Elternzeit 2016: Enge Bindung zum Sohn

Marwin Plän (35) arbeitet seit 2011 für die VRM. Im Jahr 2015 wurde der Redakteur Vater eines Sohnes und ging für insgesamt sechs Monate in Elternzeit.  Foto:

Herr Plän, wie haben Sie die Elternzeit zwischen Ihrer Partnerin und sich aufgeteilt?Meine Freundin übernahm die ersten acht Monate nach der Geburt unseres Sohnes,...

Anzeige

. Herr Plän, wie haben Sie die Elternzeit zwischen Ihrer Partnerin und sich aufgeteilt?

Meine Freundin übernahm die ersten acht Monate nach der Geburt unseres Sohnes, bevor sie Anfang 2016 wieder in ihren Beruf zurückkehrte. Ich ging dann umgekehrt mit dem Start ins neue Jahr in meine fünfmonatige Elternzeit. Einen weiteren Monat hatte ich schon zuvor parallel mit ihr genommen.

Was waren Ihre Beweggründe?

Anzeige

Es war sowohl für meine Freundin als auch für mich immer klar, dass wir beide gerne in unserem Beruf arbeiten, beide aber auch möglichst viel Zeit mit unserem Sohn verbringen wollen. Ich habe oft gehört, dass Väter im Nachhinein bedauern, die Kindheit ihres Nachwuchses „verpasst“ zu haben. Diesen Vorwurf will ich mir nicht irgendwann machen müssen.

Finanzielle Gründe spielten dementsprechend kaum eine Rolle – auch oder obwohl meine Freundin deutlich besser verdient als ich.

Die genaue Aufteilung auf acht und sechs Monate ergab sich dann auch durch den Jahreswechsel. Der erschien uns gerade mit Blick auf den Beruf und die Kollegen geeignet, um die Rollen zu tauschen.

Wie waren die Reaktionen im Umfeld (Vorgesetzte/Kollegen/Familie/Freunde)?

Sehr, sehr unterschiedlich. Aufällig fällig war für mich vor allem, dass fast jeder eine Meinung zu meiner Elternzeit hatte. Das zeigt: Eine zumindest annähernd gleiche Aufteilung der Elternzeit zwischen Mutter und Vater ist – leider – noch immer keine Selbstverständlichkeit. Immerhin: Die Allermeisten fanden gut, dass ich „so viel“ Elternzeit nehme – auch Kollegen und Vorgesetzte.

Anzeige

Ansonsten habe ich viel Interesse aber auch Unkenntnis festgestellt. Manche Männer, darunter sogar ein junger Vater, wussten nicht mal, dass Väter mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen „dürfen“. Gelegentlich wurde meine Elternzeit geringschätzig als Urlaub abgetan. In der Elternzeit gibt es viele schöne Momente – mit einem erholsamen Urlaub hat sie aber nichts zu tun.

Wie haben Ihre Partnerin und Sie sich die Erziehung nach der Elternzeit aufgeteilt?

Wir haben beide unsere Arbeitszeit auf 0,8 reduziert. Das war vor allem unmittelbar nach der Elternzeit unumgänglich, weil wir in Mainz nicht gleich einen Krippenplatz bekamen. So konnte jeder von uns einen Betreuungstag unter der Woche abdecken, die übrigen drei Tage übernahmen unsere Eltern. Die leben glücklicherweise in Mainz und machen einen tollen Großelternjob. Ohne ihre Unterstützung hätte unsere Rückkehr in den Job definitiv nicht so funktioniert.

Was hat Ihnen an Ihrer Elternzeit besonders gut gefallen, was weniger? Würden Sie sie wieder so machen?

Hätte ich die freie Wahl, würde ich meine Elternzeit natürlich vom Winter in den Sommer legen. Nein, im Ernst: Ich habe den Eindruck, dass die Beziehung meines Sohnes zu mir genauso eng ist wie zu seiner Mutter. Das liegt sicherlich auch an unserer gemeinsamen Zeit. Daher bin ich sehr zufrieden mit den Entscheidungen, die wir getroffen haben. Vor allem damit, dass ich auch jetzt kein reiner „Gute-Nacht-Kuss-und-Wochenend-Papa“ für unseren Sohn bin. Er ist jetzt knapp zwei – ein großartiges Alter. Meistens zumindest.