Habemus Mathilde

Im Saarland sitzt eine ältere Dame, die einem heißen Papstfavoriten Suppe einbrockt. Beruhigend, in Zeiten von Köttbullar.

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. Wir müssen dringend über den neuen Papst reden, dafür aber ein bisschen ausholen. Also, der Jauch. Nein, nix Konklave. Dem reichte schon am vergangenen Sonntagabend seine Talkshow über die Homo-Ehe in der ARD. Davon musste er sich dringend erholen, das tat er standesgemäß am Montag mit einer Blondine bei RTL. "Wer wird Millionär."

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Wir, mein Kater Bébé und ich, haben im Prinzip nicht das Geringste gegen Blondinen. Jauch hatte wie gesagt Entspannung nötig. Also griff er der Blondine unter die Arme, mental, und half ihr über die ersten Fragenklippen. Die blonde Frau gab alles. Bei der Frage, welcher Begriff die Gemeinschaft von behinderten und nicht-behinderten Menschen bezeichne, Induktion, Infusion, Interpunktion oder Inklusion, tendierte sie zunächst massiv zu "Interpunktion". Was uns an den alten Fußballerspruch von Fritz Walter junior (Waldhof Mannheim, VfB Stuttgart) erinnert: "Die Sanitäter haben mir sofort eine Invasion gelegt." Dann die wichtige Frage: Was bot Angela Merkel Francois Holland kürzlich an: das Saarland, das Du, ihr Dessert, oder einen Ehrensold? Die vom Sender gewünschte Antwort war "das Du", wir glauben aber, wenn sie ihm die vier Optionen zur Wahl gestellt hätte, hätte er gesagt: das Saarland, mit Dir als Dessert obendrauf.

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Denn: Saarland for ever! Wie wir schon in unserer Woche vom 16. Februar prophezeit hatten, passiert Folgendes: "Kardinäle sammeln Stimmen für Odilo Scherer", entnehmen wir der in Glaubensfragen stets gut unterrichteten FAZ. Odilo Scherer ist der Erzbischof von Sao Paulo, und sein Urgroßvater wanderte um 1880 von Theley im Landkreis St. Wendel nach Brasilien aus. Und jetzt ist er ein, nun, darf man sagen: heißer Papstfavorit? Wenn er’s wird, heißt das: Wir sind Saarland! Und dann lebt die alte Geschichte wieder auf von dem Mann, der ins Geschäft geht und sagt: Ich hätte gerne einen Globus, aber nur vom Saarland. Derweil, so entnehmen wir www.domradio.de, berichtet die 83-jährige Mathilde Ludwig von Odilos Besuch in der alten Heimat, 2003. "Eine gute deutsche Suppe isst Odilo am liebsten", lautet ihr Bulletin. Verständlich. Weißer Rauch. Aber nichts wird so weiß gegessen, wie‘s gekocht wird. Böse Zungen würden sagen: Was ihm als Papst im Vatikan so eingebrockt würde - da löffelt er lieber bei Tante Mathilde. Sie berichtet auch, er habe Humor. Den wird er brauchen.

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Derweil müssen wir lesen, dass der von Joseph Ratzinger einst gefahrene Golf, 2005 von einem US-Casino für 188.938 Euro ersteigert, jetzt bei 16.500 rangiert. Sic transit gloria mundi, wie wir Lateiner sagen, so vergänglich ist der Ruhm der Welt. Heißt aber auch: Es muss eine Software her, die die Kfz-Scheine aller Gebrauchtwagen dieser Welt mit den Namen aller Kardinäle abgleicht. Vaticar statt Vatikan. Überhaupt die Frage aller Fragen: Würden Sie von diesem oder jenem einen Gebrauchtwagen kaufen?

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Jetzt in die ganz andere Richtung. Wahrscheinlich ist es kein gutes Omen, dass der Chef der Deutschen Bahn - kalt im Winter, heiß im Sommer - Grube heißt, Rüdiger Grube. Laut Urteil des Verwaltungsgerichts Köln muss die Bahn 1900 deutsche Bahnhöfe nachbessern. Gut, dachten sie sich, das machen wir gleich mal in Stuttgart. Die Bahn-Vorstände sind dann in Berlin zusammengekommen, haben an den dortigen Großflughafen gedacht, danach Psychopharmaka zu sich genommen und haben schließlich gesagt: "Okay, wegen lausiger 2,3 Milliarden Mehrkosten für S 21 machen wir uns doch nicht zum Deppen, wir wollen schließlich nicht in die Geschichte eingehen als die Kinder vom Bahnhof No." Allerdings hat der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann schon das gesagt, was Schwaben in solchen Fällen immer sagen: Mir gebet nix. Und: Kretsch¬mann gilt als hartleibig, manche nennen ihn Winfried, die Blutkretsche.

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Gute Nachrichten aus der Wirtschaftswelt. Nachdem Ikea nun neben Köttbullar auch die Mandeltorte "Chokladkrokant" wegen gewisser Unpässlichkeiten zurückziehen musste - wohnst Du noch oder brichst Du schon? - denkt man nun an eine eigene Hotelkette: "Moxy". Nicht kleckern, klotzen, klotzen mit "l". Die wunderbare "Süddeutsche Zeitung" schreibt zwar despektierlich von "Billig-Hotels". Wir glauben aber nicht, dass die Gäste den Inbus-Schlüssel, mit dem sie sich ihr Bett selbst zusammenschrauben, nur bekommen, wenn sie den Härtetest - zwei Köttbullar, zwei Stück Chokladkrokant, 0,5 Liter Wodka - überleben. Die "Moxy"-Betten sollen auch nicht das im Jahr 2003 zu medialem Ruhm gekommene Modell "Gutvik" sein, das man aber "Gütwik" spricht, wie bei "Güterverkehr".