Die Stunde der Ärztinnen

Foto: dpa

Das geht uns doch allen so: Manchmal geht man echt am Stock. Dann ist es gut, wenn man einer Orthopädin in die Hände fällt und keiner Knochenjägerin. Wir wissen nicht, wie...

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. All unsere Millionen Leserinnen und Leser haben es ja Gott sei Dank gemerkt: In der „Woche“ vom vergangenen Samstag fehlte die letzte Zeile. Wir hatten über berühmte Menschen geschrieben, die ein TV-Format neu übernehmen könnten, dabei an – kann man das so nennen: herausragender – Stelle an Heidi Klum gedacht, nämlich mit Blick auf „Bones – die...“ Und da hörte es dann auf. ... „Knochenjägerin“ hatte gefehlt.

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Daraufhin erreichten uns Waschkörbeweise Mails. Die beste von Dr. med. Vera S. aus M.: „Herzliche Grüße an meinen Lieblings-Kolumnisten.“ Boah ey. Gut, diese Art von Lob haben wir uns ehrlich verdient, aber es wärmt einem dann doch das Herz. Aber dann! Frau Dr. S. forderte mit Nachdruck eine Erklärung für die fehlende Zeile, jedoch, wörtlich: „Nicht, dass so was Langweiliges kommt wie ‚Wir wollten die Aufmerksamkeit unserer Leser testen.‘!“ Wir schrieben zurück, ob sie es mit ihrem Ethos als Ärztin vereinbaren könne, uns so unter Druck zu setzen, worauf sie antwortete: „Locker, das schaffen Sie schon, Sie könnten sich ja sicherheitshalber auf der Couch ans Werk machen, damit Sie bei einem Kollaps weich fallen.“

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Gut, manche Männer kennen das, hart aber herzlos: „Schaatz, Du schaffst das schon, Du kannst dich ja sicherheitshalber auf der Couch ans Werk machen.“

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Hier die Erklärung für die fehlende Zeile: sie hatte sich aufgemacht in die Weiten des Alls, dort wird sie gebraucht, um schwarze Löcher zu stopfen, denn, so alle Zeitungen: Forscher haben dieser Tage sieben erdähnliche Planeten entdeckt. Und wir wollen doch nicht, dass die uns in schwarze Löcher fallen.

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Eingeläutet war damit unsere Woche der Ärztinnen, denn am Dienstag begaben wir uns auf der Suche nach orthopädischer Hilfe erstmals in die Hände einer Frau! Wir konnten nicht ausschließen, dass sie sagen würde: „Ahh, Sie sind doch der mit der frauenfeindlichen Samstagskolumne, endlich bekomme ich Sie mal in die Finger.“ Aber nein, alles ging sehr gut. Keine Spur von „Knochenjägerin“.

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Schwieriger Übergang jetzt. „Schulzzug ungebremst“, verkündete die rheinland-pfälzische SPD am Fastnachtsfreitag. Gemeint ist, nichts für ungut, wohl eher: unaufhaltsam. „Ungebremst“ klingt ein bisschen wie eine Mischung aus „Atemlos durch die Nacht“ und den fast täglichen Polizeimeldungen: „Offenbar ungebremst ist ein Autofahrer in ein Stauende gefahren.“ Da machen wir uns jetzt echt ein bisschen Sorge, ob es der altehrwürdige, wenn auch renovierte Hauptbahnhof der Nibelungen-, Dom- und Lutherstadt Worms am nächsten Samstag aushält, wenn der Schulzzug ungebremst reinrauscht....Kleiner Scherz. Mega-Martin in Worms, kein Problem, das hatten wir schon mal: 1521 verteidigte sich Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms vor Kaiser Karl V. angeblich mit den Worten: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir.“ Böse Zungen sagen, der Spruch hätte eher zu Siggi Gabriel gepasst.

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Reichstag, das wäre eigentlich auch ein Superthema für die Wormser Nibelungenfestspiele. Wir stellen uns vor: Mario Adorf als Kaiser Karl, Veronica Ferres als dessen, na, sagen wir mal: gute Bekannte, und live zugeschaltet aus Rom oder wahrscheinlich eher Mallorca: Ex-Intendant Dieter Wedel als Papst. Veronica Ferres ist dann so angefressen von dem ganzen Stress, dass sie zu Kaiser Karl sagt: „Ei Karl, moi Drobbe“ – ein Satz, der viel später fälschlicherweise Mama Hesselbach zugeschrieben wurde. Martin Luther will sich nach der Aufregung ein paar erholsame Tage in Wiesbaden machen, aber als er zur damals schon chronisch verstopften Schiersteiner Brücke kommt, wendet er sich mit Grausen und flieht auf die Wartburg. Dort kauft er sich aber keinen Wartburg, vor allem deshalb nicht, weil es die DDR damals noch nicht gibt. Stattdessen übersetzt er, nein, nicht die Bibel, sondern die Agenda 2010, weil er weiß, dass sein Vornamens-Vetter Schulz die später sowieso ändern will. Oder so ähnlich.