Kann er die Bruchweg-Boys beerben und dem FSV Mainz 05 sein markantes Gesicht zurückgeben? Benedikt Saller. Foto: Harald Kaster

Für Mainz 05 ist eine schwierige Bundesliga-Saison zu Ende gegangen. Der einstige "Karnevalsverein" muss sich nun neu erfinden, um die Emotionalität zurückzuholen.

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. Von Ulrich Gerecke

Für Mainz 05 ist eine schwierige Bundesliga-Saison zu Ende gegangen. Viele Verletzungen und die Unfähigkeit, spielerische Überlegenheit in Siege umzumünzen, haben zu einem Ende geführt, das geprägt ist von Mittelmaß und dem Ärger, eine große Chance verpasst zu haben. Der Ausklang in Moll überschattet auch die Tatsache, mit dem Abstieg nichts zu tun gehabt zu haben.

Früh aller Sorgen ledig zu sein, ist für Mainz 05 zwar immer noch ein Erfolg, allerdings belegt er auch, dass der Verein - nicht nur wegen des anstehenden Umbruchs - am Scheideweg steht. Mit dem Umzug in die Coface Arena hat sich der Klub sportlich und wirtschaftlich im gehobenen Mittelfeld des deutschen Fußballs etabliert. Würde man die 56 Klubs der drei höchsten Ligen in eine Tabelle einsortieren, dann läge Mainz immer im Bereich zwischen den Rängen 10 und 30. In dieser eigenen Liga spielt Mainz 05 zurzeit am oberen Limit, nach unten kann es immer gehen, nach oben nur, wenn Größere schwächeln (wie es diesmal der Fall war).

Der Fluch dieser guten Tat aber ist die Frage: Was nun? Finanziell mehr riskieren, um vielleicht in die Top-Etage vorzustoßen? Diesen Weg wird Manager Christian Heidel aus guten Gründen nicht beschreiten. Die einzig mögliche Konsequenz aber ist dann, den Fans klar zu machen, dass ein "Auf zu neuen Ufern" fürs Erste nicht mehr drin ist, dass ein Klassenerhalt für Mainz 05 immer noch ein Erfolg ist. Man kann solche Ziele definieren, aber ob das Publikum sie akzeptiert?

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Die markanten Gesichter von früher fehlen

Erschwerend kommt hinzu, dass der einst von Emotionen durchtränkte Klub derzeit als graue Maus daherkommt. Der Neugier-Effekt des Stadions nutzt sich naturgemäß ab. Das Team ist ein starkes Kollektiv, aber ohne markante Gesichter wie früher Manuel Friedrich, Mohamed Zidan oder die Bruchweg-Boys. Diese Entwicklung wird von einem Trainer getragen, der vor allem als Fachmann und intellektueller Analytiker rüberkommt, aber nicht den Appeal bei den Massen hat wie Jürgen Klopp.

Alles Faktoren, die kein Klima begünstigen, in dem Emotionen, Feuer, Leidenschaft und Spektakel gedeihen. Genau das aber hat Mainz 05 immer ausgemacht. Den einstigen "Karnevalsverein" in diesem Sinne neu zu erfinden und gleichzeitig die sportliche Position weiter zu konsolidieren, ist die schwierigste Zukunftsaufgabe für die Verantwortlichen. Und sie muss jetzt angepackt werden.