Die Hansestadt hat mit Olaf Scholz eine echte Stimmungskanone an der Spitze. Und über Katja Suding sang Heino schon, als sie noch fast im Kindergarten war.
Die Bremer FDP-Spitzenkandidatin Lencke Steiner (li.), Hamburgs FDP-Spitzenkandidatin Katja Suding (M.) und die FDP-Generalsekretärin Nicola Beer (r.) während eines Foto-Shootings für die Zeitschrift "Gala". Foto: Gala/dpa
Jetzt teilen:
Jetzt teilen:
Bei den Hamburger Bürgerschaftswahlen... Wie meinen? Nein, das hat nichts mit Buletten zu tun. Also, auch wenn man es mit Blick auf manche Auftritte des HSV in dieser Saison nicht glaubt: Hamburg ist ein echter Knüller, was man schon am Finanzgebaren sieht. Hamburg hat seine ganze Kohle für die nächsten 500 Jahre nämlich in eine Immobilie gesteckt, die Elbphilharmonie. Die kostet fast eine Milliarde. Den Steuerzahler. Insofern ist Hamburg auch ein richtiges Bundesland, und da waren jetzt Wahlen. Und da hat die FDP nur knapp die absolute Mehrheit verfehlt!
*
Die FDP, liebe Kinder, die Jüngeren unter euch werden die nicht mehr kennen. Ihr müsst euch das so vorstellen: Nach dem Krieg, als es wenig gab, kamen die sofort nach oben. Es war wahrscheinlich so wie bei Obelix: ganz früh in den Zaubertrank gefallen und deshalb beim Mitmischen meistens dabei. Sie hatten dann auch ganz berühmte Helden, allen voran Genschman, der einzige Sterbliche, der je in der Luft in zwei entgegengesetzt fliegenden Flugzeugen gleichzeitig saß. Nicht zutreffend ist allerdings, dass die "Yellow Press", also Boulevard- und schlimmere Presse, nach seinem gelben Pullover benannt wurde. Dann gab es noch Bangemann, laut böser Zungen benannt nach dem Spruch, den alle von sich gaben, die ihn sahen: "Bei dem wird einem bange, Mann!" Nicht zu vergessen Graf Drac....Pardon, Graf Lambsdorff, der im Spätsommer 1982 seinen SPD-Kanzler Helmut Schmidt derart in die Verzweiflung und aus dem Amt trieb, dass der sich seitdem nur noch von Cola, Mentholzigaretten und Interviews mit Sandra Maischberger und Giovanni di Lorenzo ernährt. Wenn Lambsdorff heute Finanzminister wäre, wären die Griechen brav. Später gab es dann noch Westerwelle, Flying Guido, wie wir ihn nennen, gefühlt seit seinem siebten Lebensjahr Vorsitzender der Jungen Liberalen, FDP-Generalsekretär und Minister.
*
Was aber wäre eine solche Truppe ohne einen von uns? Genau! Rainer Brüderle, keiner// ist wie Rainer. Ihm gelang es sogar, um Mitternacht in einer Stuttgarter Bar dem Lockruf einer "Stern"-Redakteurin zu widerstehen, die meinte, wenn schon der Papst mit der Tochter eines gewissen Erwin Lottomann in Wuppertal eine Herrenboutique aufmachen wollte, dann könnte sie gemeinsam mit Brüderle doch eine Dirndl-Auslage in Mainz-Gonsenheim betreiben. Trotz alledem nahm es mit der FDP bei der Bundestagswahl 2013 kein gutes Ende. Aber jetzt! Drin, in der Hamburger Bürgerschaft. Dank Katja Suding, die mit dem Wahlslogan "Katja Suding - Unser Mann für Hamburg" als Erfinderin des Unisex-Feminismus in die Geschichte eingehen wird. Geboren wurde Katja Suding 1975 in der Reiterstadt Vechta, wo - à propos - laut Wikipedia auch Paul Schockemöhle gewirkt hat, erfolgreich als Reiter und Züchter sowie laut Wiki 1996 mit elf Monaten wegen Steuerhinterziehung plus Nachzahlung von 22,6 Millionen D-Mark. Aber gut. Wo geritten wird, da fallen Äpfel. In die Kritik sei Schockemöhle aber auch 1990 geraten, so lesen wir, weil er durch das sogenannte "Barren" seine Pferde zu höheren Sprüngen antrieb. Gut, dass Katja Suding zu jener Zeit in den Mauern des Mädchengymnasiums (!) "Liebfrauenschule" zu Vechta geschützt war. "Barren" geht so: Nach dem Absprung des Pferdes wird die oberste Stange angehoben, damit das Pferd an die Stange schlägt und beim nächsten Mal gleich höher springt. Ist natürlich eine Sauerei. Deshalb wurden auch Überlegungen verworfen, das "Barren" im deutschen Wahlrecht einzuführen, etwa dergestalt, erst zwei Stunden vor Schließung der Wahllokale die Fünf-Prozent-Hürde auf acht Prozent anzuheben.
*
Die Sache von wegen "Katja Suding, unser Mann für Hamburg" erledigte sich dann beim FDP-Dreikönigstreffen 2015 durch einen Kameraschwenk der "Tagesschau" auf Sudings Beine. Sehr schön. Trotzdem wieder Sexismus-Gejaule. Leute, hört auf zu spinnen! Auch früher wurden schon Bein-Schwenks gezeigt, auf Genschman oder Bangemann. Gleiches Recht für alle. Was der FDP auch Hoffnung machen muss: Der berühmte Sänger Heino wartete schon 1981 mit folgendem Songtext auf: "Ja, ja die Katja, die hat ja Wodka im Blut // Feuer im Herzen und die Augen voll Glut." Demnach könnte Frau Suding zuerst den für sein unglaubliches Temperament berühmten Hamburger SPD-Bürgermeister Olaf Scholz durch die Wand knallen und sich dann der Themen "Energie" und/oder "Putin" annehmen.