Kartell? Wilhelm Tell!

Eine Szene aus dem Stück "Wilhelm Tell anlässlich der Bad Hersfelder Festspiele. Archivfoto: dpa

Es gibt Eidgenossen, aber auch Meineidgenossen. Und wenn von Kronzeugen die Rede ist, steht manchmal zu befürchten, dass das alles dem Fass die Krone ins Gesicht schlägt. Als...

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. Dieser Tage ist viel von Kartellen die Rede. Gut, früher nannte man das Abgasuntersuchung. ASU. Nein, trotz zweier identischer Buchstaben hat das nichts zu tun mit CSU. Aber wir schweifen ab. Also. Kartelle. Wenn man sich überlegt, woher das Wort kommt, ist die aktuelle Problematik völlig klar. Die lateinische Wurzel ist „charta“. Das kennt man zum einen von den Chartaflügen, zum anderen aber entwickelte es sich weiter zum italienischen „cartello“. Alles paletti. Mach ihm ein Angebot! Im Ernst, „cartello“ enthält „car“, also Auto, aber auch „tell“, auf Deutsch „erzählen, absprechen“. Insofern ist „tell“ auch die Luxus-Variante von „Telefon“, weil mit zwei „l“. * Außerdem kennt man „tell“ natürlich von „Wilhelm Tell“: „Durch diese kahle Hose muss er kommen…“ Quatsch, „durch diese hohle Gasse muss er kommen.“ Und dann schießt Tell mit einer Armbrust, nicht zu verwechseln mit einer armen Brust, er schießt also seinem Sohn einen Apfel vom Kopf. Die Version, das Zielen über Kimme und Korn und anschließendes Schießen auf den Apfel sei der Beginn des Aufstiegs von Apfelkorn gewesen, ist natürlich Quatsch. * Wilhelm Tell legte mit seinem Schuss vielmehr den Grundstein für den Apple-Konzern. Im Ernst: „Wilhelm Tell“ ist die Story, wie die Schweiz entstand, nur ausnahmsweise ohne Roger Federer. Fazit: Kartelle sind Absprachen über Autos, einschließlich Armbrustschießen zwecks Entwicklung der E-Mobilität durch Apple, und die Schweiz stellt selbstverständlich für den Notfall Notfallnummernkonten zur Verfügung. In diesem Zusammenhang ist jetzt auch immer von der Kronzeugenregelung die Rede. Eine Art Verräterprivileg. Konkret: Ich bilde mit meinen Kumpels ein Kartell, dann hänge ich sie heimlich hin, um selbst straffrei auszugehen. Bei Autos bildlich gesprochen also so: Ich sitze mit den anderen gemeinsam in deren Auto, uriniere ihnen aber gleichzeitig heimlich an den Kotflügel – darum heißt der ja schließlich auch so. * Es soll allerdings auch schon Kronzeugen gegeben haben, die dann unversehens bei Luca Brasi und den Fischen landeten. Fachleute sprechen dann von einem Don-Vito-Corleone-Gedenkkartell unter Anwendung von finaler Unterwassermassage. Warum es „Kron“-zeuge heißt? Die Vermutung läge nahe, dass jemand einen in der Krone haben muss, sich trotz all der Risiken als Kronzeuge zur Verfügung zu stellen. * Es könnte aber auch von Folgendem herrühren: Wir entnehmen der Süddeutschen Zeitung, es habe mal, kein Scherz, ein ganz berühmtes Bierkartell gegeben: Preisabsprachen zwischen zwölf Unternehmen. Elf mussten dann 330 Millionen Euro Strafe zahlen, vermutlich inclusive Flaschenpfand, weil der zwölfte den Kronzeugen gemacht hatte. Damit läge nahe, dass Kronzeuge von Kronkorken abgeleitet ist. In Wahrheit kommt es natürlich aus dem englischen Recht. Der Staatsanwalt spricht dort im Namen der Krone, also der Königsfamilie, für die dann auch der Kronzeuge tätig wird. Wir wissen jetzt aber nicht, ob Lizzie immer weiß, wer da für sie so alles unterwegs ist. * Wobei, der berühmteste Zeuge für die englische Krone war ja ein Schweizer, womit wir wieder bei Wilhelm Tell, also bei Kartell wären. Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst sagte aus, dass das dritte Tor für England in Wembley 1966 drin war. Ein glatter Meineid. Dienst war eine Pfeife vor dem Herrn, einer von der Sorte, für die der Spruch gilt: „War ein schönes Spiel, Schiri. Schade, dass Sie’s nicht gesehen haben.“