Drei Schwedinnen für Usain

Bolt hat bald mehr Medaillen als Deutschland. Aber der größte Schock ist dieser: Holländer am Reck.

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. Deutschland befleißigt sich wegen seiner neuen weltwirtschaftlichen Verantwortung einer gewissen Zurückhaltung beim Sport und lässt im Olympia-Medaillenspiegel armen Nationen, die zum Beispiel keine Demokratie haben (China, Russland), keinen anständigen Geheimdienst (USA) oder kein genießbares Essen (Großbritannien) den Vortritt. Banal ausgedrückt: Unsere Medaillenausbeute hat sich, verflucht noch mal, seit 1992 ungefähr halbiert. Großartig!!

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Turnen war ja ganz okay. Aber was tauchen da plötzlich für komische Leute auf? Niederländer am Reck? Leute, hallo?? Die Niederlande heißen doch so, weil: unten, flach, oder wie? Was habt ihr da am Reck zu suchen? Habt ihr Langeweile, ist euch der Stoff ausgegangen, oder was? Besinnt euch gefälligst auf eure Paradedisziplinen: 200 Kilometer Wohnwagenrückwärtsfahren auf der A 1. Schwarzer Afghane mit doppeltem Aufschrei. Dreifacher Tamagotchi-Salto am Kamener Kreuz, geschüttelt und nicht gerührt. Stattdessen wird ein gewisser Epke Zonderland Olympiasieger am Reck! Der Fliegende Holländer. Kleiner Tsukahara-Gouda.... Ja, schon gut, Tsukahara ist ein Element beim Pferdsprung, klingt aber so schön. Reck - ja, ja. Frau Antje wirbelt mächtig um die Stange und sagt: "Mach‘ mir den Hambüchen."

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Auch bezüglich des schönen Turnsports müssen wir, wie schon letzte Woche beim Schwimmen, unsere eigene weitgehende praktische Inkompetenz bekennen. Bundesjugendspiele im Winter, also Geräteturnen, war, neben einem Oberstufen-Mathelehrer, der dumm war wie Brot, mit das Schrecklichste unserer gesamten Schullaufbahn. Nicht mal zu einer Siegerurkunde hat‘s gereicht. Das Reck in Brusthöhe, Felgaufschwung, Hüftumschwung.... Nein, nicht Hüftumfang, Leute! Also Umschwung, Unterschwung. Ende der Reckstange. Aber, oh Freude: Das gibt‘s noch immer! Unter "bundesjugendspiele.de" finden wir tatsächlich beim Punkt "Wettkampf Geräteturnen Ü 5": Felgaufschwung, und so weiter! Guter alter Felgaufschwung, du bist all die Jahrzehnte ohne uns gut über die Runden...äähh, über die Reckstange gekommen, wie schön! Und noch andere wunderbare Sachen finden wir auf dieser Website: "Die neuen Ehrenurkunden mit der Unterschrift des amtierenden...." (!!) "....Bundespräsidenten stehen ab sofort wieder zur Verfügung." Super. Da wird sich Christian Wulff aber freuen. Also aufgepasst, liebe Kinder, wenn eure Bundesjugendspiele-Ehrenurkunde eventuell noch die Unterschrift "Karl Carstens", "Richard von Weizsäcker" oder "Roman Herzog" tragen sollte, dann hat eure Schule das Zeug auf dem Flohmarkt gekauft.

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Bei "Urkunden" sind wir dann irgendwie hängengeblieben und fanden unter Punkt 4.4.3 folgenden Hinweis: "Vereine können die Urkunden bei ihren Spitzenverbänden bestellen." Die sind dann aufgelistet, unter anderem der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV), der folgende Kontakt-Mail-Adresse angibt: "baerbel.woeckel@leichtathletik.de". Leute, alles wird gut!! Wir Älteren weinen vor Freude!! Bärbel Wöckel, in Montreal 1976 und Moskau 1980 vierfache Sprint-Olympiasiegerin, jeweils über 200 Meter und in der 4x100-Meter-Staffel für die Brüder und Schwestern im anderen Teil Deutschlands! Bärbel Wöckel verschickt die Ehrenurkunden für die Bundesjugendspiele, dass wir das noch erleben dürfen! Vor lauter Begeisterung haben wir dann ein bisschen recherchiert und stießen auf das Heft 17 des "Spiegel" vom Jahr 2006. Dort steht, Wöckel sage, sie sei erstaunt, wie wenig Jugendliche über Doping wüssten. Aber, ach: Üble Spielverderber, wie diese "Spiegel"-Leute nun mal sind, zitieren sie auch noch aus einem Dossier des Forschungsinstituts für Körperkultur und Sport in Leipzig (DDR) aus dem Jahr 1986, wonach Wöckel "zusätzlich zu den Anabolika-Pillen auch noch Testosteron-Injektionen bekam". Ja, die Welt ist schlecht.

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Schwieriger Übergang jetzt zu Usain Bolt. Aber: totale Entwarnung! Denn wir entnehmen dem Sport-Informationsdienst (sid), dass Bolt nach seinem 100-Meter-Sieg "bis weit nach Mitternacht in seinem Zimmer im olympischen Dorf mit drei schwedischen Handballerinnen gefeiert hat". Alter Schwede! Ikea lebt. Wer je ein Billy-Regal zusammengenagelt hat, braucht keine Anabolika. Ach, Usain, Gott sei Dank. Dieser Mann dopt nicht, dieser Mann hat was Besseres zu tun. Und wie von selbst fällt da unser Auge auf die Dienstags-Schlagzeile von "Spiegel online": "Sind nachts Top-Leistungen möglich?" Wir meinen: Im Prinzip schon.

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Wir wissen nicht, wie der Tagesablauf unserer wunderbaren schrillen Hochspringerin Ariane Friedrich aussieht. Unvergesslich bleibt uns aber Arianes Erklärung, warum sie nur Siebte wurde, nach den Olympischen Spielen 2008: "Mein Hintern hat zugemacht." Jetzt, in London, ist sie schon im Vorkampf rausgeflogen. Komm, Ariane, los, sag‘ schon, was war los?

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Auf "bundesjugendspiele.de" haben wir übrigens noch den "Watussi-Sprung" gefunden und die Erklärung, die Watussi seien ein Stamm in Afrika, bei dem es als herausragende Leistung gelte, höher zu springen als die eigene Körpergröße. Nun, wir kennen da deutsche Top-Hochspringer/Innen, bei denen ist das ganz genauso.