Gut ist für Tuchel nicht gut genug

Andreas Ivanschitz - der Verein verlängert nicht. Foto: Sascha Kopp

Dass der FSV Mainz 05 den zum Saisonende auslaufenden Vertrag von Andreas Ivanschitz nicht verlängern wird, sorgt für reichlich Gesprächsstoff unter der Fans.

Anzeige

. Von Rüdiger Lutterbach

Sie hatte sich wochenlang angedeutet, die Trennung zwischen dem FSV Mainz 05 und seinem "Super-Ösi" nach vier gemeinsamen, überwiegend erfolgreichen Jahren in der Bundesliga. Ein wenig überraschend ist jedoch, dass die Initiative nicht von Andreas Ivanschitz ausging, sondern vom Verein. Thomas Tuchel will künftig auf die Dienste des österreichischen Nationalspielers verzichten - ein mutiger, zugleich aber auch riskanter Schritt des 05-Trainers, schließlich zählte Ivanschitz stets zu den besten Offensivspielern der 05er, legt man Tore und Torvorbereitungen zugrunde.

Andreas Ivanschitz hat wie kaum ein anderer 05-Profi die Fähigkeit, sich während eines Spiels immer wieder in torgefährliche Situationen zu bringen. Das ist unbestritten eine Qualität. Aber es ist auch ein Zeichen fehlender Qualität, dass er zu wenig aus diesen Situationen macht. Damit steht er - das hat das jüngste Spiel gegen Bremen eindrucksvoll gezeigt - im 05-Team nicht alleine da. Aber im Gegensatz zu Nicolai Müller oder Yunus Malli zählt Ivanschitz zu den absoluten Topverdienern im Mainzer Kader. Und ein solcher wäre er geblieben, wäre sein Vertrag verlängert worden. Mit weniger hätte sich "der Andy" sicher nicht zufriedengegeben. Als ablösefreier Profi kennt er seinen Marktwert nur zu gut.

Das Credo seines (Noch-) Trainers lautet: "Wir wollen die Besten sein, die wir sein können." Gut ist dem Fußballlehrer Thomas Tuchel eben nicht gut genug, wenn er sieht, dass mehr möglich ist. Und in dieser Saison ist mehr möglich, deutlich mehr - für Andreas Ivanschitz, das schlampige Genie, aber auch für den FSV Mainz 05. Beide spielen eine starke Runde, doch beide lassen auch viele Chancen und Gelegenheiten liegen, laufen dadurch Gefahr, sich selbst um den Lohn guter Arbeit zu bringen. Und das wurmt Tuchel, den Perfektionisten. Viele Fans werden den Abschied von Andreas Ivanschitz bedauern, einige werden ihn begrüßen. Es wird spannend zu beobachten, ob es für Mainz 05 ohne ihn besser läuft als mit ihm.