Jérome ruft an

Jérome Boateng. Foto: dpa

Im Fußball gibt es eine neue Philosophie. Sie besagt, dass der tiefste Punkt kein Tiefpunkt sein muss. Alles klar, oder braucht Ihr noch Bier?

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. Jetzt, da die Weltvermarktungsmeisterschaft (WM) beginnt, kommt es ans Licht: In der Philosophie gibt es eine neue Denkschule, den Jogismus. Um uns einzustimmen, lasen wir im fußball-kritischen Presseerzeugnis "Der Spiegel" und fanden darin, quasi zum Warmmachen, Sätze für die Ewigkeit, zunächst gesprochen von Jérome Boateng, Abwehrrecke, Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters, dunkelhäutig, was wir keineswegs aus rassistischen Gründen erwähnen, sondern, weil wir dachten, dunkelhäutige Mitbürger kämen mit Hitze wie in Brasilien besser zurecht. Also. Boateng glaubt, "dass man in Brasilien besonders fit sein muss". Donnerwetter. Ferner sagt er von sich, er sei zwar ein Typ, der beißen kann, "aber wenn es nun mal heiß ist, ist mir auch heiß". Gut, dass wir drüber geredet haben, Jérome. * In wunderbarer Ergänzung dazu erläuterte der Teampsychologe Hans-Dieter Hermann, Boateng habe gelernt, "während des Spiels mit sich selbst zu kommunizieren, um immer hellwach zu bleiben." Hammer. Wahrscheinlich ruft sich Jérome während des Spiels auf dem Handy an. "Hallo Jérome, hier ist Jérome. Wie geht‘s ‘n so? Okay, bisschen warm hier, oder? Scheiße, ich muss Schluss machen, dieser gegelte Portugiese ist im Anmarsch, dem werd‘ ich mal die engen Höschen strammziehen." Ja. * In einem Interview mit Jogi Löw wird dann der wahre Kern des Jogismus brutal freigefönt....äähh, freigelegt. Der "Spiegel" fragt ganz unschuldig nach der medizinischen Betreuung und bekommt die Antwort: "Wir haben einen großen Stab dabei." Wie beruhigend. Gemeint ist wenigstens offensichtlich kein Frisurenstab, sondern Ärzte, Physiotherapeuten etc. Was die Gefahr von Schwüle angeht, sagt auch Jogi: "Natürlich sind die Temperaturen in Brasilien in manchen Gegenden nicht gerade mild." Aha. * Und dann wird‘s spannend. Stichwort "Punkt". Nun wissen wir alle, dass es im Leben ganz unterschiedliche Arten von Punkten gibt, wir wollen die nicht alle aufzählen, und wenn Ihr, liebe Kinder, jetzt hellhörig werdet, dann fragt wie immer die Mama. Jogi spricht zu uns also: "Nach dem Ballgewinn möglichst den tiefen Punkt anspielen und schnell zum Torabschluss kommen, das dürfte ein Mittel sein, um Erfolg zu haben." Okay, aber wir halten jetzt alle das Maul, damit uns nicht vielleicht die Spanier diese Superstrategie klauen. Aber was ist der "tiefe Punkt"? Dazu Jogi: "Der tiefste Punkt ist der Spieler, der dem gegnerischen Tor am nächsten steht." Aha. Über den Begriff "Tiefpunkt" müssen wir also völlig neu nachdenken im Jogismus. Und dann wird‘s so sein, dass Jérome den Poldi im gegnerischen Strafraum anruft, und der Poldi meldet sich: "Hallo, hier bin isch, unn isch bin dä tiiiefste Punkt. Isset bei Eusch da hinten in dä Abwehr auch so heiß?" * Fifa-Präsident Joseph Blatter hat sich, so entnehmen wir den Nachrichtenagenturen, überraschend für den Videobeweis ausgesprochen. Was er damit keinesfalls meint, sind Aufnahmen, auf denen große braune Umschläge vor einer Wahl den Besitzer wechseln. Die Europäer haben sich offenbar entschieden, diesen Sepp abzuservieren, die Fußballkameraden von den anderen Erdteilen sind mental und finanziell offenbar noch nicht so weit. Die Schlagzeile der Zeitung "Die Welt" lautet: "Der Pate bleibt einfach sitzen." Hätten wir nicht besser formulieren können. Und dann mimt der Sepp auch noch die beleidigte Jungfrau: "Ich habe schon sehr viel einstecken müssen in meinem Leben." Nun, "müssen" ist das falsche Wort, "dürfen" ist korrekt. Kürzlich wurde bekannt, dass der künftige Weltmeister aus dem Fifa-Topf 25,7 Millionen Euro der insgesamt auszuschüttenden 422 Millionen bekommt. Wie meinen? Ob der Sepp die Differenz zwischen 422 und 25,7 Millionen einsteckt? Ganz so würden wir das nicht formulieren. * Abschließend zur Erholung ... Wie meinen? Ihr habt keine Zeit, weil gerade Jérome anruft? Leute! Also, Christian Wulff hat sein Abrechnungsbuch vorgestellt, wobei zu Wulffs Ehrenrettung zu sagen ist, dass sein Abrechnungsbuch etwas anderes ist als Blatters Abrechnungsbuch, wenn der eins führt. Wulff sagt: "Ich wäre der Richtige im Amt." Wenn ich früher etwas angestellt hatte, hat meine Großmutter selig immer gesagt: "Duuu bist mir der Richtige!" Wie meinen? Nein, Maschmeyer hat Wulff nicht nach Brasilien eingeladen, so weit wir informiert sind. Aber böse Zungen behaupten, Wulff habe bei Jérome auf die Mailbox gesprochen und geklagt, in Hannover sei es so heiß.