Die Wiederentdeckung der Langeweile

Ein Picknickkorb auf einer Frühlingswiese. Archivfoto: Fotolia/Sandra Cunningham

Kreativität braucht bekanntlich Raum und die Langeweile könnte ein Schlüssel dazu sein. Denn mal ehrlich: wann kommen einem meistens die genialsten Einfälle? Stimmt, dann...

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. Von Christina Eickhorn

Selbstorganisation ist bekanntlich alles. Das lernt man spätestens im Berufsleben. Und gerade auch als angehender Redakteur. Während ein Artikel gerade geschrieben wird, muss der andere bereits recherchiert werden. Anrufe, Rückrufe, E-Mails, Termine. Alles irgendwie gleichzeitig, und am Besten so schnell wie möglich. Um effizient zu arbeiten, wird jeder Tag bis ins Kleinste durchgeplant.

Und nach der Arbeit? Da geht der Organisationsmarathon in die nächste Runde. Immerhin hat man nicht viel Freizeit, und die wenige, die man hat, will möglichst sinnvoll genutzt werden. Effizient sein, etwas Sinnvolles machen - wann genau hat man eigentlich verlernt, einfach mal nichts zu tun?

Sogar auf der Couch effektiv

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Richtige Langeweile hatte ich das letzte Mal wahrscheinlich als Schülerin. Vielleicht ist es sogar noch länger her. Der unschätzbare Luxus nichts mit seiner Zeit anfangen zu können. Wenn ich es mir heute mit einem Buch auf der Couch bequem mache, ertappe ich mich dabei, wieder effektiv sein zu wollen. Immerhin könnte ich ja schnell noch eine Maschine Wäsche aufsetzen, oder aber endlich all die Anrufe erledigen, die ich seit Tagen vor mir herschiebe. Das Buch bleibt liegen.

Dabei unterschätzt man die produktive Kraft, die Langeweile mit sich bringt. Denn was hat man als Kind gemacht, wenn man nichts mit sich anzufangen wusste? Man hat die Langeweile mit kreativen Ideen gefüllt, sich Abenteuer ausgedacht, eine neue Welt erschaffen. Und Ideenreichtum ist sicherlich kein schlechtes Attribut. Vor allem nicht für angehende Redakteure. Die besten Einfälle für neue Artikel kommen mir tatsächlich dann, wenn ich nicht angestrengt darüber nachdenke. Bei ziellosen Spaziergängen durch die Stadt fällt mir eine spannende Reportage ein. Beim gedankenlosen Blick aus dem Fenster das Konzept für eine neue Serie.

Das Nichtstun bitte nicht unterschätzen

Klar, kann man seine Zeit nicht immer frei gestalten und eine gute Selbstorganisation hilft nicht nur dabei, seinen Job gut zu erledigen, sondern auch, seine Freizeit so gut wie möglich zu nutzen. Doch neben all dem Wunsch, in möglichst wenig Zeit, möglichst viel unterzubekommen, sollte man nie den Wert des sporadischen Nichtstuns unterschätzen. Denn Kreativität braucht bekanntlich Raum, und in der schnelllebigen Welt, die nach immer mehr Effizienz verlangt, ist die Langeweile manchmal der Schlüssel dazu.