirma Bilfinger wahrscheinlich nur noch zuhause im Sandkasten Sandburgen, und Christian Wulff putzt das Bobbycar und hat ja jetzt auch wieder Bettina am Hals. * Ein bisschen ins Grübeln gekommen sind wir dann aber doch. Okay, wenn schon die Pekinger Börse einbricht, da könnte es rein theoretisch auch mal eine Kanzlerin vom Hocker hauen. Und so ein Stuhl ist letztlich auch nur ein Mensch, unter dieser enormen Last der Verantwortung. Das von bösen Zungen sofort gestreute Gerücht, Ikea werde jetzt als PR-Gag den Stuhl "Mutti", die Hängematte "Groko" und das Soldatenfeldbett "Ursula" auf den Markt werfen, wurde bislang nicht dementiert. * Die Bayreuther Aufführung, die Merkel besuchte, war "Tristan und Isolde". Es geht da, Sie werden es schon ahnen, verehrte Leserinnen und Leser, um eine grandiose Story mit einem sensationell neuen Grundgedanken: "Mann trifft Frau". Dass mal wieder alles mit allem zusammenhängt, wurde uns klar, als wir die Rezension in der FAZ lasen. Da stand geschrieben, dass Tristan und Isolde "auf einer Brücke herumstanden, wie zwei Ölgötzen oder wie zwei singende Schrankwände, ein kleiner und ein großer, und der kleine Schrank wirft sich dem großen jubelnd an den Hals." Hammer! Obwohl, wir kennen doch alle den Schlachtgesang aller singenden Schränke: "Steht auuufff, wenn ihr Schränke seid..." Wir hätten gehofft, dass die Brücke, auf der Tristan und Isolde herumstanden, wenigstens die Schiersteiner sei, aber das wird wohl nix. Bei dem kleinen und dem großen singenden Schrank fragen wir uns, ob noch alle Tassen in dem einen und/oder dem anderen vorhanden sind. Und was dann natürlich völlig klar ist: In so einer Lage m u s s ein Stuhl in der Pause zusammenbrechen, damit er show-mäßig mithält. * Böse Zungen streuten sofort neue Gerüchte: Ikea werde aus PR-Gründen die Schrankwand "Wotan", den Mini-Hocker "Alberich", die Nachttischlampe "Kriemhild" und das Doppelbett "Siegfried-in-der-Kiste-mit-Brunhild-sie-sieht-ihn-wegen-der-Tarnkappe-aber-nicht" auf den Markt werfen. Das würde gut passen, denn wir entnehmen dem Bayreuth-Spielplan, dass in diesem Jahr auch der Zyklus "Der Ring des Nibelungen" gegeben wird, in einer Wiederaufnahme der Wormser Nibelungenfestspiele (Dieter Wedel featuring Mario Adorf alias Hagen reloaded)...Kleiner Banausen-Scherz. * Auf dem Bayreuther Spielplan steht ferner "Der fliegende Holländer". Gedanken, die Nummer aus aktuellem Anlass umzubenennen in "Der fliegende Grieche" sind naheliegend, aber sinnlos. * Großer Bahnhof: Pressekonferenz der Bahn diese Woche. Sie hat ganz gut verdient, will aber trotzdem sparen. Heizungen, Klimaanlagen, Toiletten und Scheibenbremsen stehen aber - noch - nicht auf der Kippe. Zwei Vorstände - kein Scherz - verlieren ihre Posten. Sie werden in Stoßzeiten als Schaffner eingesetzt. Oder? * Riesen-Show in St. Petersburg. Auslosung der Qualifikationsgruppen für die Fußball-WM 2018 in Russland. Pausenclowns: Wladimir Putin und Sepp Blatter. Höchster Unterhaltungswert seit Bonnie & Clyde. Putin sagte - kein Witz -, Blatter verdiene den Friedensnobelpreis. Gerd Schröder war leider nicht da, um Putin vorzuschlagen. Wahrscheinlich wollte der Blatter Sepp aber erst mal heimlich nachfragen, wie hoch der Preis dotiert ist, ob er das Preisgeld versteuern müsste und ob er gleich einen Vorschuss haben kann, wie immer cash ohne Quittung in kleinen gebrauchten Dollarscheinen.