Hat Julia Klöckner ein Bobby-Car?

Erinnerungen: Christian Wulff hat der Gerichtszeichner während der Verhandlung in Hannover aufs Papier gebannt. Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat nach dem Fall Wulff jetzt wieder Zeit - und nicht mal wir sind vor ihr sicher.

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. Nach dem Freispruch für Christian Wulff hat die blamierte Staatsanwaltschaft Hannover jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder, sie akzeptiert, dass Ursula von der Leyen neue Behördenchefin wird. Das kann recht schnell erfolgen. Denn U-Boot-Ursula, wie wir sie nennen, ist praktisch fast durch mit dem Verteidigungsministerium. Anstatt mancher Hubschrauber fliegen dort jetzt Abteilungsleiter. Übrigens hat die Ministerin angeblich ein neues Hobby: Generäle strammstehen lassen. Und wer jetzt angesichts von Fastnacht etwasUnanständiges bei diesem Begriff denkt, soll bloß aufpassen. Die zweite Option: Die Anklagebehörde wird zu zwanzigjähriger Verbannung nach Wolfenbüttel verurteilt, und zwar wegen Bobby-Car-Stalking, Oktoberfest-Schändung in Tateinheit mit Weißwurst-Fledderei und Belästigung von Veronica Ferres, die Wulff kennt. Bei letzterem Punkt schrammte die Staatsanwaltschaft nur knapp an der Höchststrafe vorbei, nämlich, dass alle Staatsanwälte bei dem vom Ferres-Lebensgefährten Carsten Maschmeyer gegründeten Finanzdienstleister AWD Staatsanleihen der Sowjetunion und Riester-Renten hätten kaufen müssen.

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Der schwere Verdacht, dass sich die Staatsanwaltschaft auch der Algorithmen-Fälschung schuldig machte, sodass bei der Eingabe des Namens "Bettina Wulff" bei Google immer ganz komische Sachen aufleuchteten, hat sich nicht - Achtung, ein problematischer Begriff in diesem Zusammenhang - erhärtet. In diesem Punkt wurde die Anklage gegen die Ankläger fallen gelassen, unter der Auflage, dass der leidende (!) Oberstaatsanwalt den Mädels im "Redlight-Kakadu" in der nahe gelegenen Vergnügungs-Powermetropole Wolfenbüttel eine Nacht lang aus seinem privaten Portemonnaie Champagner spendiert und ihnen aus der Strafprozessordnung vorliest: "Es war einmal ein Algorithmus, der hatte aber nichts mit Rhythmus im Allgemeinen zu tun und schon gar nicht mit einem speziellen..."

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"Schlanker Uncle Sam" lasen wir in der wunderbaren Tageszeitung "Die Welt". Und obwohl es da nur um Einsparungen im US-Wehretat ging, fällt es uns bei "schlank" siedend heiß wie Schuppen aus den Haaren:Wir mussten uns Anfeindungen von Kolleginnen und Kollegen anhören, weil wir in der vergangenen "Woche" mit keinem Wort auf ein unheimliches Power-Ereignis eingingen, wobei "eingehen" der falsche Begriff ist, in diesem Zusammenhang. Also. Die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner hat innerhalb von sechs Monaten 17 Kilo abgenommen. Zwangsläufig entbrannte deshalb eine PR-Schlacht zwischen "Gala", "Bunte" und "Weight Watchers". Die rheinland-pfälzische SPD konnte ohne Kurt Beck in diesem Giganten-Kampf natürlich nicht mithalten. Wir geben dazu derzeit keinerlei Kommentar ab. Eine Assoziation, die sich allerdings aufdrängt, ist, dass die "17" schon eine Magie ausstrahlt. Wir Älteren erinnern uns an "17 Jahr‘, blondes Haar" vom Frauenversteher Udo Jürgens, oder "Mit 17 hat man noch Träume" von Peggy March. Außerdem hatten wir den Eindruck, dass unser aller Kanzlerin, nachdem die Klöckner-Story rundgegangen war, plötzlich ein bisschen schmal wirkte, im Gesicht. Leute! Macht jetzt bloß nicht schlapp, is‘ doch gerade so lustig. Am Ende schleppt sich als einziger Arbeitsfähiger Peter the Body-Mass-Index Altmaier, einst "das fleischgewordene Überhangmandat" genannt, in Konfektionsgröße 50 zur Pressekonferenz. Man kann‘s auch übertreiben, mit "schlanker Staat".

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Aber wir schweifen ab. Wir wollten ja voller Selbstmitleid von den Anfeindungen gegen uns berichten, weil wir die Klöckner-Story nicht kommentieren. Manche vermuteten, wir seien von Klöckner korrumpiert worden. Jeden Tag erwarteten wir, dass die GSG 9 bei uns zu Hause vor der Tür stünde mit einem Durchsuchungsbeschluss der Staatsanwaltschaft Hannover. Mein Kater Bébé verbarrikadierte deswegen schon sein Katzenklo. "Na, hat Klöckner dich in ihrem Bobby-Car mitfahren lassen?" Derartige Häme wurde über uns ausgegossen. Ruhig, Leute, ganz ruhig. Um mit Marlon Brando im "Paten" zu sprechen: "Irgendwann, möglicherweise aber auch nie"...wird die Wahrheit ans Licht kommen.

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Das Bundesverfassungsgericht hat die Prozenthürde praktisch auf 0,5 gedrückt. Unter denen, die nun ins EU-Parlament einziehen können, sind damit neben der FDP der ADAC, Eintracht Braunschweig, der angebliche Berliner Großflughafen BER, "Wetten, dass...?" und die Staatsanwaltschaft Hannover.