Frauen-Ordner

Kein Wunder, dass Obama gewonnen hat. Bill Clinton sorgte für weibliche Stimmen. Und in den Wassermassen des Hurrikans "Sandy" soll Gerhard Schröder gesehen worden sein.

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. Man kennt sie ja, diese traurigen Geschichten aus der Männerwelt. Gaaanz traurig. Da steht einer und sagt: "Ich wäre nicht der Mann, der ich heute bin, ohne meine Frau." Dann trinkt er aus Verzweiflung seinen sechsten Wodka, schnappt sich seinen zerlumpten Mantel, schaut sein furchtbar faltig und müde gewordenes Gesicht im Spiegel an und macht sich auf den Weg zur öffentlichen Suppenküche. So kann‘s gehen. Aber seit Mittwoch muss sich die Männerwelt nicht mehr grämen, denn es gibt jetzt endlich auch dieses geradezu märchenhafte Beispiel aus Gottes eigenem Land, wo der alte und neue Präsident zwar denselben Satz sagt: "Ich wäre nicht der Mann....", aber in seinem Fall ist es halt gut gegangen. Obwohl, ein bisschen älter als vor vier Jahren sieht er schon aus.

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Wir brauchen aber gar nicht so weit zu gehen, um Zeichen einer neuen wunderbaren Romantik zu entdecken. Im Museum für Kommunikation in Frankfurt, Schaumainkai 53, gibt es noch bis 17. Februar eine Ausstellung mit Schülerkritzeleien aus vier Jahrzehnten. Darunter den Zettel eines Jungen von Ende der 1980er Jahre: "Mädchen sind wie Pilze. Die schönsten sind die giftigsten." Glaubt keiner Pisa-Studie, es gibt wirklich herausragende junge Leute!

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Es seien vor allem die Stimmen von Frauen, Latinos und Schwarzen gewesen, die Obama den Sieg brachten, entnehmen wir der Deutschen Presse-Agentur. Romney sei über seine Überheblichkeit gestolpert, befindet Spiegel online, und zitiert einen Hammer-Ausrutscher des Kandidaten: Als es um Bewerbungen von Mitarbeitern gegangen sei, habe ihm sein Team "Ordner voller Frauen" - "Binders full of Women" - gebracht. Woraufhin sich "Playboy"-Gründer Hugh Hefner meldete und sagte: "Ordner voll mit Frauen? Davon haben wir hunderte!" Romney sei absolut kein Frauen-Förderer, meint Spiegel Online. Wir sagen, erstens: Auf diesem Feld wären die Demokraten ohnehin unschlagbar gewesen, trommelte für Obama doch Ex-Präsident Clinton - Bill, the Thrill - im Hinterkopf aber den Schwur: "Nein, ich hatte keine sexuelle Beziehung mit hunderten von Bunnys. Jedenfalls nicht gleichzeitig." Zweitens:Frauen zu ordnen, wird immer eine sensible Aufgabe sein, nach dem "Frauen-Versteher" vielleicht ein neues Berufsfeld: der "Frauen-Ordner".

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Rein fremdsprachlich lernen wir nebenbei, dass das englische "binder" nichts mit dem altmodischen deutschen Synonym für Krawatte - Binder - zu tun hat, sonst müssten wir bei "Binders full of Women" natürlich ganz neu nachdenken. Und auch mit "sich einen hinter die Binde gießen" hat das Ganze glücklicherweise nichts zu tun.

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Was Hugh Hefner betrifft, da haben wir eine sehr schöne Seite der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 29. Januar 2012 aufgehoben, darin ein Bild vom jungen Hefner, umgeben von noch jüngeren Bunnys, Bildunterschrift: "Hefner in natürlicher Umgebung: klare Linien, viel Holz." Ja. Im zugehörigen Text - und ausschließlich wegen des Textes haben wir die Seite aufgehoben - heißt es: "Die revolutionäre Waffe von Hefner waren Reportagen über Architektur." Na klar. Erstrebenswert sei die "Erschaffung eines nur dem Mann zugedachten häuslichen Raums". Gut. Überhitzte Feministinnen würden einen solchen Raum womöglich "Jungfrauenordner" nennen. Allerdings hat Hefner (86), der Architekt, in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" vorgebaut: "Ich war schon Feminist, bevor es das Wort überhaupt gab."

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Nun wissen wir also, dass alle Feministen/Innen dieser Welt Obama zum Sieg getragen haben...Quatsch. In Wahrheit war es so:Am Rande der Wassermassen, die der Hurrikan "Sandy" über New York brachte, soll Gerhard Schröder gesehen worden sein, in Gummistiefeln und mit grüner Regenjacke. Wie damals beim Hochwasser vor der Bundestagswahl 2002. Damit war klar, dass die Konservativen keine Chance mehr hatten bei dieser Präsidentschaftswahl.

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Zurück nach Deutschland. Wie immer, wenn sich Koalitionsrunden bis tief in die Nacht über schwere Probleme unterhalten, sehen wir ein paar Stunden später, wenn die Akteure vor die Kameras treten, den Begriff "Morgengrauen" in seiner ganzen schrecklichen Bedeutung. Und wie stets heißt es dann nicht: "Es graute der Morgen", sondern: "Es graute dem Morgen." Wenig später tauchte dann auch noch der Begriff "Lebensleistungsrente" auf. Als klar wurde, dass es dabei um "Leistung" im echten Sinn geht, nicht um "sich schräge Dinger leisten" (wir sagen nur: Binders full of Women), da ist manchen doch der Schreck in die Glieder gefahren. Wenn das der Maßstab für die Rente wird: schwere Zeiten für Günther, the Englishman Oettinger, Stefan Mappus, Loddar Matthäus, und auch Jogi Löw und Markus Lanz sind da noch nicht überm Berg.

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Nach der Koalitionsrunde haben dann viele geschimpft, es habe mal wieder einen Kuhhandel gegeben. Solche Art von Diskriminierung haben diese armen Tiere nicht verdient. Es ging in ganz starkem Maße um Betreuungsgeld. Nein, liebe Kinder, das sind keine Mehraufwendungen der FDP-Bundesparteizentrale, damit immer jemand auf Philipp Rösler aufpasst.

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Den tollsten Gag lieferte allerdings der gefragte Gastredner und vorläufige SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück, Moneten-Peer, wie wir ihn nennen: Die Ergebnisse des Koalitionsgipfels seien nur "ein Bakschisch" - Schmiergeld, Trinkgeld - "für den koalitionsinternen Ausgleich". Klar. Er hätte wahrscheinlich deutlich mehr herausgeholt.